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Ankunft in Berlin

Premiere im Bundestag für die osthavelländischen Abgeordneten Ankunft in Berlin

Harald Petzold (Linke) ist am Dienstag vielleicht einer der meist fotografierten Abgeordneten des Bundestages. Um 10 Uhr steht der Parlamentsneuling der Linken auf der Wiese vor dem Berliner Reichstag und spielt Geige. Gemeinsam mit dem Havelländer Uwe Feiler (CDU)  erlebten er am Dienstag seine Premiere im Bundestag.

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Hand drauf: Harald Petzold (l.) und Uwe Feiler am Dienstag im Bundestag.

Quelle: Klaus D. Grote

Berlin/havelland. Spanische und japanische Touristen bleiben stehen und machen Fotos. Dann spricht Petzold über fünf Anträge, die seine Fraktion in den ersten Sitzungswochen durchbringen will. Wichtigster Punkt für ihn: die rechtliche Gleichstellung von Lebenspartnerschaften mit der Ehe. Petzolds beide neuen Wahlkreismitarbeiter Ralf Wunderlich und Enrico Rossius nehmen Musik und Parolen auf. Das Video soll ab Mittwoch im Internet zu sehen sein.

Uwe Feiler sitzt zu dieser Zeit bereits in einem der Ecktürme des Reichstags. Die CDU-CSU-Fraktion stimmt sich ein auf die erste Sitzung des neu gewählten Bundestags, der sich gestern konstituierte. Nach der Sitzung hat Feiler es eilig. Hinter den ersten Reihen der Fraktionsdinosaurier herrscht freie Platzwahl. Als Alterspräsident Heinz Riesenhuber (CSU) die Sitzung eröffnet, hat Feiler neben Sebastian Steinecke, CDU-Neuling aus der Prignitz, einen Platz in der letzten Reihe gefunden, direkt hinter dem früheren Fernsehschauspieler Charles Huber ("Der Alte").

Am 22. Oktober 2013 konstituierte sich der Deutsche Bundestag. 20 der 631 Parlamentarier stammen aus Brandenburg.

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Feiler und Petzold gehören zu den 230 neuen Parlamentsmitgliedern. Der Bundestag sei deutlich jünger und weiblicher geworden, sagt der frisch gewählte Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU), der mit 591 von 620 Stimmen ein überragendes Ergebnis erhielt. Als dann die Stellvertreter Lammerts gewählt werden sollen, ist die feierliche Stimmung erst einmal zu Ende. Petra Sitte (Linke) zeigt, dass auch eine kleine Opposition bissig sein kann. Harald Petzold macht vor der Sitzung deutlich, dass es viel zu streiten gibt für seine 64-köpfige Fraktion. Noch bevor es eine neue Bundesregierung gibt, will die Linke fünf Anträge zur Abstimmung bringen, unter anderem zum Mindestlohn. Doch die erste Sitzungswoche im November wird gestrichen. "Der Bundestag ist doch kein Anhängsel der Regierung", sagt Petzold, der sich aber längst nicht geschlagen gibt. Er streckt die Hand sogar von links nach rechts.

Zwei für Berlin

  • Uwe Feiler (47), seit 2005 in der CDU, war bisher in der Finanzverwaltung in Sachsen-Anhalt tätig. Für die CDU sitzt er im Kreistag Havelland. Der gebürtige Niedersachse wohnt im Dörfchen Spaatz im Westhavelland. Seine Frau betreibt dort einen Spargelhof. Feiler hat drei erwachsene Kinder.
  •  Harald Petzold (51) ist gebürtiger Heringsdorfer. 1990 wurde der gelernte Lehrer in den Brandenburgischen Landtag gewählt. Zuletzt arbeitete Petzold für Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Linke) in Potsdam. Harald Petzolds Lebensgefährte wohnt in Kuba.

In der Abstimmungspause hält Petzold nach Uwe Feiler Ausschau. Gar nicht so einfach. Die 311-Unionsabgeordneten nehmen fast die Hälfte des Plenarsaals ein. "Ich will ihm vorschlagen, dass wir zusammen ins Potsdamer Verkehrsministerium fahren und über den B96-Ausbau und die Raststättenverordnung sprechen", sagt Petzold. Feiler hat wiederholt betont, dass er "keine Berührungsängste" zu Petzold haben. Die beiden Havelländer kennen sich gut aus dem Kreistag. Beide sind an pragmatischen Lösungen orientiert. Und an diesem ersten Sitzungstag sind beide gleichermaßen aufgeregt. "Vorher habe ich wie ein Rennpferd in der Box gestanden und mit den Hufen gescharrt", sagt Uwe Feiler. Jetzt kann er endlich starten.

Auf beide neuen Abgeordneten kommt aber ganz unterschiedliche Arbeit zu. Während sich Feiler in der riesigen Regierungsfraktion Hoffnung auf einen Platz im Finanzausschuss oder im Rechtsausschuss macht, muss Petzold harte Oppositionsarbeit leisten. Er wird in den Ausschüssen für Recht sowie Kultur und Medien und außerdem stellvertretend im Petitionsausschuss sitzen. Und Petzold will "queere Politik" machen, also sich für alles einsetzen, was nicht hetero ist. Barbara Höll, die bisher dafür zuständig war, ist nicht mehr im Bundestag. Petzold übernimmt ihre wissenschaftliche Mitarbeiterin. Und am Donnerstag fliegt Petzold nach Kuba. Dort besucht er seinen Lebensgefährten.

Von Klaus D. Grote

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