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Havelland Arbeit wird vollendet durch Ruhe
Lokales Havelland Arbeit wird vollendet durch Ruhe
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07:05 30.04.2016
Martin Burmeister Quelle: Peter-Paul Weiler
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Schönwalde-Glien

„Tanz in den Mai“, ruft es mir entgegen. Von Bannern, am Laternenmast oder per Annonce. In Schönwalde laden so der Kreativ. e.V. (Dorf) oder der TSV 03 (Siedlung) zum Schwofen ein. In Paaren im Glien wird beim „Maydance“ im MAFZ zu Linedance- und Countrymusik aufgestampft. Yippie!

Ich muss gestehen, ein bisschen zucke ich da immer (noch) zusammen. Nicht wegen des Tanzens, sondern auf Grund der Formulierung. Meine ganze Schulzeit hindurch war der 1. Mai von Bannern, Transparenten am Laternenmast und Parolen schwer gesättigt. Doch da standen keine Einladungen, sondern nur Losungen zum „Internationalen Kampftag der Arbeiterklasse“. Sie endeten alle mit einem Ausrufezeichen! Zack! Deswegen lese ich heute noch: „Tanz! In! Den! Mai!“.

So war mein Blick lange eher ironisch. („Kämpft um hohe Erträge auf dem Feld und im Stall!“) Noch ironischer ist es, wo mir dieses Datum dann in nachdenklicherem Licht erschien: Dort, wo der 1. Mai nicht einmal staatlicher Feiertag ist, in den USA.

Rückblende: Denken wir uns 130 Jahre zurück, nach Chicago, jener Brutstätte des modernen Kapitalismus. Nach dem amerikanischen Bürgerkrieg gewann die Wirtschaft kräftig an Fahrt. Beim üblichen 11- bis 13-Stundentag. Kinderarbeit inklusive. Besonders deutsche Migranten und Flüchtlinge der Revolution von 1848/49 importierten nun die Idee des 8-Stunden-Tages.

Am 1. Mai 1886 traten in Chicago ca. 80 000 Menschen in einen Streik für den 8-Stunden-Tag. Nach friedlichem Beginn wurden am 3. Mai zwei Streikende von der Polizei erschossen. Plakate am Chicagoer Haymarket warben für den Fortgang des Protestes. Wenig erstaunlich: Plakate voller Ausrufezeichen. Jedoch: Sie sind auf deutsch verfaßt! Mitten in Chicago lese ich von deutschsprachigen Anzeigen: „Gute Redner werden den neuesten Schurkenstreich der Polizei geißeln.“

Doch die Redner haben keine Chance. Alles versinkt wegen einer anonymen Bombe in einem Blutbad: Zwölf Menschen, darunter ein Polizist, sterben. Die Polizei schießt wahllos in die Menge - unzählige Tote. Bis heute ist unklar, woher die Bombe kam. Ein Schauprozess verhängt gegen die unschuldigen Streikführer Todesstrafen. Ab 1890 wird deswegen der 1. Mai zum weltweiten

Protesttag. Das Zitat eines erhängten Streikführers, August Spies, bleibt: „Man kann nicht ewig wie ein Stück Vieh leben!“ Zack!

Arbeit ist wichtig. Menschen ohne Arbeit spüren das. Aber Arbeit ist nicht alles. Schon auf den ersten Seiten der Bibel wird erzählt, wie Gott arbeitet. Er will so die Menschen motivieren, ebenfalls Verantwortung zu übernehmen, zum „bebauen und bewahren“ des Garten Eden. Arbeit steht unter dem Segen Gottes, wenn sie sinnvoll ist.

Aber sie kann zur Plage werden, auch heute: Kinderarbeit, asiatische Schwitzbuden, sklavenähnliche Erntearbeiter - das ist nicht gesegnet. Gott macht es vor – Arbeit wird erst vollendet durch Ruhe. Denn ein Mensch ist mehr als nur Arbeitskraft. Er muss Zeit haben für Ruhe, für Protest oder eben für Tanz im Mai.

Von Pfarrer Martin Burmeister, evangelischer Pfarrer in Schönwalde-Glien

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