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Havelland Angeklagter verspielt Strafminderung
Lokales Havelland Angeklagter verspielt Strafminderung
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00:40 17.09.2015
In den Personalbereich dieser Kaufland-Filiale soll Sascha P. mit einem Komplizen versucht haben einzubrechen. Quelle: Christin Schmidt
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Rathenow

Zehn Monate Freiheitsstrafe ohne Bewährung und ein Ordnungsgeld in Höhe von 200 Euro kassierte Sascha P. am Montag vor dem Amtsgericht Rathenow. Das Urteil hätte Richter Ralf Weller beinahe ohne den Angeklagten gesprochen, denn P. kam 15 Minuten zu spät zur Verhandlung. Weller hatte bereits einen Pflichtverteidiger bestellt, als P. auftauchte und erklärte, er komme aus Magdeburg und habe das Gericht nicht gefunden. Vielleicht wäre die Strafe für P. am Ende geringer ausgefallen, hätte er die Verhandlung versäumt, so aber kassierte er für unsägliches Verhalten ein Ordnungsgeld und verspielte jegliche Chance auf Strafmilderung.

Angeklagter verteidigt sich selbst

Sascha P. wird vorgeworfen, am 7. April gegen 14 Uhr gemeinsam mit einem unbekannten Komplizen versucht zu haben, in den Personaleingang der Kaufland-Filiale in der Milower Landstraße einzubrechen. P., der sich vor Gericht selbst verteidigte, bestritt die Tat. Er sei zwar dort gewesen und hätte sein Auto, ein Jaguar, nahe des Personaleingangs abgestellt, aber nur um eine Pause zu machen. „Ich war kurz um die Ecke pinkeln. Was der andere in der Zeit gemacht hat, kann ich nicht sagen“, so P. Nach einem kurzen Einkauf sei er zu seinem Wagen zurückgekehrt und sah, dass jemand sein Auto fotografierte und dann auch ihn. Es kam zum Wortwechsel zwischen P. und dem Filialleiter, der bereits die Polizei verständigt hatte und den Verdächtigen stellen wollte. „Ich wollte die Sache klären, aber der ist mir so dumm gekommen. Wenn man nicht bereit ist, mit mir vernünftig zu reden, bin ich auch nicht kooperativ“, machte P. deutlich. Ohne auf die Polizei zu warten, fuhr er davon.

Dass die Tat überhaupt bemerkt wurde, ist der Anwohnerin Erika C. zu verdanken. Sie sagte vor Gericht aus, sie hätte beobachtet, wie ein Jaguar mit Magdeburger-Kennzeichen in der Lkw-Schleife wendete und hinterm Haus verschwand. Kurz darauf tauchten zwei Männer auf. „Der eine pinkelte, der andere ging vor und schaute durchs Fenster. Der zweite folgte und versuchte mit einem goldenen Gegenstand die Tür aufzuhebeln, während sein Komplize sich am Fenster zu schaffen machte. Als das nicht klappe, liefen sie weiter“, so die Frau. Sie informierte per Telefon Mitarbeiter des Supermarkts.

Zeugenaussagen decken sich

Filialleiter Olaf B. kam gerade ins Büro, als er zwei Männer am Fenster sah und ihn der Anruf aus der Zentrale über den Verdacht der Anwohnerin informierte. „Ich bin dann aus dem Fenster geklettert, um zu gucken, ob tatsächlich ein Auto um die Ecke parkt“, sagte B. aus. Es sah den Jaguar, konnte aber nichts Verdächtiges feststellen und kletterte durchs Fenster zurück ins Büro, um sein Handy zu holen und vorsorglich das Fahrzeug zu fotografieren. Am Fenster hatte er zudem frische Kratzspuren entdeckt. Später registrierte die Polizei auch Einbruchspuren an der Tür. Als die Verdächtigen wieder am Wagen auftauchten, zückte B. erneut das Handy und machte Bilder. Es kam zum besagten Wortwechsel.

„Alle haben dasselbe beobachtet, nur aus verschiedenen Perspektiven“, stellte Richter Ralf Weller in seiner Urteilsbegründung fest. Unklar ist nur, wer von beiden sich an der Tür zu schaffen machte. Da P. aber keine Angaben zu seinem Bekannten machen konnte oder wollte, mussten sich Richter und Staatsanwalt mit den Aussagen der Zeugen und des Angeklagten zufriedengeben.

Angeklagter schimpft wie ein Rohrspatz

Die Staatsanwaltschaft forderte ein Jahr Freiheitsstrafe ohne Bewährung, Richter Weller entschied auf zehn Monate ohne Bewährung. Seine Begründung konnte er kaum vortragen, da Sascha P. sich wütend gegen das Urteil zur Wehr setzte. „Ich gehe doch nicht in den Bau für etwas, das ich nicht getan habe“, schimpfte der junge Mann. Nachdem er schon vorher ausfallend geworden war und eine Verwarnung keine Wirkung zeigte, brummt der Richter ihm nun ein Ordnungsgeld in Höhe von 100 Euro auf. P. beruhigte sich noch immer nicht. „Ich nehme das Urteil nicht an“, wütete er und Richter Weller erhöhte um 100 Euro.

P. zog 200 Euro aus der Hosentasche, packte sie dem Richter auf den Tisch und wollte den Saal verlassen. Als Weller ihm klar machte, dass sich die Strafe so noch erhöht, nahm P. wieder Platz. Weller begründete das Urteil unter anderem mit zahlreichen Vorstrafen, der Uneinsichtigkeit des Angeklagten und seinem Verhalten vor Gericht. Aufgrund der schlechten Sozialprognose habe er sich gegen eine Bewährungsstrafe entschieden. „Sie sind unbelehrbar“, so Weller. P. will gegen das Urteil Einspruch einlegen.

Von Christin Schmidt

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