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Havelland Arzt, Imbiss, Supermarkt: In Pausin ist alles da
Lokales Havelland Arzt, Imbiss, Supermarkt: In Pausin ist alles da
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00:17 05.06.2016
Der Einkaufsladen von Erika Nendzka (rechts) ist ein Treffpunkt im Dorf. Auch Heike Witt kauft gerne dort ein. Quelle: Tanja M. Marotzke
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Pausin

Es muss Anfang der Neunzigerjahre gewesen sein, so ganz genau weiß es Bärbel Eitner nicht mehr. Es war die Zeit kurz nach der Wende, als Berater aus dem Westen in Scharen ins Havelland strömten, um den Ostdeutschen zu erklären, wie man Geschäfte macht. Und einer von ihnen sagte zu Eitner, die zu diesem Zeitpunkt Bürgermeisterin der damals noch eigenständigen Gemeinde war: „Machen Sie Ihren Ort schön, dann werden Sie keine Probleme bekommen.“

Der Satz wurde zum Leitmotiv für die weitere Entwicklung des Dorfes. In Pausin hat man sich bewusst gegen die Ansiedlung eines Industriegebiets wie in Perwenitz oder Wansdorf entschieden. „Wir haben von Anfang an auf Tourismus, Erholung und Wohnbebauung gesetzt“, sagt Ortsvorsteherin Bärbel Eitner. Als Geschäftsführerin der Waldschule ist sie für die Entwicklung eines der touristischen Höhepunkte im Ort selbst verantwortlich. Als Gemeindetreffpunkt gibt es die Waldschule seit 1994, seit 2001 ist man Außenstelle des Falkenseer Standesamtes, was die Entwicklung enorm beförderte. „Das war die Initialzündung dafür, dass sich das Haus auch wirtschaftlich trägt“, sagt Eitner. Anfangs hatte die Waldschule ihren Sitz noch in einem Raum über der alten Kita gehabt, erst 1997 bezog man die heutigen Räumlichkeiten, die danach schrittweise ausgebaut wurden. „Die Förderkommission war zunächst skeptisch“, erinnert sich die Chefin. „Aber ich habe immer gesagt: Ich verspreche Ihnen, da wird was draus.“

Neben Hochzeiten und Familienfeiern veranstaltet die Waldschule auch Kulturveranstaltungen. Die größeren finden in der restaurierten Kirche am Anger statt – im Dezember etwa spielt Musiker Michael Hirte ein Konzert, das „Supertalent“ von 2008. Mittlerweile habe sich herumgesprochen, dass in Pausin kulturell einiges auf die Beine gestellt wird, sagt Bärbel Eitner. „Die Pausiner fühlen sich geehrt, dass ein Star wie Michael Hirte in ihr kleines Dorf kommt.“

Aber Pausin ist eben ein besonderes Dorf. Mit Arzt und Zahnarzt. Mit Gaststätte und einem Imbiss, an dem Radfahrer rasten und die Handwerker aus dem Wansdorfer Gewerbegebiet sich mit Bockwurst und Kartoffelsalat stärken. Und mit der kleinen Verkaufsstelle von Erika Nendzka, in der es alles gibt von frischen Brötchen bis zur Feinstrumpfhose. „Das ist ein echter Trumpf“, meint nicht nur Bärbel Eitner.

Seit den 1970ern gibt es den Laden – vorher befand sich dort ein Lokal. „Das Geschäft wird gut angenommen, wir können uns nicht beklagen“, sagt Erika Nendzka. Auch aus den umliegenden Dörfern kämen viele Kunden, dazu Rad- und Fernfahrer und natürlich die Pausiner selbst. „Für ein Schwätzchen ist immer Zeit“, sagt Nendzka. Gerüchte, sie höre bald auf, weist sie zurück: „Wir machen weiter!“

Stolz ist man in Pausin auch auf die Kita „Waldmäuse“, die 2014 für 1,8 Millionen Euro umgebaut wurde. Fast zwei Jahre lang mussten die Kinder ins Exil nach Perwenitz gehen, ehe alles fertig war. „Es ist super geworden“, findet Bärbel Eitner. Auf dem Gelände der Kindertagesstätte befindet sich auch ein kleiner Bolzplatz. Im Ort gibt es noch einen zweiten, außerdem ein Beachvolleyballfeld am Anger, auf dem sich die Familien des Dorfes nachbarschaftliche Duelle liefern.

Doch in Pausin geht es nicht bloß sportlich zu, sondern auch tierisch: Anneliese Liesegang hält seit einigen Monaten eine Herde Alpakas, Sven Kraatz betreibt einen Damwildhof, der auch in diesem Jahr wieder zur Brandenburger Landpartie öffnet. Hinzu kommen die vielen Pferde auf den zahlreichen Pferdehöfen im Dorf. „Wir haben keine Probleme mit Pferdehaltern“, sagt Ortsvorsteherin Bärbel Eitner. Und das ist bekanntlich längst nicht in allen Schönwalder Ortsteilen so.

830 Einwohner leben in Pausin. 1324 wurde das Dorf erstmals urkundlich erwähnt, doch schon viel früher siedelten in der Gegend die Slawen und Germanen – das belegen zahlreiche Funde aus dieser Zeit. Früher war Pausin mal ein Bäckerdorf. Vor dem Zweiten Weltkrieg gab es im Ort gleich sieben Bäckereien, auch die Eltern von Bärbel Eitner hatten eine, von der aus sie Pausin und die umliegenden Dörfer, aber auch Falkensee, Nauen und Staaken mit frischen Teigwaren belieferten. Heute erinnern nur noch die Brote im Pausiner Wappen an diese Zeit. Auch die alte Mühle existiert längst nicht mehr.

Verschwunden sind auch die alte Waldschule, in der junge Mädchen in Haushaltsdingen unterrichtet wurden, und die Attrappen der Nationalsozialisten im Krämer Forst, mit denen im Zweiten Weltkrieg alliierte Bomber getäuscht werden sollten. In Pausin, so gaukelte man ihnen vor, befand sich der Lehrter Bahnhof. Der historische Briefkasten wurde 1991 ebenfalls abmontiert. Nachdem in der Zeitung darüber berichtet worden war, dass es sich dabei vermutlich um den ältesten in ganz Brandenburg handelte, der noch in Betrieb war, hatte die Post selbst ihn vorsorglich entfernt, um damit einen Diebstahl zu verhindern.

Von Philip Häfner

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