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Alles entspannt an der Schönwalder Schleuse

Vielen Hobby-Kapitänen graut es vorm Schleusengang Alles entspannt an der Schönwalder Schleuse

Die Sonne glitzert auf der Wasseroberfläche. Es ist windstill und der Havelkanal plätschert leise vor sich hin. Idyllisch ruhig geht es auch an der Schönwalder Schleuse zu. Doch mit der Ruhe ist es bald vorbei. Schon von Weitem sieht Schichtleiter Berko Höhne den Lastkahn. Dann klingelt sein Telefon und das Boot „Bm 5207“ meldet sich an.

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Die Schleuse in Schönwalde ist eine von sechs Schleusen, die Elke und Detlef Nettwitz mit ihrem Boot „Royal“ passieren.

Quelle: laura sander

Schönwalde-Glien. Die Sonne glitzert auf der Wasseroberfläche. Es ist windstill und der Havelkanal plätschert leise vor sich hin. Idyllisch ruhig geht es auch an der Schönwalder Schleuse zu. Doch mit der Ruhe ist es bald vorbei. Schon von Weitem sieht Schichtleiter Berko Höhne den Lastkahn. Dann klingelt sein Telefon und das Boot „Bm 5207“ meldet sich an. Höhne gibt grünes Licht für die Einfahrt in die Schleusenkammer. Langsam, aber kontinuierlich nähert sich das 57 Meter lange und 7,60 Meter breite Ungetüm. „Ach die kennen wir. Die kommen jeden Tag hier durch“, informiert der Schichtleiter. Gekonnt steuert der Kapitän den Lastkahn in die Kammer und vertäut ihn sicher an der Schleusenwand. Man sieht ihm die Routine an.

Anders sieht es da bei vielen Sportbootführern aus. „Einige haben regelrecht Angst vor dem Schleusengang. Obwohl es auch nichts anderes ist, als in einem Hafen anzulegen“, sagt Berko Höhne. Kleinerer Pannen hat es natürlich auch schon gegeben. Mal reißt eine Leine, mal stürzt ein Freizeitkapitän versehentlich beim Festmachen ins Wasser. „Wir passen natürlich auf und haben es immer geschafft Schlimmeres zu vermeiden.“

Plötzlich entdeckt Höhnes Kollege Michael Metting ein Sportboot am Horizont. „Ach der ist schnell. Auf den warten wir noch.“ Gesagt, getan und in wenigen Minuten fährt auch die „Royal“ in die Schleusenkammer. Elke und Detlef Nettwitz aus Magdeburg haben ihr Boot in Premnitz zu liegen und verbringen jede freie Minute auf dem Wasser. „Hauptsächlich fahren wir auf der Havel. Es ist einfach herrlich“, sagt Elke Nettwitz und vertäut das Boot ohne Probleme. Die Schönwalder Schleuse passiert das Ehepaar auf seinem Weg nach Ketzin. „Manchmal bleiben wir bis zu drei Wochen auf dem Boot. Natürlich nur, wenn das Wetter mitspielt“, so Elke Nettwitz. Auch die Magdeburgerin gibt zu, dass bei jedem Schleusengang ein mulmiges Gefühl mitschwingt. „Ich habe regelrecht Schiss und wovor kann ich nicht einmal sagen. Aber ich glaube, das ist so ein Frauending“, lacht sie. Ihr Mann dagegen wirkt gelassen. „Bis zu sechs Schleusen durchqueren wir bei jeder Tour. Das übt“, sagt er und sinkt mit seinem Boot langsam nach unten. Das Wasser ist unruhig, blubbert und rauscht. Zuvor hatte Berko Höhne die Kammer per Knopfdruck geschlossen und den Ablauf des Wassers aktiviert. „Das funktioniert ganz automatisch in immer der gleichen Zeit von etwa sechs Minuten. Mit Ein- und Ausfahren dauert ein Schleusenvorgang so rund zehn bis 15 Minuten“, erklärt Höhne. Etwa 22000 Kubikmeter Wasser fließen während eines Schleusengangs aus der oder in die Kammer, je nachdem von welcher Seite die Schiffe kommen. Ein Blitzschlag vor rund drei Wochen sorgte allerdings für einen Totalausfall des Computers. „Der Kollege hat die Anlage dann per Hand gesteuert. Das geht im Notfall auch.“

Zahlen, Daten, Fakten

Die Schönwalder Schleuse nahm nach 13-monatiger Bauzeit am 28. Juni 1952 ihren Betrieb auf.

Am gesamten Havelkanal ist es die einzige Schleuse. Sie wurde vor allem deshalb gebaut, um das Stadtgebiet von West-Berlin zu umgehen.

Mit Ausnahme einiger Feiertage ist die Schleuse ganzjährig von 6 bis 20 Uhr und sonntags von 8 bis 20 Uhr geöffnet. Sie wird vom Wasser- und Schifffahrtsamt Brandenburg betrieben.

Die nutzbare Kammerlänge der Schleuse beträgt 82,2 Meter. Sie ist 12 Meter breit. Der maximale Höhenunterschied beträgt etwa zwei Meter.

In den vergangenen Jahren ist der Schiffsverkehr immer weiter zurückgegangen. Die Zahl der Schiffspassagen von Güter- und Frachtschiffen sowie von Sportbooten sank um über 50 Prozent seit der Eröffnung der Spandauer Schleuse im Jahr 2002. Die Anzahl der geschleusten Gütertonnen ging noch stärker zurück.

Bis auf den Blitzschlag blieb in diesem Jahr bislang jedoch alles entspannt, so der Schichtleiter. Im vergangenen Jahr war an der Schönwalder Schleuse hingegen mehr los. Erst brannte ein Sportboot vollständig aus, so dass der Verkehr für kurze Zeit gesperrt werden musste und im Mai wurde ganz in der Nähe eine Leiche entdeckt. „Wir wurden zu beiden Vorfällen befragt. Das mit dem Toten war schon unheimlich“, so Berko Höhne. Seit 15 Jahren arbeitet der 46-Jährige gemeinsam mit drei Kollegen an der Schleuse in Schönwalde. Im Sommer ist Hochsaison. „Zum Ferienbeginn haben etwa 50 bis 55 Sportboote die Schleuse passiert. Jetzt hat es sich wieder etwas beruhigt und wir liegen etwa bei 30 Sportbooten pro Tag.“ Höhne und seine Kollegen protokollieren jedes Schiff, das die Schleuse durchfährt und übermitteln die Daten an das Schifffahrtsamt in Brandenburg an der Havel. „Früher war hier mehr los, aber seit der Eröffnung der Spandauer Schleuse im Jahr 2002 wählen viele die Strecke durch Berlin.“ Die ist zwar etwa zehn Kilometer länger, als die Route über den Havelkanal, aber auf der Spandauer Route dürfen die Schiffe doppelt so schnell fahren. Der Havelkanal kann bei einer Wassertiefe von nur zwei Metern höchstens mit sechs Stundenkilometern befahren werden.

Elke und Detlef Nettwitz winken noch einmal zum Abschied und setzen ihren Weg nach Ketzin fort. Auf der anderen Seite der Schleuse warten auch schon die nächsten Schiffe auf das „Ok“ von Berko Höhne.

Von Laura Sander

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