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Alter Finkenkrug zwischen Idylle und Tragödie

Falkensee Alter Finkenkrug zwischen Idylle und Tragödie

In der MAZ-Serie „Zu Hause in...“ geht es heute zum Alten Finkenkrug. Der Mini-Ortsteil ist klein und trotzdem berühmt. Theodor Fontane hat ihn in seinen Wanderungen durch die Mark Brandenburg freundlichst verewigt. Aber der idyllische Ort birgt ein düsteres Kapitel Falkenseer Ortsgeschichte in sich.

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Vom Alten Finkenkrug blieb nur ein Nebengebäude erhalten.

Quelle: Marlies Schnaibel

Falkensee. Theodor Fontane hat mit seinen Wanderungen durch die Mark Brandenburg ebendiese berühmt gemacht. Dabei ist er gar nicht so oft gewandert, sondern doch ganz gern mit der Kutsche gefahren. Aber hier ist er mal zu Fuß gegangen, nämlich im Mai 1870 vom Bahnhof Finkenkrug Richtung Norden. Mit seinem Freund Bernhard von Lepel hatte er die Bahn genommen und dann ging es auf Schusters Rappen weiter. Der Alte Finkenkrug war damals eine bekannte Gastwirtschaft und Fontane wusste freundliche Worte zu finden. Schwärmte gar von den Frauensbildern: „Schlank, hübsch, wohlgekleidet, munter ohne Lärm, neckisch ohne Frivolität, frei ohne ,Freiheiten’”. Und er schwelgte weiter: „Links zwitscherten die Vögel im Wald, nach rechts hin dehnte sich die Wiese, mit Tausendschön, Ranunkel und rotem Ampfer gesprenkelt. Alles war Heiterkeit und Friede.”

Das grüne Schild weist die Sieben-Häuser-Kolonie als Ortsteil aus

Das grüne Schild weist die Sieben-Häuser-Kolonie als Ortsteil aus.

Quelle: Marlies Schnaibel

Heerscharen von Fontaneverehrern sind seitdem gekommen, um auf seinen Spuren zu wandern. Heiterkeit und Friede finden sie, den alten Finkenkrug aber nicht. „Manchmal fragen Leute danach “, sagt Thomas Ebert. Er wohnt seit fast drei Jahrzehnten hier. Vom einstigen Ausflugsgasthof blieben 1945 nur die Nebengebäude stehen. Eines davon verfiel, das andere steht mit Efeu zugewachsen romantisch unter alten Bäumen. Einige Häuser sind nach dem Krieg hinzugekommen. Sieben Wohnhäuser machen die ganze Siedlung aus.
Hier lebt man ruhig und auch wieder nicht. „Der Verkehr hat zugenommen“, sagt Thomas Ebert. Auf der nahen Bahnlinie donnern die Züge vorbei, auf der Landesstraße reiht sich Auto an Auto. „Das ist lebensgefährlich, auf der Straße mit dem Rad zu fahren“, sagt Thomas Ebert. Und die Bushaltestelle hätte den Namen nicht verdient, es ist nur ein Pfahl mit Schild im straßenbegleitenden Grün.

Vergessener Friedhof im Waldstück

Die einzige Straße der Siedlung ist eine Sandpiste. „Manchmal fährt ein Bus die kleine sandige Straße rein“, erzählt Bozena Schaefer. Es sind Stadtrundfahrten, auf denen gezeigt wird, wo der Alte Finkenkrug bis 1945 stand, dann brannte er ab. Bozena Schaefer wohnt seit drei Jahren hier. Als sie mit der Familie der Tochter aus Berlin hierher zog, da suchte die Familie ein Häuschen, von der Berühmtheit des Ortes wusste sie nichts. Das hat sich geändert. Ihre Enkelin hatte sie auch in das kleine Waldstück geführt, erzählt die Neu-Falkenseerin. Das Mädchen hatte dort einen kleinen Friedhof entdeckt. Oder das, was davon übrig ist. Der Sockel eines Grabsteines, vier Grabeinfassungen, der Größe nach sind des Kindergräber. Hier lag einst die Familiengrabstätte der Bracklows, Ende des 18. Jahrhunderts gab es die ersten Begräbnisse, im Sommer 1945 die letzten.

Vernichtung in den letzten Kriegstagen

Vor 300 Jahren war ein Teerofen Finkenkrug erwähnt worden, später kam eine Krugwirtschaft hinzu Die wurde berühmt – und endete ruhmlos. Nämlich 1945. Zu dem Zeitpunkt gehörte das Anwesen der Falkenseer Nazigröße Robert Grüneberg, Kreisleiter der NSdAP. Er setzte sich ab, seine Frau und seine beiden Söhne verbrannten im Alten Finkenkrug, als dieser von ihrem Bruder mit einer Panzerfaust in Brand gesetzt wurde. Es ist ein doppelt trauriges Kapitel in der Falkensee-Geschichte. Im Feuer ging auch der bekannte Gasthof für immer dahin. Im Museum der Stadt sind alte Abbildungen und einige Teller und Gläser mit der Aufschrift „Alter Finkenkrug“ vorhanden.

Und eine Pferdepension trägt heute den schönen Namen „Alter Finkenkrug“.

Von Marlies Schnaibel

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