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Vernässung oder Entwässerung?

Am Runden Tisch wurde nach einem Kompromiss im Grundwasserstreit gesucht Vernässung oder Entwässerung?

Nach ungewöhnlich starken Niederschlägen im Winter 2009/2010 stand den Bürgern in den östlichen Stadtteilen Rathenows das Wasser förmlich bis zum Hals. Mehr als 160 Haushalte meldeten voll gelaufene Keller. Obwohl die Lage sich seitdem merklich entspannt hat, sind die Ursachenforschung und Problemanalyse noch in vollem Gange.

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Kurt Augustin (li.), Abteilungsleiter im Umweltministerium, moderierte das Gespräch zur Grundwasserproblematik.

Quelle: M. Kniebeler

Rathenow. Das Grundwasser ist in der Regel kein abendfüllendes Thema. In Rathenow änderte sich dies im Winter 2009/2010 schlagartig. Nach ungewöhnlich starken Niederschlägen stand Bürgern in den östlichen Stadtteilen das Wasser förmlich bis zum Hals. Mehr als 160 Haushalte meldeten voll gelaufene Keller. Und obwohl die Lage sich seitdem merklich entspannt hat, sind die Ursachenforschung und Problemanalyse noch in vollem Gange.

Vorläufiger Höhepunkt dieses Prozesses war ein runder Tisch, an dem sich gestern im Semliner Golfhotel Betroffene und Beteiligte versammelt hatten. Alle waren sie gekommen: Umweltschützer, Wasserwirtschaftler, Vertreter von Stadt, Kreis und Land sowie Mitglieder der Bürgerinitiative Grundwasser. Kurt Augustin, Leiter der Abteilung Wasser- und Bodenschutz im brandenburgischen Umweltministerium, war eigens aus Potsdam angereist, um das Gespräch zu moderieren. Und er schaffte es, aus dem hochkomplexen Geflecht von Ursachen und Wirkungen zwei Punkte herauszukristallisieren, an denen der Hebel zur Lösung des Problems angesetzt werden soll.

Punkt 1: Wolzensee und Körgraben. Alle am Tisch Versammelten waren sich einig, dass eine Absenkung des Wolzenseepegels auch das Grundwasserniveau mindern werde. Allerdings ist der Körgraben, über den Wasser aus dem Wolzensee in die Havel abgeführt werden könnte, dazu momentan nicht in der Lage. Vor allem das erste Stück, das vom See abgeht, ist völlig zugewuchert und lässt kein Wasser durch. Dass es nicht schon längst frei gemacht wurde, hat, so erklärte es Umweltdezernent Henning Kellner, mit der Landesforstbehörde zu tun. Die ist Eigentümer des Sees und des umliegenden Waldes. Und befürchtet, dass eine dauerhafte Pegelabsenkung des Sees den wertvollen Eichen ringsum das Wasser entziehen könnte.

Hier nun will Augustin ansetzen. Er werde in den kommenden Wochen mit den Verantwortlichen des Landeswaldes beraten. Und er sei guter Dinge, so Augustin, dass er in der Sache etwas erreiche. Denn Ziel der Pegelabsenkung sei ja mitnichten, den Wald und die geschützten Areale auszutrockenen. Vielmehr gehe es darum, flexibel zu reagieren, wenn zu viel Wasser da sei. Wenn es die Möglichkeit gebe, dieses Wasser gezielt über den Körgraben abzuführen, dann wirke sich das positiv auf das Grundwasserniveau aus, ohne sensible Gebiete gleich zu schädigen.
Flexibilität sollte Augustin zufolge künftig idealerweise Leitlinie für das gesamte Wassermanagement im Riesenbruch sein. Es könne nicht sein, dass im Frühjahr eine Stauhöhe als unabänderlich festgelegt werde – ohne Rücksicht auf das Niederschlagsgeschehen der Folgemonate. Da erwarte er von Seiten des Naturschutzes ein Entgegenkommen.

Eines stellte Augustin in der abschließenden Bewertung der Debatte klar: Durch Extreme werde das Problem nicht gelöst. Mit einer rigorosen Vernässung sei ebensowenig gewonnen wie mit einer forcierten Entwässerung. Anders gesagt: „Wir wollen die Keller trocken bekommen, ohne die Errungenschaften des Naturschutzes aufs Spiel zu setzen.“

Von Markus Kniebeler

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