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Havelland Als Rudolf Virchow den Burgwall erforschte
Lokales Havelland Als Rudolf Virchow den Burgwall erforschte
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07:16 28.05.2018
Gezeichnet und erforscht von Rudolf Virchow: Darstellung des Burgwalls bei Ketzin (Havelland) in der Zeitschrift für Ethnologie aus dem Jahre 1882. Quelle: Helmut Augustiniak
Ketzin

Unzählige Kulturgüter gehen durch Veränderungen im gesellschaftlichen Leben der Völker verloren oder werden aus unterschiedlichen Gründen zerstört. Ein Beispiel dafür ist der über tausendjährige Burgwall bei Ketzin/Havel. Dem berühmten Arzt und Archäologen Rudolf Virchow, der die „Deutsche Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte“ gründete und ab 1870 die „Zeitschrift für Ethnologie“ herausgab, ist es zu verdanken, dass ein ausführlicher Bericht der Forschungen zum Ketziner Burgwall in einer Ausgabe publiziert wurde.

Im Februar 1882 sandte ihm der Vorsitzende der „Deutschen Geologischen Gesellschaft“, F. Wahnschaffe, einen Brief des Ketziner Ziegeleibesitzers Friedrich Albrecht, in dem ihm dieser mitteilte, dass er „von einem hiesigen Grundbesitzer mit der Abtragung des hart an der Havel, westlich unweit der Stadt und oberhalb des durch die Wiesen führenden Hauptkanals gelegenen sogenannten Burgwalls beauftragt wurde“.

Fachgesellschaft war alarmiert

Die Mitglieder der von Virchow geführten Gesellschaft waren alarmiert. Ein Mitglied von ihnen fuhr nach Ketzin/Havel und erstatte darüber den Mitgliedern Bericht.

„Das Ergebnis dieser ersten, sowie der später mit Hrn. Virchow unternommenen Reise war Folgendes: Der Burgwall von Ketzin liegt auf einem am nördlichen Ufer der Havel, 1,5 km NW. von Ketzin, gegenüber den sogenannten großen Kaveln in die Kiebitzwerder-Havel ragenden, stumpfwinkligen Vorsprung, hat einen Durchmesser von ungefähr 120 m NS. Zu etwa 160 m OW., so dass er ungefähr 2 ha Grundfläche umspannt; der höchste Kamm war zur Zeit meiner Besuche noch unberührt und ragte 7,5 m über den Wasserspiegel hervor.“

Westlich der Rathenower Innenstadt liegt „Alt-Rathenow“, einer der Rathenower Burgwälle. Er stammt aus dem 11. bis 13. Jahrhundert. Quelle: Heiko Hesse

Weiter wurde beschrieben, dass der Wall von der Wasserseite her durch Pfahlbauten gesichert war, von der Landesseite her durch zwei Wälle und zwei Gräben. Die Ausgrabungen der Küchen- und Wirtschafttsabfälle „haben ergeben, dass der Platz auf welchem der Burgwall errichtet wurde, schon in vorslawischer Zeit besiedelt war“.

Darüber liegende Schichten enthalten Funde aus der slawischen Zeit. Als Mediziner wandte sich Virchow intensiv den menschlichen Knochenfunden zu. Die hier gefundenen Schädel waren durch Gewalteinwirkung deformiert und stark beschädigt.

Burgwälle im Land Brandenburg

Fast über das ganze Land Brandenburg sind die „Burgwälle“, „Schwedenschanzen“, „Römerschanzen“, „Räuberwälle“ oder wie sie alle heißen, verbreitet. Die archäologischen Forschungen ergaben, dass diese Bauwerke teilweise schon während der Bronzezeit angelegt worden sind.

Diese Bauwerke waren sowohl von der vorslawischen und danach von der slawischen Bevölkerung besiedelt und ihre Standorte sind auch oft noch in späteren Jahrhunderten benutzt worden.

Es wurde viel darüber nachgedacht, ob die Burgwälle Kultstätten, Zufluchtsplätze, Wohnanlagen oder Befestigungsbauten gewesen seien. Es ließe sich manches dazu anführen, dass sie Opferstätten oder Tempel waren. Namen wie „Heiliges Land“ oder „Opferherd“ können darauf hinweisen.

Ein weiteres Merkmal wäre die Tatsache, dass auf Burgwällen häufig christliche Kirchen errichtet wurden. Oft sind diese Anlagen verhältnismäßig klein. Sie sind damit als Befestigungen und Zufluchtsstätten zu unbedeutend und zu wenig umfangreich.

Die Mehrzahl der bekannten Anlagen waren wahrscheinlich entsprechend ihrer Lage und Bauweise sowohl Befestigungen, Zufluchtsstätten und Kultstätten.

Er resümierte: „Von einigem Interesse wäre es nun, zu ermitteln, welchem Volk gerade diese Köpfe aus dem Burgwall von Ketzin angehört haben. Vielleicht entstammen sie der Zeit der erbitterten Kämpfe zwischen Slawen und Deutschen.“ Doch das war nicht nachzuweisen, denn es war nicht bekannt, wie die Kopfform der Deutschen aus der Vorslawenzeit beschaffen war.

Virchow meinte aber, dass diese Funde ein Beweis dafür seien, dass es heftige Kämpfe zwischen Slawen und Deutsche gab.

Riesige Anzahl von Knochenfunden

Eine riesige Anzahl von Knochenfunden gruben die Arbeiter aus, die mit dem Abtragen des Walles beauftragt waren. Der Ziegeleibesitzer Friedrich Albrecht schenkte die Masse der Fundstücke dem Museum für Völkerkunde in Berlin. Die gefundenen Tierknochen aus den verschiedensten geschichtlichen Epochen, wöchentlich fünf bis sieben Zentner, wurden an Düngemittelfabriken verkauft.

Virchow schrieb: „Eine gründlichere Zerstörung ist wohl noch nirgend an einem unserer alten Burgwälle vorgenommen worden, denn das eigentliche Objekt der Förderungsarbeiten, der Ton zum Ziegelbrennen, lag in dem Untergrunde, und es war nötig, um zu demselben zu gelangen, erst die ganze Höher der Wallaufschüttung abzutragen und nachher den Schutt wieder in den Gruben zu versenken, aus denen man den Ton gehoben hatte. So ist denn das Oberste zu unterst gebracht worden und an der Stelle des Walles befindet sich nur noch eine ebene Fläche, kaum in dem Niveau der umliegenden Wiesen.“

Von Helmut Augustiniak

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