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Havelland Als Neonazis Läden anzündeten
Lokales Havelland Als Neonazis Läden anzündeten
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16:09 18.04.2014
Die Macher und Zulieferer: Stefan Settels, Armin Behrend, Sebastian Hölzel, Hannes Püschel, Uwe Hoffmeyer-Zlotnik (v. l.). Quelle: Jana Einecke
Nauen

Es begann im August, am letzten Freitag der Sommerferien 2003. Während die meisten Nauener auf der Kirmes feierten, schlichen zwei junge Männer, dem Schulalter noch nicht entwachsen, die Dammstraße entlang. An einem Asia-Imbisswagen machten sie halt. Für einen Happen Bratnudeln war es zu spät, die Bude schon dicht, doch die beiden waren sowieso nicht wegen des Essens gekommen. Sie zündeten den Müllcontainer neben dem Imbiss an, dann liefen sie weg. Dass der Wagen nicht, wie beabsichtigt niederbrannte, sondern stehen blieb, bekamen sie wohl schon nicht mehr mit.

Diese angezündete Mülltonne vom 15. August 2003 wäre wohl eine Randnotiz der Nauener Ortsgeschichte geblieben, wenn sie nicht der Auftakt zu einer Anschlagsserie gewesen wäre. Zehn Monate lang ging damals im Osthavelland eine Gruppe um, die sich "Freikorps" nannte: ein Zusammenschluss von Jugendlichen, die sich den Anstrich eines Vereins gaben - und später als erste Brandenburger Neonazi-Gruppe wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung angeklagt wurden. Der Anführer: ein 19-jähriger Abiturient vom Goethe-Gymnasium, der Gründungsort: das beschauliche Pausin. An dieses Kapitel der Havelländer Geschichte erinnert ab sofort eine Ausstellung im Foyer des Kreishauses in Nauen, die noch bis zum 9. Mai zu sehen ist.

Als die zwölf jungen Männer im Mai 2004 gestoppt wurden, gingen zehn Brandanschläge in Nauen, Falkensee, Schönwalde und Brieselang auf ihr Konto; der Gesamtschaden belief sich auf rund 800000 Euro. Alle Attacken zielten auf Imbisswagen, Restaurants oder Geschäfte ausländischer Betreiber - und waren zweifelsfrei politisch motiviert. Laut Anklageschrift der Staatsanwaltschaft wollte die Gruppe "ein Fanal setzen" und nicht nur die direkt Betroffenen, sondern möglichst alle Ausländer aus der Region vertreiben. Den verheerendsten Anschlag verübte sie am 31.August 2003, als das Feuer, das sie in den morgens an einem Asia-Imbisswagen in der Nauener Raiffeisenstraße gelegt hatten, auf das angrenzende Gebäude übergriff. Ein Supermarkt brannte völlig aus, ebenso zerstört wurden ein Getränkeshop und ein vietnamesischer Textilhandel. Die Gruppenmitglieder wurden im Frühjahr 2005 zu Bewährungsstrafen zwischen acht Monaten und zwei Jahren verurteilt, der Anführer zu vier Jahren und sechs Monaten Gefängnis.

Erarbeitet hat die Ausstellung das Falkenseer Bündnis Gegen Rechts in Zusammenarbeit mit dem Antifaschistischen Recherchenetzwerk Osthavelland und dem Potsdamer Verein Opferperspektive. Auf zwölf Tafeln erfährt der Besucher das Wesentliche über die Anschläge, das Urteil - und die aktuellen Umtriebe der neonazistischen Szene im Osthavelland. Der Anführer des "Freikorps Havelland" ist demnach noch immer in der Region aktiv. Weiterhin geht die Ausstellung den Fragen nach, wo Rechtsextremismus beginnt und was man dagegen tun kann. Taucht man in die Geschichte der Havelländer Terrorzelle ein, fällt vor allem eines auf: die Parallele zum NSU um Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe. "Auch das 'Freikorps Havelland' hat Anschläge verübt, ohne sich zu erkennen zu geben", sagte Hannes Püschel von der Opferperspektive. "Das Konzept des NSU war nicht so ungewöhnlich, wie immer behauptet wird."

Von Jana Einecke

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