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Havelland Altes Wissen aus dem Naturpark
Lokales Havelland Altes Wissen aus dem Naturpark
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00:17 17.02.2016
Der Natur- und Landschaftsführer Hans-Joachim König präsentierte viel Wissen zur Regionalgeschichte.
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Milow

Hans-Joachim König ist Natur- und Landschaftsführer mit Hang zum Historischen. Die Leidenschaft für diese Verknüpfung machte am Samstag seinen Vortag zu historischen Persönlichkeiten der Gattung „Homo sapiens havellandensis“ und seltenen und weniger seltene Tiere aus dem Naturpark Westhavelland im Besucherzentrum Milow interessant. „Wir sind gespannt, uns bisher Unbekanntes aus der Naturparkregion zu erfahren“, sagten Liane und Detlef Zemlin vor Beginn der Veranstaltung. Sie waren aus Ferchesar zu dem Vortag nach Milow gekommen.

90 Minuten Vortrag

So einen Wissensdurst, gepaart mit gesunder Neugierde hatten wohl alle 25 Besucher. Gemessen am Beifall waren dann wohl auch alle begeistert von dem Vortrag. 90 Minuten erzählte König von Pflanzen, Tieren und Havelländern, die nicht so oft im Mittelpunkt öffentlicher geschichtlicher Betrachtung stehen, aber es durchaus verdient haben. Gerade dieser Wechsel zwischen Natur und Mensch machten seine Ausführungen lebhaft. Ein Vortrag mit Fotoaufnahmen, der die Zuhörer mitunter auch in Stauen und Schmunzeln versetzte.

Die Zuhörer verfolgten gespannt den Vortrag. Quelle: Stein

Der Schlammpeitzger war ein Beispiel dafür. Die im Westhavelland selten gewordene Fischart lebte heute noch im Gülper See, wie auch der Steinbeißer. Den Schlammpeitzger haben die Menschen früher nicht nur gesessen, wie König zu berichten wusste. Die Bauern haben sich biologischen Eigenschaften der Fischart auch zu eigen gemacht, um herauszufinden ob das Wetter umschlägt und ein Gewitter großes Gewitter naht.

Auch den Hecht als Fischart des Jahres 2016 rückte der Vortragende in den Fokus des Interesses seiner Zuhörer. Vor den Fischen hatte er sich alten Weiden gewidmet, aus denen Birken wachsen und heute für ein ungewöhnliches Landschaftsbild rund um Plänitz bei Neustadt an der Dosse sorgen. König referierte auch über den Pfaffenhütchenstrauch, dessen Früchte zur Lieblingsspeise der Rotkehlchen gehören.

Zirkus Krone auf Reisen

Zwischen Amsel, Stieglitz und der Sieben-Brüder- Eiche in Friesack lenkte König die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer auf den Brenkenhof bei Großderschau, wo Adolf Rautmann (1863-1937) geboren wurde. Im jugendlichen Alter kam Rautmann nach Berlin, wo er sich zunächst den Zirkus Renz anschloss und anschließend mit dem Zirkus Krone auf Reisen ging. Der gebürtige Brenkenhofer war Manegenclown und als Alleinunterhalter Onkel Pelle erfolgreich.

Rundgang durch die Ausstellung. Quelle: Stein

Zu seinem Freundeskreis gehörte Heinrich Zille. König widmete sich dann Karl Theophil Guichard (1724-1775), der von Friedrich II. Quintus Icilius genannt wurde. Während des Siebenjährigen Krieges wurde 1759 Guichard Führer eines Freibataillons und führte den Befehl des Königs aus, Schloss Hubertusburg zu plündern. Zum Dank schenkte Friedrich ihm das Schloss. Nunmehr bereichert, konnte Guichard nach dem Kriege das Gut Wassersuppe im Westhavelland erwerben, blieb weiterhin Gesellschafter des Königs und verwaltete dessen Bibliothek.

In Stechow im Westhavelland erblickte am 5. Dezember 1879 Clara Schuch (geb. Bohm) das Licht der Welt. Sie engagierte sich schriftstellerisch in der Arbeiterwohlfahrt, schrieb Gedichte und Aufsätze und redete auf Kongressen. Ein besonderes Anliegen war ihr die Bekämpfung der hohen Säuglingssterblichkeit in Deutschland. Unermüdlich forderte die sozialdemokratische Politikern die Einrichtung von Mütterberatungsstellen.

Sie war Mitglied der Weimarer Nationalversammlung, anschließend bis 1933 Reichstagsabgeordnete. Nach der Machtübernahme der Nationalsoziallisten wurde sie für 15 Tage inhaftiert. Sie starb am 6.Mai 1936. Zur Trauerfeier kamen 5000 Menschen, was als stummer Protest gegen das NS- Regime gewertet wurde.

Ziemlich zum Ende seines Vortrages kam König auf Georg Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg zu sprechen. Der erstgeborene Sohn des letzten Kronprinzen von Hannover, Ernst August, verunglückte am 20. Mai 1912 bei einem Autounfall bei Nackel nahe Friesack tödlich. In die Geschichte eingegangen ist das Unglück als erster tödlicher Autounfall in Deutschland.

Von Norbert Stein

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