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Havelland Der Arzt aus Syrien ist wieder zurück
Lokales Havelland Der Arzt aus Syrien ist wieder zurück
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00:16 02.12.2015
Omar Awad mit seiner Frau Ranem in der Havellandhalle beim Training der Herzsportgruppe. Quelle: Bernd Geske
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Rathenow

Man kann gar nicht genau sagen, ob diese Rathenower Herzsportgruppe nun Pech oder Glück mit ihren Ärzten hat. Sicher ist, dass die Gruppe an ihren Übungsabenden montags in der Havellandhalle immer einen Arzt dabei haben muss, der das Training überwacht und bei Notfällen eingreifen kann. Alles ohne Honorar wohlgemerkt. Mehr oder weniger bekannt ist, dass die Gruppe aus unterschiedlichen Gründen seit fast zwei Jahren immer wieder neue Ärzte suchen musste – und nach größeren Schwierigkeiten erstaunlicherweise stets auch fand (MAZ berichtete). Der größte Glücksfall trat dann Anfang November 2014 ein, als die mal wieder arztlose Sportgruppe sich schon mit ihrer Auflösung anfreundete: Lächelnd trat da überraschend der Arzt Omar Awad in ihre Mitte, der aus dem Bürgerkriegsland Syrien geflohen war und im Asylbewerberheim Friesack eine Unterkunft bekommen hatte. Die Gruppe war gerettet. Vorerst.

Im April plötzlich nach Spanien abgeschoben

Im April dieses Jahres wurde er plötzlich nach Spanien abgeschoben, weil er über dieses Land in die EU eingereist war. Die erneut verwaiste Herzsportgruppe konnte bestehen bleiben, weil Uwe Hendrich, der viele Jahre Chefarzt in den Havelland-Kliniken war und in den Ruhestand ging, sich zur Betreuung bereit erklärte. Genau ein Jahr nach der ersten Erscheinung des syrischen Arztes hat die gut 40-köpfige Sportgruppe nun kürzlich ein Schon-mal-gesehen-Erlebnis gehabt: Da stand er auf einmal in der Havellandhalle wieder vor ihnen, ihr Arzt Omar Awad, bereit für diesen und alle weiteren Montagabende...

Omar Awad hatte sich in der Facharztausbildung zum Chirurgen befunden, als er die syrische Stadt Deir ez-Zor im Osten des Landes verlassen musste. Soldaten der Regierungstruppen hatten ihm einen schwer verletzten Kameraden ins Krankenhaus gebracht. Mit vorgehaltener Waffe hatte ihm ein Offizier erklärt, falls er den Soldaten nicht retten könne, würde auch er selbst sterben müssen. Der Soldat hat nicht überlebt, Omar Awad ergriff daraufhin die Flucht. Alles musste sehr schnell gehen. Darum ließ er schweren Herzens seine Ehefrau Ranem Almohamad Aloshnwiji zurück, die er kurz zuvor erst geheiratet hatte. Einige Monate später ist sie auch aus Syrien geflohen und über die sogenannte Balkanroute nach Deutschland gekommen. Am 27. August haben sich die beiden in München dann nach über einem Jahr erstmals wieder in den Armen gelegen.

Seit Mitte November eine Wohnung und einen Vollzeitjob

Omar Awad kam wieder nach Friesack, seine Frau blieb zunächst in der Erstaufnahmestelle Eisenhüttenstadt. Mit Hilfe der Herzsportler ging dann alles ziemlich schnell. Gruppenmitglied Hilke Dreger „adoptierte“ die jungen syrischen Eheleute, ihr Mann besorgte für sie eine Wohnung, Möbel vom Sozialdienst und half bei Behördengängen. Am 14. November konnten sie in Rathenow eine Wohnung beziehen, die rein zufällig gar nicht weit weg von der Havellandhalle ist. Seit dem 17. November hat Omar Awad sogar einen sozialversicherungspflichtigen Vollzeitjob. Bei einem freien Träger ist er in Rathenow als Erzieher und Betreuer von 15- bis 17-jährigen syrischen Jugendlichen tätig, die ohne Familien nach Deutschland gekommen sind.

Vier Ärzte in einem Jahr

Im August 2014 hatte Rüdiger Thurm nach 13 Jahren seine Tätigkeit für die Herzsportgruppe beendet, weil ihm neben seiner Arbeit als Arzt in freier Niederlassung die Belastung zu groß geworden war.

Nach der Sommerpause 2014 übernahm der Arzt Radu Petreanu, Arzt in den Havelland-Kliniken, die Betreuung der Gruppe. Ende September hörte er aber schon wieder auf, weil er aus beruflichen Gründen umziehen musste.

Anfang November 2014 begann dann Omar Awad erstmals seine Tätigkeit. Im April 2015 ist er aber nach Spanien abgeschoben worden.

Im Mai 2015 übernahm Uwe Hendrich die Herzsportgruppe, der lange Chefarzt in den Havelland-Kliniken war und in den Ruhestand ging.

Kaum zu glauben: Omar Awad, der bei seinem ersten Gastspiel in der Herzsportgruppe kaum Deutsch konnte und viel auf Englisch kommunizierte, spricht die Landessprache jetzt fast schon fließend. Er sagt, er habe das in Spanien übers Internet gelernt. „Wir sprechen jetzt nur noch Deutsch mit ihm“, berichtet Übungsleiterin Kerstin Müller begeistert. Am nächsten Montag, wenn die Herzsportler ihre Weihnachtsfeier haben, sind auch die beiden Syrer mit eingeladen. Traditionell bringen alle was zu essen mit. Ehefrau Ranem will ein typisches Gericht ihrer Heimat zubereiten. Sie ist noch schwach und muss sich schonen, denn die letzten Monate sind anstrengend gewesen. Schwanger ist sie auch, im Mai soll das Baby kommen. Die ganze Sportgruppe fiebert der Geburt schon mit Herzklopfen entgegen.

Von Bernd Geske

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