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Anne Lehmann schafft kleine Ton-Kunstwerke

Falkensee Anne Lehmann schafft kleine Ton-Kunstwerke

Anne Lehmann töpfert Tonfiguren in ihrer Miniwerkstatt in Falkensee (Havelland). Zur Keramik kam die 40-jährige gebürtige Berlinerin einst durch zwei lustige Figuren, die Familienmitglieder in einem Geschäft in Potsdam entdeckten. Heute schafft sie mit dem Werkstoff selbst kreative Kunstwerke.

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Anne Lehmann mit einer ihrer Lieblingsfiguren, dem König Dezember.

Quelle: Judith Meisner

Falkensee. Das „Kleine Artelier“ liegt am Waldrand in Falkensee, wo es noch unbefestigte Straßen gibt. Ein Gebäude aus englischen Klinkern, der angenehm wilde Garten erinnert an Landhäuser im Stile Rosamunde Pilchers – das ist die Umgebung der Keramikerin Anne Lehmann.

Im Brotberuf ist sie Projektmanagerin in einer Gartenbaufirma. Zur Keramik kam sie durch dicke, nackte Engel. Ihre Mutter und ihre Schwester sahen und verliebten sich in solche Figuren in einem Potsdamer Laden. „Ich lehne mich manchmal etwas weit aus dem Fenster. Also versprach ich, mich um die Engel zu kümmern, sie nachzubauen. Bis dahin hatte ich keine Ahnung von Keramik“.

Anne Lehmanns Arbeitsplatz

Anne Lehmanns Arbeitsplatz.

Quelle: Judith Meisner

Die fertigen Arbeiten musste Anne Lehmann auswärts brennen lassen. Als sie die Werkstatt verließ, hatte sie die ersten Aufträge für weitere Engel in der Tasche. Die korpulenten Figuren sind wohl die einzigen Himmelsboten, die über deutlich sichtbare Geschlechtsmerkmale verfügen, was ihren besonderen Charme ausmacht. Auch zieht Lehmann ihnen kein braves, weißes Gewand an, sie lässt den hellbraunen, irdischen Ton als Material sichtbar.

Im Laufe der Zeit ein eigenes Studio geschaffen

Peu à peu entwickelte sie ihr eigenes Studio. Seit sechs Jahren arbeitet Anne Lehmann in ihrem zweiten Beruf, wie sie es nennt, als Keramikerin. Ihre Figuren, Tiere, Pflanzen, Gefäße und Lampen entstehen in einem winzigen Raum, der in anderen Familien vielleicht Abstellkammer heißt. Zwischen Heizungskessel und Regalbrettern steht eine Werkbank: das Atelier, das Lehmann „Kleines Artelier“ nennt. Ein Fenster schaut in den Garten, von dort bekommt sie einen großen Teil ihrer Anregungen.

Ein Esel, geschaffen aus Ton

Ein Esel, geschaffen aus Ton.

Quelle: Judith Meisner

Rot glasierte Keramikhäuser im Miniformat beleuchten den Rasen, aus dem Teich klettern glitschige Tonfrösche an Land. Nützlingsglocken bieten Insekten einen kühlen Unterschlupf in der Mittagshitze im Garten. „Ich möchte die Menschen anregen, sich etwa einen Farn mal genau anzuschauen, sich an der Natur und ihrer organisierten Schönheit zu erfreuen.“ Eine große Farnschnecke aus Ton steht zwischen den Sträuchern und erinnert an das Kopfstück eines Kontrabasses.

Von König Dezember und dem „Kleinen Artelier“

Auf einer Bank am Teich residiert König Dezember aus Ton mit dem typischen Weihnachtsmann-Habitus. Anne Lehmanns Vorbild für diese Figur war der dicke Herrscher aus dem Bilderbuch „Der kleine König Dezember“, eine Geschichte von Axel Hacke mit Bildern des Berliner Malers Michael Sowa.

Weihnachts- oder Osterdekoration sucht man im „Kleinen Artelier“ vergeblich. „Wenn mir meine Stammkunden schreiben, wie sie meine Objekte in das Weihnachtszimmer einbeziehen, freue ich mich sehr!“ Anne Lehmanns Figuren entstehen häufig mit Hintergedanken. Zwei rotgekleidete Narrenwesen sitzen auf ihrem Esstisch, natürlich aus Ton. Es sind Symbole der melancholischen Tage: „Sie sind entstanden, weil einen das Leben manchmal geradezu zum Narren hält“, sagt die 40-Jährige.

Barbusige Damen – sicherlich nicht jedermanns Sache

Barbusige Damen – sicherlich nicht jedermanns Sache.

Quelle: Judith Meisner

Im Garten steht ein tönerner Zwergesel in Lebensgröße. Keramikteile hängen an Stahlseilen, und alle zusammen ergeben einen Esel, der gerade die Zähne bleckt, wie beim IA-Schreien. Töchterchen Filine ist heute sieben Jahre alt. „Ich wollte das Tier nachbauen, das sie als erstes nachahmen würde. Ich hatte eher an Hund oder Katze gedacht, aber sie hat zuerst einen Esel nachgeahmt. Und versprochen ist versprochen.“ Anne Lehmann zerlegte den großen Eselskörper in kleinere Elemente, damit sie in ihren Brennofen passten.

Kunden mögen am liebsten von Hand gefertigte Schalen

Eine Scheibe zum Drehen von Keramik besitzt sie. „Aber meine Kunden mögen lieber die von Hand aufgebauten Schalen und Gefäße“, hat sie festgestellt. Auf dem Markt im Krongut Bornstedt ist sie regelmäßig zu finden. Dort stehen ihre drallen Dosendamen zum Verkauf. Unten Dose, darüber als Deckel eine Dame oben ohne. „Das ist für manche Menschen zu gewagt. In Potsdam und Berlin findet man das allerdings witzig.“ Auch ihre jüngsten Figuren, nackte Greise, halten einige für anstößig.

Es sind teigige Figuren, deren Formen weich zerfließen und nur noch entfernt an frühere Knackigkeit erinnern. Die Gesellschaft solle nicht so tun, als gäbe es keine Alten, findet Anne Lehmann. Außerdem erzähle jede Falte vom Leben. „Alte Leute ohne Falten sind für mich genauso unmöglich wie ein sauberes Kind am Abend – es hat dann nicht wirklich lustvoll gespielt“, philosophiert sie.

Die Künstlerin gibt auch Unterricht

Was macht sie, wenn sie nicht töpfert oder im Büro sitzt? „Ich spiele Querflöte, veranstalte klassische Hauskonzerte und gebe Unterricht.“ Ein Musikstudium hatte sie nie angestrebt. Irgendwo zwischen Beruf und Hobby ist der Garten und seine Gestaltung angesiedelt, einen tiefer gelegten Teich hat Anne Lehmann selbst ausgehoben. Ein Ginkgo steht auf der Wiese. Einen Taschentuchbaum gibt es, und im Herbst verströmt ein Lebkuchenbaum den charakteristischen Duft.

Abends, wenn Tochter Filine schläft, arbeitet Anne Lehmann in ihrem Atelie. Leuchtende Zebras oder Glockenpuppen mit Schlenkerbeinen für den Garten gibt es schon. Es lohnt sich, nach ihrem Stand Ausschau zu halten. Auf den Märkten im Havelland ist sie regelmäßig zu finden. Und wer selbst mal töpfern möchte: Anne Lehmann gibt auch Kurse.

Von Judith Meisner

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