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Gegen das Vergessen

Am 21. September ist Welt-Alzheimertag Gegen das Vergessen

Am 21. September ist Welt-Alzheimertag, rund um den Globus wird mit Aktionen auf die tückische Krankheit aufmerksam gemacht. Auch die Frau von Gerd Desens aus Nauen leidet an einer Demenz. Seitdem hat er die Erfahrung gemacht, dass einige Freunde von früher nur noch vorbeischauen. „So als ob wir Aussätzige wären.“ Die Krankheit sei immer noch ein Tabu, klagt er.

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Bei einer Alzheimer-Erkrankung löst sich die Erinnerung auf wie das Ziffernblatt dieser Uhr im Garten von Gerd Desens, an dem sich Wespen zu schaffen gemacht haben.

Quelle: Tanja M. Marotzke

Nauen. Manchmal kommt es Gerd Desens so vor, als sei das alles nur ein böser Traum gewesen. Wenn er mit seiner Frau Helga in alten Fotoalben blättert und sie die abgebildeten Personen wiedererkennt. Oder wenn sie ihn wie neulich bei einem Treffen mit alten Bekannten fragt: Ist das nicht der Axel? „Dann denke ich manchmal, sie ist gar nicht krank“, sagt der Nauener.

Es sind die guten Momente, doch sie sind leider nicht alltäglich. Gerd Desens’ Frau ist pflegebedürftig, sie leidet an Alzheimer. Als es vor sieben Jahren mit Angstzuständen am helllichten Tag anfing, da ahnten die Eheleute noch nicht, dass das bloß die Vorboten der Demenz waren. Erst als Helga immer häufiger ihre Brille verlegte und auch sonst zunehmend Probleme im Alltag bekam, begriffen sie, was passierte.

Gerd Desens hätte seine Frau ins Heim schicken können, aber das wollte er nicht. „Ich könnte nicht mit ansehen, wie sie dort dahingeht“, sagt er. Tagsüber ist sie zwar bei einer Tagespflege, aber ansonsten lebt Helga weiter in ihrem vertrauten Zuhause. Ihr Mann kümmert sich um sie und um den Haushalt, persönliche Interessen müssen zurückstecken. „Wenn ich das mache, dann mit allen Konsequenzen“, sagt er. Abends mal ins Kino oder ins Theater zu gehen – unmöglich.

Gerd Desens beklagt sich nicht. Er hat sich bewusst für diesen Weg entschieden, aus Liebe für Helga. Jeden Tag sitzen die beiden zusammen, schauen Nachrichten und reden, als gäbe es die tückische Krankheit nicht. „Menschen mit Demenz sind nicht dumm. Sie werden auch nicht verrückt, bloß vergesslich“, sagt Desens. Ihre Schlagfertigkeit habe Helga nicht verloren, „manchmal bekomme ich sogar Schelte“, erzählt er. „Die Betroffenen wollen nicht wie kleine Kinder behandelt werden“, sagt er. Wichtig sei ein geordneter Tagesablauf, an dem sie sich orientieren können.

An einer Demenz leiden in Deutschland rund 1,5 Millionen Menschen, Tendenz steigend. Die Krankheit kann viele Gesichter haben, ihre Ursachen sind noch immer nicht vollständig erforscht. Eine Heilung gibt es derzeit nicht.

In der Gesellschaft ist die Krankheit immer noch ein Tabu. „Wir reden nicht offen genug darüber“, sagt Gerd Desens. Er engagiert sich deshalb auch in der Kontakt- und Beratungsstelle für Menschen mit Demenz und deren Angehörige vom Gemeinschaftswerk Soziale Dienste in Nauen. „Es tut gut sich dort mal mit jemandem unterhalten zu können, der sich in einer ähnlichen Situation befindet.“

Am kommenden Montag, dem 21. September, wird rund um den Globus der Welt-Alzheimertag begangen. Das diesjährige Motto lautet: „Vergiss mich nicht.“ Leider bleibt dieser Wunsch oft unerhört. Auch Gerd Desens hat die Erfahrung gemacht, dass einige Freunde von früher deutlich seltener vorbeischauten, seit seine Frau an Alzheimer leidet, „so als ob wir Aussätzige wären.“ Dabei sei ein fortwährender Kontakt, auch körperlich, so wichtig für die Betroffenen: „Personen, die sie häufig trifft, vergisst Helga nicht.“

Zur Demenz kommt bei Gerd Desens Frau eine weitere Erkrankung hinzu: Parkinson. Sie sitzt im Rollstuhl, er muss sie waschen und anziehen und manchmal auch die Treppe hinauftragen. „Gottseidank ist sie so ein leichtes Mädchen“, sagt der 68-Jährige. „Ich habe zum Glück noch die Power.“

Ab und an gönnt sich auch Desens eine kurze Auszeit. „Wer pflegt, muss auch mal Pause machen dürfen“, sagt er, „um die Batterie wieder aufzuladen“. Am liebsten sitzt er dann in ihrem Garten, unter dem Kirschbaum, den Helga so liebt. „Dort kann ich die Seele baumeln lassen.“

Von Philip Häfner

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