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„Artgerecht ist da gar nichts mehr“

Falkenseerin engagiert sich gegen Massentierhaltung „Artgerecht ist da gar nichts mehr“

Noch bis zum 14. Januar 2016 läuft in Brandenburg ein Volksbegehren gegen Massentierhaltung. Marlene Matzies (17) aus Falkensee unterstützt das. Was sie gegen Massentierhaltung hat, wie sie mit Gegenargumente umgeht und wie sie für das Begehren kämpft, erzählt sie im Interview.

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Quelle: Carolin Makus

Falkensee. Marlene Matzies (17) aus Falkensee steht kurz vor ihrem Studium der Sozialwissenschaften. Sie engagiert sich für das Volksbegehren gegen Massentierhaltung in Brandenburg.

MAZ: Seit wann bist du politisch aktiv?

Marlene Matzies: Seit Februar 2015 bringe ich mich in Sitzungen der Altgrünen in Falkensee ein und wurde kurz danach Teil des Frauen-Mentoring-Programms der Grünen. Im Landtag machte ich ein Praktikum bei der Grünen-Fraktion.

Marlene Matzies

Marlene Matzies

Quelle: privat

MAZ: Mit welchen Themen beschäftigst du dich?

Marlene: Massentierhaltung, Flüchtlings- und Bildungspolitik. Wir versuchen, das Volksbegehren gegen Massentierhaltung beim Sammeln der 80 000 benötigten Unterschriften zu unterstützen.

MAZ: Massentierhaltung ist ein Thema, das nicht nur viele Gegner hat, sondern auch Befürworter. Mit welchen Hauptargumenten wirst du von Seiten der Befürworter konfrontiert?

Marlene: Befürworter der Massentierhaltung wollen weiterhin Fleisch zu Tiefstpreisen kaufen. Artgerechte Tierhaltung sei zu teuer und ohne die Riesenställe könne man die Bevölkerung nicht ernähren. Ich glaube aber, dass so nur die Leute argumentieren, die sich bisher kaum oder gar nicht mit dem Thema beschäftigt haben. Vielen anderen ist schon bewusst, dass verschmutztes Wasser und belastete Böden die schwerwiegenden Folgen billiger tierischer Nahrungsmittel sind. Gutes Essen und eine umweltverträgliche Tierhaltung sind schließlich für jeden Menschen wichtig.

MAZ: Welches sind deiner Meinung nach die drei größten Argumente gegen Massentierhaltung?

Marlene: Hühnern werden die Schnäbel kupiert, und Schweinen werden ihre Ringelschwänzchen abgeschnitten, damit sich die Tiere in ihrem Stress und der Panik nicht selbst verletzen. Es kann nicht sein, dass Tiere wie Gegenstände behandelt werden. Artgerecht ist da nichts mehr. Außerdem werden die Tiere oft mit falschem Futter gemästet, wodurch sich Bakterien in ihren Därmen entwickeln, die wiederum mit Antibiotika behandelt werden. Wir importieren einen großen Teil des Futters aus anderen Ländern, wie Brasilien. Die zum größten Teil gentechnisch veränderten Sojabohnen werden in Monokulturen angebaut und zerstören dort die Landwirtschaft.

MAZ: Welche Kanäle wurden bisher genutzt, um auf das Volksbegehren aufmerksam zu machen?

Marlene: Jetzt hängen beinahe in allen Gemeinden in Brandenburg die Plakate mit dem grün-roten Hahn drauf. Im Internet auf www.volksbegehren-massentierhaltung.de. Da kann man auch die Briefwahlunterlagen beantragen, wie es bereits ein Fünftel gemacht haben. Auf größeren Festen stehen oft auch Aktive, die den Leuten helfen, die Briefwahlunterlagen zu beantragen.

MAZ: Im Rahmen dieses Volksbegehrens wird vor allem um artgerechte Tierhaltung gekämpft. Was genau bedeutet „artgerecht“. Und wer definiert die Aspekte artgerechter Tierhaltung?

Marlene: Das ist nicht ganz so leicht zu beantworten. Bei den Forderungen des Volksbegehrens geht es nicht um eine genau festgelegte Anzahl von Tieren, die zusammen gehalten werden dürfen. Aber es geht darum, dass die Tiere nicht leiden, wie es in den Mega-Ställen eindeutig passiert. Tiere brauchen Platz, gutes Futter und Beschäftigung. Die Bilder aus der Massentierhaltung zeigen etwas anderes: tote Ferkel, die das Muttertier aus Platzmangel erdrückt hat oder Hühner, die unter ihrem eigenen Gewicht zusammenbrechen.

MAZ: Lebst du selbst vegetarisch oder sogar vegan? Worauf achtest du beim Konsum tierischer Produkte besonders?

Marlene: Ich lebe vegetarisch. Bei Milch, Eiern und Käse achte ich auf artgerechte Haltung. Auch bei Gummibärchen gibt es welche, die vegan oder vegetarisch sind.

MAZ: Was möchtest du der breiten Masse unserer momentanen Gesellschaft gerne mal „auf die Stirn schreiben“?

Marlene: Die Menschen sollten sich mehr Zeit nehmen für das, was ihnen guttut und für die Menschen, die sie lieben. Stress und Leistungsdruck fressen uns auf. Das ist nicht gesund. Sobald wir mehr Zeit haben, fangen wir an, intensiver über unsere Umwelt nachzudenken und über Nachhaltigkeit, den Klimawandel und Nächstenliebe. Wir sollten darauf achten, was und wie viel wir konsumieren. Wir sollten mehr hinterfragen und weniger wegwerfen, Toleranz und Respekt gegenüber Andersdenkenden und -fühlenden zeigen. Vor allem aber sollten wir mit mehr Liebe an die Generationen nach uns denken und dementsprechend unser Verhalten ändern.

Das „Volksbegehren gegen Massentierhaltung“ in Brandenburg läuft noch bis zum 14. Januar 2016. Benötigt werden 80 000 Unterschriften. Die Unterlagen können im Internet unter www.volksbegehren-massentierhaltung.de angefordert werden. Auch in den Rathäusern im Havelland gibt es Informationen und Unterlagen.

Von Carolin Makus

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