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Archäologen legen barocke Keller frei

Rathenow Archäologen legen barocke Keller frei

Die archäologischen Untersuchungen auf dem Grundstück in der Rathenower Schleusenstraße nähern sich dem Ende. In der kommenden Woche schütten Bagger die Gruben wieder zu, damit ein Schulsportplatz errichtet werden kann. Bis dahin haben die Altertumsforscher alles dokumentiert, was sie entdeckt haben.

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Die Archäologin Babett Palm bei der Dokumentation der freigelegten Fundamente..

Quelle: Kniebeler, Markus

Rathenow. Babett Palm steht mit Zeichenbrett und spitzem Bleistift in einem großen Loch in der Schleusenstraße und hält fest, was sie umgibt. Altes Mauerwerk, Ansätze von Gewölben, Durchbrüche, Bodenplatten – seit Wochen sind die Archäologen des Teams Arco Dinter damit beschäftigt, die durch Bagger freigelegten Fundamente auf dem Grundstück neben der Dunckerschule zu dokumentieren. Schon in der kommenden Woche werden die Bagger anrollen, um die alten Kellerräume zu verfüllen. Hier soll bis Mai ein Sportplatz für Duncker- und Weinbergschüler entstehen.

Die schieren Ausmaße des Kellers lassen erahnen, dass es sich bei dem Haus, zu dem sie gehörten, nicht um ein Domizil einfacher Leute gehandelt hat. Mitnichten. Hier lebte im 18. Jahrhundert der ranghöchste Rathenower Militär. Und das hatte zu Zeiten des Soldatenkönigs eine Bedeutung, die man heute nur noch erahnen kann.

Graf Truchseß von Waldburg war der Erbauer und erste Bewohner des repräsentativen Hauses. Als Kommandeur des Leibkarabinierregiments war er nicht nur verantwortlich für die Errichtung seiner eigenen Unterkunft. Er war es auch, der 1733 den von Friedrich Wilhelm I. beschlossenen Bau der Neustadt umsetzte. Ziel der städtischen Erweiterung sei es gewesen, den Rathenower Soldaten in so genannten Bürgerquartieren eine bessere Unterbringung zu ermöglichen, erklärt der Rathenower Regionalhistoriker Wolfram Bleis. Im Haus des Kommandanten allerdings – der Name Frey-Haus weist darauf hin – habe es die Pflicht, Soldaten einzuquartieren, nicht gegeben.

So sah das Frey-Haus in der Schleusenstraße aus, dessen Keller jetzt freigelegt wurden

So sah das Frey-Haus in der Schleusenstraße aus, dessen Keller jetzt freigelegt wurden.

Quelle: Optik/Industriemuseum Rathenow

Bei der Dokumentation durch die Archäologen geht es nun darum, genau festzuhalten, was freigelegt wurde. Denn sobald in der kommenden Woche die Keller verfüllt werden, verschwinden die historischen Gewölbe wieder in der Versenkung. Babett Palm und ihre Kollegen vertrauen dabei auf Millimeter-Papier und einen spitzen Bleistift. Denn nur so lässt sich das Vorgefundene maßstabgetreu dokumentieren. Zwar werden auch Fotos von den Kellerfundamenten gemacht. Aber für die genaue Verortung sind Stift und Papier unerlässlich. „Außerdem sieht man genauer hin, wenn man zeichnet“, sagt Babett Palm. „Man nimmt Details wahr, die man beim Fotografieren schnell übersieht.“

Hintergrund

Das Frey-Haus in der Schleusenstraße 8, wurde in den 30er Jahren des 18. Jahrhunderts erbaut.

Es war Teil der barocken Neustadt, um die Rathenow auf Befehl Friedrich Wilhelm I. damals erweitert wurde.

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Haus zerstört. Teile der Trümmer wurden zum Bau der Konsum-Bäckerei auf dem Grundstück verwendet, die auch nicht mehr steht.

Große Überraschungen haben die archäologischen Untersuchungen übrigens nicht zu Tage gebracht. Keine spektakulären Goldfunde, keine Skelette, keine Objekte aus uralten Zeiten. Erstaunlich sei aber, wie gut die Kellergewölbe erhalten geblieben seien, sagt die Archäologin. Und tatsächlich habe man an einer Bodenprobe zweifelsfrei feststellen können, dass das Grundstück vor der Erstbebauung als Ackerland genutzt wurde.

Eines ist – zumindest für den interessierten Laien – erstaunlich. So groß die Keller waren, so niedrig müssen sie gewesen sein – offenbar konnte wegen des Grundwassers nicht beliebig tief gebaut werden. „An bestimmte Stellen ist man nur kriechend gekommen“, sagt Babett Palm. Da hat dem Regimentskommandeur auch sein hoher Rang nichts genützt.

Von Markus Kniebeler

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