Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -3 ° Sprühregen

Navigation:
Alter Hohennauener Hof ist wieder wachgeküsst

Pension „Am Dorfanger“ Alter Hohennauener Hof ist wieder wachgeküsst

Der alte Plauesche Hof in Hohennauen war arg herunter gekommen. Dann haben ihn Bettina und Jens Smyczek gekauft, saniert und umgebaut zu einer Pension. Die beiden Hohennauener haben sich damit einen alten Traum erfüllt und, ohne es zunächst zu wissen, eine Frau glücklich gemacht, deren Großeltern einst den Hof besaßen.

Voriger Artikel
Westhavelland: Bündnis für Familie zieht um
Nächster Artikel
„Wir sind Nauen, tolerant und weltoffen“

Sabine Wolf (rechts) vor der Pension mit Jens und Bettina Smyczek.

Quelle: privat

Hohennauen. Sabine Wolf, Lehrerin im Ruhestand, ist immer wieder neu begeistert, wenn sie den Hof jetzt sieht. Das Eckgrundstück in Hohennauen am Abzweig in Richtung Parey hatte einst ihren Großeltern Friedrich Wilhelm August Plaue und Berta Plaue, geb. Paries, gehört. Jahrzehntelang verfiel der wundervolle alte Bauernhof immer mehr und eine Rettung schien fast gar nicht mehr möglich zu sein. Dann wurde er aber von zwei Hohennauenern gekauft und wieder wachgeküsst. Bettina und Jens Smyczek hatten das arg heruntergekommene Anwesen erworben, um sich einen Traum zu erfüllen. Schon seit langer Zeit hatten sie sich eine eigene Pension aufbauen wollen und gingen das Projekt mit Ausdauer an. Damals ahnten sie nicht, dass sie damit auch den Lebenstraum einer ihnen seinerzeit noch völlig unbekannten älteren Dame erfüllen würden.

Die Pension hat sechs Appartements und zwei Ferienwohnungen

Die Pension „Am Dorfanger“ gehört mittlerweile zu den etablierten Beherbergungsbetrieben von Hohennauen. Es gibt dort sechs Appartements und zwei Ferienwohnungen. Eine Ferienwohnung ist barrierefrei. Der ehemalige Stall ist ein barrierefreier Veranstaltungsraum für bis zu 50 Personen geworden. Die Pension erfüllt die Anforderungen des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) als „Bett & Bike“-Station und hat die Zertifizierung mit dem Service-Q bekommen. Von Anfang an hatten die Smyczeks auch möglichst viel aus der Geschichte des einstigen Bauernhofes in Erfahrung bringen wollen. Im Ort wusste mancher ein bisschen was zu erzählen, aber genaue Fakten blieben aus. Bis eines Tages ganz überraschend eine freundliche Frau mit Fahrrad vor ihnen stand.

Der Hof im Jahr 1913

Der Hof im Jahr 1913. Rechts Antonie Plaue (1895 bis 1945). An der Hand hat sie ihre kleine Schwester Erna (1908 bis 1988), die später die Mutter von Sabine Wolf werden sollte.

Quelle: privat

„Herr Smyczek dachte zuerst, dass ich eine Fahrradtouristin bin und hier übernachten will“, amüsiert sich Sabine Wolf. Dann habe sie von ihren Verfahren erzählt, deren Aufzeichnungen über den Hof bis ins Jahr 1676 zurück gingen. Sofort sei der Funke übergesprungen. Mit hoher Sensibilität und großem Einfühlungsvermögen hätten sich die neuen Besitzer mit dem Schicksal der ehemaligen Bewohner vertraut gemacht, berichtet Sabine Wolf. Sie sei erstaunt gewesen, mit welchem Interesse sie ihren Erzählungen aus früheren Tagen folgten. Beim Rundgang über das Grundstück habe sie selbst feststellen können, mit welch hohem Kraftaufwand und enormer Energie diese den Hof wieder aufgebaut und mit dem Umbau zur Pension einer Nutzung zugeführt hätten.

Die unerwartete Begegnung eröffnete für Bettina und Jens Smyczek endlich die ersehnte Chance, Genaueres über die Geschichte des Hofes zu erfahren. Sabine Wolf konnte ihnen viele Daten und Fakten nennen und nicht wenige historische Episoden erzählen. Bei Weitem nicht alle Ereignisse waren schön. So war beispielsweise der künftige Hoferbe Otto Plaue 1921 im Alter von gerade einmal 20 Jahren beim Pflügen auf einem Feld in den Spaatzer Bergen heimtückisch erschlagen worden. Die Umstände wurden nie geklärt. Noch heute erinnert ein Denkmal am Feldrand an jene schreckliche Tat. Eine alte Denkschrift dazu hat Sabine Wolf den neuen Besitzern schon übergeben und dazu auch ein paar Fotos aus alten Zeiten. Einige schmücken bereits vergrößert und hübsch aufgemacht den Frühstücksraum, der als Saal für Veranstaltungen gemietet werden kann.

Geradezu sind die Pensionszimmer und der Saal, dort war früher der Kuhstall

Geradezu sind die Pensionszimmer und der Saal, dort war früher der Kuhstall. Links war die Scheune, rechts das Wohnhaus und hier vorn stand einst der Pferdestall.

Quelle: Bernd Geske

Zu DDR-Zeiten musste der Bauernhof an eine Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) übertragen werden. Nach der Wende wurde er rückübertragen an eine Erbengemeinschaft. Die wollte das marode Anwesen verkaufen, doch es dauerte lange, bis sich jemand fand. Was für eine Perle die Smyczeks wieder aus dem Hof gemacht haben, daran kann sich Sabine Wolf nicht satt sehen. Das ganze vergangene Jahr hat sie dazu genutzt, um ihre gesamte, teilweise weit entfernt wohnende Verwandtschaft ausfinden zu machen, um sie zu mobilisieren: Von überall her hat sie sich alte Fotos vom einst so prächtigen Vierseitenhof schicken lassen und jetzt einen ganzen Karton voll an Bettina und Jens Smyczek übergeben.

Die beiden indes sind gerade erst wieder zu Atem gekommen. Denn im Buga-Jahr 2015 war ihre Pension von April bis Oktober total ausgebucht. Auch in der kalten Jahreszeit war nicht wenig los. Da sie beide „nebenher“ noch einem Arbeitsverhältnis nachgehen mussten, fanden sie längere Zeit keine Muße, um in alten Erinnerungen zu schwelgen. Jetzt, kurz bevor die neue Radler-Saison richtig rollt, wollen sie die neuen, alten Fotos sichten und mit einer repräsentativen Auswahl die Wände ihrer Pension verzieren. Einige heutige Hohennauener sollen auf den historischen Aufnahmen bereits eigene Vorfahren – manchmal als Kinder – darauf entdeckt haben. Da wird es noch vieles zu schauen und zu erzählen geben.

Von Bernd Geske

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Havelland
57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg