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Am 1. Dezember beginnt ein neues Leben

MAZ-Sterntaler-Aktion Am 1. Dezember beginnt ein neues Leben

Die MAZ-Sterntaler-Aktion ist wieder angelaufen. Die weihnachtliche Spendenaktion kommt in Not geratenen und von Armut bedrohten Familien zugute. So wie Susanne El-Heit aus Rathenow, die vor zwei Jahren in der Optikstadt ein neues Zuhause für sich und ihre vier Kinder fand.

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Susanne El-Heit mit ihren vier Kindern Oliver (oben), Denis, Dalibor (vorn) und Cassandra im einzigen Kinderzimmer ihrer Wohnung.

Quelle: Ch. Schmidt

Ratheow. Am 1. Dezember beginnt für Susanne El-Heit und ihre vier Kinder ein neuer Lebensabschnitt. Zwei Jahre lang hatte die Familie auf eine größere Wohnung gewartet. Nun steht der Umzug kurz bevor, die ersten Sachen sind gepackt und die Aufregung ist groß, denn zum ersten Mal bekommt jedes Kind ein eigenes Zimmer.

Die Freude darüber ist so groß, dass Oliver, Cassandra, Denis und Dalibor verkündeten, sie verzichten dieses Jahr auf Weihnachtsgeschenke. Ein eigenes Zimmer ist für sie das schönste Geschenk. Außerdem sie wissen, dass das Geld knapp ist, weil ihre Mama ganz allein für sie sorgen muss. Das meistert die 27-Jährige mit viel Liebe, Geduld, Ausdauer, schier unendlicher Kraft und einem herzlichen Lächeln.

Für Susanne El-Heit und ihre Kinder ist es bereits der zweite Umzug an einem 1. Dezember, vielleicht ist dieses Datum ja eine Art Glückstag für die Familie. Am 1. Dezember 2013 konnten sie nach zwei Monaten im Frauenhaus in ihre erste eigene Wohnung ziehen. Ein Schritt in die Freiheit und in ein normales Leben nach einer wahren Odyssee. Susanne, die in Berlin geboren wurde und bis vor zwei Jahren dort lebte, war 15 als sie sich in den Vater ihrer vier Kinder verliebte.

Mit 16 wurde sie zum ersten Mal Mutter, mit 17 bekam sie das zweite, mit 19 Jahren das dritte Kind, und Anfang 2009 erblickte Nesthäkchen Cassandra das Licht der Welt. Doch das Familienleben war alles andere als eitel Sonnenschein. Der Vater kümmerte sich nicht um seine Kinder, mit den Jungs beschäftigte er sich gar nicht. Susanne verbot er, sich frei zu bewegen. Er schlug sie, sperrte sie ein, machte ihr das Leben zur Hölle. „Ich blieb bei ihm, weil ich wollte, dass meine Kinder mit ihrem Vater aufwachsen, aber irgendwann ging es nicht mehr“, sagt die junge Frau.

Sie versuchte sich und die Kinder in einem Frauenhaus in Sicherheit zu bringen, doch alle Einrichtungen in der Hauptstadt waren belegt. Sie kommen schließlich in einer Notunterkunft unter. Nach drei Tagen muss die junge Mutter eine Entscheidung treffen: Zurück zu ihrem Freund oder weg aus Berlin in eine fremde Stadt, in ein neues Leben. Susanne entschied sich für Letzteres und hat es nie bereut. Am 3. Oktober kam sie mit ihren Kindern in Rathenow an, hier fanden sie Schutz und ein wenig Ruhe.

MAZ-Sterntaler-Aktion

Die Weihnachtsaktion, die die MAZ in Kooperation mit dem DRK durchführt, soll Familien, die unverschuldet in Not geraten sind, ein unvergessliches Weihnachtsfest ermöglichen. Zudem sollen damit in diesem Jahr Frauenhäuser, Behindertenverbände, Tafeln und der Schulsanitätsdienst des DRK unterstützt werden.

Das Spendenkonto wird vom DRK-Kreisverband Fläming-Spreewald verwaltet, der auf Wunsch auch Spendenquittungen ausstellt.

Kontoinhaber: DRK-Kreisverband Fläming-Spreewald e.V., IBAN: DE 30 1605 0000 3633 0275 39, Verwendungszweck: Sterntaler.

Die MAZ möchte die Namen der Spender veröffentlichen. Ist dies nicht gewünscht, kann das beim Verwendungszweck vermerkt werden. stp

Susanne versuchte ihre Ausbildung fortzusetzen. Brachte die Kinder den ganzen Winter über mit dem Fahrrad zur Kita nach Göttlin und zur Schule und fuhr dann mit dem Zug nach Berlin. Am Abend holte sie alle vier wieder ab, ein langer Tag. Neun Monate hielt sie das durch. Dann entschloss sie sich, die Ausbildung abzubrechen und in Rathenow zu jobben, um mehr Zeit für ihre Kinder zu haben. „Wir wurden hier sehr gut aufgenommen und ich bin allen, die mich unterstützt haben, unendlich dankbar“, sagt die junge Frau.

Inzwischen besuchen ihre Kinder alle die Grundschule „Am Weinberg“, Denis ist sogar Klassenbester. Oliver bringt seine jüngeren Geschwister zur Schule, trägt für seine kleine Schwester die Tasche und holt sie am Nachmittag alle wieder ab. Es ist für ihn selbstverständlich eine Art Vaterrolle einzunehmen. „Ich kann mich auf meine Kinder zu 100 Prozent verlassen. Ich bin so glücklich, dass ich so wunderbare Kinder habe“, sagt Susanne El-Heit stolz.

Obwohl sie gerade ihren Job als Kellnerin verloren hat, weil sie nicht länger unter dem Mindestlohn arbeiten wollte, bleibt Susanne Optimistin. Es geht irgendwie weiter, da ist sie sich sicher. Im Januar legt sie ihre Führerscheinprüfung ab und nächstes Jahr im September beginnt sie eine Ausbildung zur Erzieherin. Jetzt muss sie sich aber erst einmal um den Umzug kümmern. Für die neue Wohnung fehlt noch einiges. Fast der gesamte Haushalt der Familie besteht aus Spenden, vieles davon ist nicht mehr zu gebrauchen. Das Doppelstockbett der Kinder wackelt gefährlich und wird den Umzug nicht überleben. Kochtöpfe, Pfannen und Geschirr brauchen sie ebenso wie eine Matratze.

Die Kinder haben auch kaum Spielsachen, verrät die Mutter. Sie weiß, dass sich Cassandra über eine Gitarre freuen würde. Genau wie ihre Brüder möchte sie ein Instrument lernen, allerdings warten sie seit einem Jahr vergeblich auf einen Platz in der Musikschule. Und was wünscht sich Mama Susanne? „Mein größter Wunsch ist, dass meine Kinder gesund und glücklich sind, und wir weiter so ruhig leben können wie bis jetzt.“

Von Christin Schmidt

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