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Angesägte Hochsitze und kostspielige Wildschäden

Jagd in Falkensee Angesägte Hochsitze und kostspielige Wildschäden

Seit 16 Jahren kümmert sich Udo Appenzeller gemeinsam mit zwei weiteren Pächtern um ein 900 Hektar großes Jagdrevier in und um Falkensee. Er ist für die Regulierung des Wildbestandes zuständig und muss auch für verursachte Wildschäden aufkommen. Und manchmal muss er das Gewehr auch in der Stadt benutzen.

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Regelmäßig kontrolliert Udo Appenzeller die Hochsitze in seinem Jagdgebiet.

Quelle: Laura Sander

Falkensee. Bevor er die erste Stufe der hölzernen Leiter nimmt, prüft Udo Appenzeller die Stabilität des Hochsitzes ganz genau. Durch starkes Rütteln an der Unterkonstruktion und einen erfahrenen Blick auf das Bauwerk ist jedoch schnell klar – hier ist alles in Ordnung. Das ist nicht immer der Fall, weiß der Jäger. „Ich bin vor zwei Jahren einem Beinaheabsturz nur knapp entgangen, weil ich mich durch Zufall gegen den Hochsitz gelehnt habe. Er hätte mich nicht ausgehalten, wenn ich tatsächlich hochgeklettert wäre“, so Appenzeller, der sich mit zwei weiteren Pächtern um ein 900 Hektar großes Jagdrevier in und um Falkensee kümmert. Alle vier Beine des Hochsitzes waren von Unbekannten durchgesägt worden. „In diesem Fall waren wohl Gegner der Jagd am Werk. Sie verstehen nicht, dass es die Pflicht eines Jagdpächters ist, in seinem Gebiet den Wildbestand zu regulieren, dass er sogar gesetzlich dazu verpflichtet ist“, sagt der Falkenseer.

Hochsitz in Flammen

Doch nicht immer sind es Jagdgegner, die sich an den Hochständen zu schaffen machen. „Es standen schon Hochsitze in Flammen, manchmal werden sie sogar komplett gestohlen.“ Das käme jedoch relativ selten vor. Jedes Mal, wenn der erfahrene Jäger seine tägliche Kontrollfahrt macht, überprüft er den Zustand der Hochsitze, die in Falkensee in Eigenregie gebaut werden. „Ein gekaufter Hochstand kann schon mal bis zu 500 Euro kosten. Selbst gebaut sind sie wesentlich günstiger“, so Appenzeller, der einer Familie von Jägern entstammt. „Ich habe meinen Jagdschein bereits mit 15 gemacht. Ich bin schon als kleiner Knopf immer mit meinem Vater mitgelaufen – der war passionierter Jäger“, erzählt der Falkenseer, der selber zehn Jäger zum „Grünen Abitur“ verholfen hat, wie der Jagdschein in Fachkreisen genannt wird. „Neben dem theoretischen Teil ist jedoch die Praxis entscheidend. Ich versuche mein Wissen und meine Erfahrung weiter zu vermitteln, um gute Jäger aus ihnen zu machen“, sagt Appenzeller, der seit 16 Jahren Jagdpächter in Falkensee ist. Aufschneider und Hitzköpfe hätten bei der Jagd nichts verloren, seien eine Gefahr für andere und für sich selbst. „Man muss das Wild richtig ansprechen und möglichst mit einem Schuss erlegen, um dem Tier Leid zu ersparen. Ein Gefühl für die Natur zu haben und sich mit der Natur und den Tieren verbunden zu fühlen, gehört einfach dazu.“ Über jedes geschossene Reh oder Schwein müssen die Jäger Buch führen. „Im vergangenen Jagdjahr, das am 31. März endete, haben wir 75 Wildschweine, 50 Rehe, 15 Stück Dammwild sowie 25 Füchse und etliche Waschbären geschossen“, bilanziert der Falkenseer. Etwa drei Prozent des Wildes behalten die Jäger für den Eigenbedarf, der Rest geht in die Fleischverarbeitung und an Restaurants.

Spuren lassen auf einen ungefähren Bestand schließen

Wie viele Tiere sich tatsächlich in seinem gepachteten Gebiet befinden, kann Udo Appenzeller nur schätzen. Spuren, wie zum Beispiel umgewühlter Boden oder abgeknabberte Knospen, lassen zumindest auf einen ungefähren Bestand schließen. „Eigentlich sind wir für Wald und Feld rund um Falkensee zuständig und verantwortlich für jeden Wildschaden, der hier passiert und die Landwirte schädigt. Vorgärten, Sportplätze oder Friedhöfe liegen nicht in unserem Zuständigkeitsbereich“, sagt Udo Appenzeller, der auch die Kosten für jeden Wildschaden tragen muss, der in seinem Pachtgebiet entsteht. „Wühlt eine Rotte ein ganzes Feld um, kann das schon in die tausende Euros gehen. Es ist immer ein schmaler Grad zur Privatinsolvenz.“

Jagd im Stadtgebiet

Weil sich Wildschweine, Füchse oder Waschbären mit Vorliebe auch in der Stadt herumtreiben, dürfen die erfahrensten Jäger mit Genehmigung der Unteren Jagdbehörde sogar in der Stadt zur Flinte greifen. „Zuvor müssen wir die Polizei verständigen. Eine Jagd in der Stadt ist heikel.“ Die Gefahr, einen Menschen durch eine fehlgeleitete Kugel zu treffen, ist eben höher als im Wald. „Wir suchen uns daher immer Stellen an denen ein Abhang oder ein leichter Hügel die Kugel abfängt“, so Appenzeller, der auch schon vor seinem eigenen Haus einen an Staupe erkrankten Fuchs erlegt hat. „Da musste ich schnell reagieren. Anschließend habe ich sofort die Polizei benachrichtigt.“ Neben kranken Tieren stehen derzeit vor allem Wildschweine auf der Abschussliste. „Die afrikanische Schweinepest ist bereits an der polnisch-lettischen Grenze angekommen. Um zu vermeiden, dass sie sich ausbreitet, ist so gut wie jedes Schwein – mit Ausnahme von Muttertieren – zum Abschuss freigegeben.“ Vor allem für Gartenbesitzer, die im näheren Umfeld der Döberitzer Heide leben, ein Grund zum Aufatmen. „Ein Wildschwein läuft auf der Suche nach Nahrung bis zu sechs Kilometer in der Nacht. Krankheiten verbreiten sich somit schnell.“

Und noch ein Zeitgenosse kommt immer näher an die Gartenstadt heran. „Wir haben den Wolf. Zwischen Falkensee und Spandau wurde er gesichtet, im Stadtwald Nauen sogar gefilmt“, so Appenzeller. „Er ist jedoch nur auf der Durchreise. Falkensee ist ihm viel zu belebt.“

Von Laura Sander

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