Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / 2 ° Schneeregen

Navigation:
Algenaufzucht in der Warteschleife

Rathenow Algenaufzucht in der Warteschleife

Der Bau einer Algenaufzuchtstation an der Biogasanlage im Rathenower Gewerbegebiet Heidefeld verzögert sich, weil noch Unterlagen zum Bauantrag nachgereicht werden müssen. Der Investor ist zuversichtlich, dass die Halle noch in diesem Sommer in Betrieb genommen werden kann.

Voriger Artikel
Die Stadt ehrt ihre besten Sportler
Nächster Artikel
Eichenfällung an der B 102

Anfang des vergangenen Jahres schauten sich die Mitglieder des Rathenower Bauausschusses auf Einladung der Geschäftsführung auf dem Gelände der Biogasanlage im Gewerbegebiet Heidefeld um.

Quelle: Markus Kniebeler

Rathenow. Sven Eppinger ist ein Mann, der seinen Optimismus nicht so schnell verliert. Der Geschäftsführer der Biogasanlage Green Gas im Rathenower Gewerbegebiet Heidefeld hatte vor rund einem Jahr angekündigt, eine Algenzuchtanlage zu installieren. Am 1. August 2017 sollte die Anlage in Betrieb genommen werden. Bislang ist aber noch nicht einmal der erste Spatenstich erfolgt.

Trotzdem ist Eppinger guter Dinge. „Der ursprüngliche Plan war schon sehr, sehr sportlich“, gibt er zu. Dass der nicht eingehalten werden konnte, bedeute jedoch nicht, dass man von dem Vorhaben Abstand genommen habe. Die Anlage wird in diesem Jahr gebaut, sagt er. Bei dem Genehmigungsverfahren habe man die Zielgerade erreicht.

Tatsächlich wurde der Bauantrag schon vor einiger Zeit gestellt. Auch die für die Genehmigung unerlässliche Brandschutzkonzeption liegt dem Bauordnungsamt des Kreises vor. Was noch fehlt, ist das Gutachten eines Brandschutzprüfingenieurs, der die Konzeption prüfen und gutheißen muss. „Dieses Gutachten wird derzeit erstellt und nachgereicht, sobald es fertig ist“, sagt Eppinger. Und auch ein Antrag beim Landesumweltamt, in dem es um die geplante CO 2 -Auskopplung geht, sei in der Mache.

Sobald alle Genehmigungen erteilt sind, wird die Green Gas GmbH mit der Stadt Rathenow den Kaufvertrag über das Grundstück abschließen, auf dem die Algenzuchtanlage errichtet werden soll. Es habe bereits Vorverhandlungen gegeben, so Eppinger. Der Vertrag müsse dann nur noch unterschrieben werden.

Auf dem 14300 Quadratmeter großen Grundstück, das schräg gegenüber der Biogasanlage liegt, soll eine rund 10000 Quadratmeter große Halle entstehen. In dieser werden dann verschiedene Bassins untergebracht. Zum einen wird es Becken für die Algenzucht geben. Zum anderen sind Bassins für Fische vorgesehen.

Sinn und Zweck dieses Forschungszentrums ist es, verschiedene Algenarten zu züchten, die für die Fischzucht verwendet werden können. „Die Nachfrage der Verbraucher nach Speisefisch steigt seit Jahren“, erklärt Eppinger. Vor diesem Hintergrund gewinne die Frage nach effektiven Futterstoffen an Bedeutung. In Rathenow wolle man testen, welche Algenarten von welchen Fischarten bevorzugt werden. Deshalb werden neben den Algenzuchtbecken die erwähnten Fischbassins errichtet.

Stellt sich die Frage, warum sich der Betreiber einer Biogasanlage mit solch artfremden Dingen abgibt? „Weil wir so die Effektivität der Anlage steigern können“, erklärt Eppinger. Mit der beim Gärprozess anfallenden Wärme wird das Wasser in den Algen-Bassins auf die benötigte Temperatur von 20 Grad Celsius gebracht. Und das CO 2, das bei dem Gärprozess in der Biogasanlage entsteht, wird in die Becken geleitet, um das Wachstum der Algen zu fördern. Und schließlich sollen die Erkenntnisse, die man in dem Forschungszentrum gewinnt, vermarktet werden. Fischzuchtbetriebe seien sehr daran interessiert, mehr über Algenzucht zu erfahren. Schließlich gehe es diesen darum, ihre Fische so schnell wie möglich zur Schlachtreife zu bringen.

Im Sommer könnte Eppinger zufolge der Zuchtbetrieb anlaufen. „Hätten die ursprünglichen Pläne mit der Eröffnung im August 2017 hingehauen, wäre das Weltrekord gewesen“, sagt er. „Wenn wir es in diesem Sommer schaffen, ist das immer noch Europarekord.“

Biogas und Algenzucht

Die Kombination von Biogas- und Algenzuchtanlagen ist noch relativ neu. Erst vor wenigen Jahren wurden in Deutschland – unter anderem im Ruhrgebiet – die ersten Testanlagen in Betrieb genommen.

Das Prinzip: Die Algen nehmen das beim Gärprozess der Biogasanlage anfallende Kohlendioxid auf, das dann in Biomasse umgewandelt wird. Außerdem wird die beim Gärprozess anfallende Wärme genutzt, um das Wasser in den Zuchtbassins auf die Temperatur von 20 Grad Celsius zu bringen.

Durch diese Nutzung wird der Effektivitätsgrad von Biogasanlagen erheblich gesteigert.

Aus Zuchtalgen kann wertvolles Futter für Aquakultur-Fische gewonnen werden. Sie kommen aber auch in der menschlichen Nahrung und in der Kosmetik zum Einsatz, ebenso als Ersatz von Kraftstoffen.

Von Markus Kniebeler

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Havelland
MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg