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Asylbewerber bei der Feuerwehr in Friesack

Interkulturelle Erfahrung Asylbewerber bei der Feuerwehr in Friesack

Asylbewerber, die in Friesack untergebracht sind, haben jüngst das Feuerwehrdepot im Ort besucht. Organisiert wurde dies vom Humanistischen Freidenkenkerbund und ehrenamtlichen Engagierten aus dem Amtsbereich. Sie laden die Flüchtlinge seit dem Frühjahr zu interkulturellen Nachmittagen ein.

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Stefan Scharschmidt erläuterte auf dem Lageplan, wo sich die Sammelplätze für die Asylunterkünfte befinden.

Quelle: Andreas Kaatz

Friesack. Da staunte Frewengel nicht schlecht: Die hydraulische Schere, mit der die Friesacker Feuerwehr eingeklemmte Personen aus Autos befreit, hat schon ihr Gewicht. 15 bis 20 Kilogramm wiegt das massive Teil, das er im Gerätehaus probeweise in die Hand nehmen durfte.

Der Asylbewerber aus Eritrea besuchte kürzlich mit etwa zehn weiteren Flüchtlingen, die in Friesack untergebracht sind, die örtliche Feuerwehr. Organisiert hatte den Ausflug der Humanistische Freidenkerbund zusammen mit ehrenamtlich Engagierten aus dem Amtsbereich Friesack. Unter ihnen ist auch Horst Stolze. Er fragte bei den Feuerwehrleuten an, ob sie ihre Technik zeigen können und die zeigten sich aufgeschlossen. „Für uns ist es ja auch interessant, da möglicherweise jemand darunter ist, den man irgendwann in die Feuerwehr aufnehmen kann“, meinte Ortswehrführer Björn Rackwitz. Zusammen mit Vize-Amtsbrandmeister Stefan Scharschmidt übernahm er die Führung an dem Tag.

Dabei erfuhren die Frauen und Männer aus Eritrea und dem Tschad, dass es in Friesack 36 aktive Einsatzkräfte gibt, die alle ehrenamtlich tätig und Tag und Nacht bereit sind. Der Jüngste ist 18, der Älteste 65. Und auch vier Frauen sind dabei. Allein die Friesacker waren in diesem Jahr schon rund 80mal im Einsatz. All das übersetzte Angela Wielan ins Englische und Neamin, der in seiner Heimat Eritrea als Englischlehrer arbeitete, übertrug es für Einige auch noch in die Heimatsprache.

Dann malte Rackwitz drei große Ziffern aufs Papier: die 112. Die Asylbewerber lernten, dass dies die Notrufnummer ist, die sie wählen müssten, wenn etwas passiert ist, wenn es beispielsweise irgendwo brennt. „Da braucht man keine Angst zu haben, die Leute am anderen Ende sprechen auch Englisch“, ermunterte Scharschmidt die Asylbewerber, im Notfall von der Nummer Gebrauch zu machen. Selbst wollten die Friesacker Feuerwehrleute wissen, ob es in der Heimat der Flüchtlinge Feuerwehren gibt. „Feuerwehren gibt es nur in großen Städten“, teilte Frewengel mit, der schon recht gute Fortschritte im Deutschkurs gemacht hat.

Für Scharschmidt war der Besuch der Gäste aus den Flüchtlingsheimen auch wegen des vorbeugenden Brandschutzes sehr wichtig. „So hatten wir Gelegenheit, die Notrufnummer zu erläutern und auf einem Lageplan zu zeigen, wo sich an den Unterkünften die Sammelplätze für den Ernstfall befinden“, sagte er. Denn bei diesen Kenntnissen gebe es noch Defizite. Am Ende meinte zumindest Frewengel, dass er sich durchaus vorstellen kann, Feuerwehrmann zu werden.

Seit dem Frühjahr treffen sich jeden Montag auf Einladung des Freidenkerbundes zehn bis 15 Asylbewerber in den Räumen der Nauener Tafel in Friesack zu einem interkulturellen Nachmittag. Mal steht das Thema Obst und Gemüse im Mittelpunkt, mal der menschliche Körper und mal gibt es auch Ausflüge. All das dient insbesondere dazu, den Deutschunterricht zu unterstützen. „Wir spielen an diesen Tagen, sitzen im Kreis. Die Asylbewerber erzählen, wie ihre Woche war. Wichtig ist, dass ein Dialog entsteht“, sagt Lisa Jura, die regelmäßig dabei ist und sich mit sechs weiteren Helfern ablöst. Für die Flüchtlinge sei dies alles völlig freiwillig.

Aber auch Besichtigungen in Betrieben und Einrichtungen gehören dazu. Im Juni wurde die Tischlerei Ebendorff-Heidepriem besucht. „Daraus ergab sich für einen Flüchtling sogar ein Praktikum“ sagt Horst Stolze. Zudem war man in der Gärtnerei Hansen, „und angedacht sind Besuche im Bundestag und in der Amtsverwaltung Friesack“, so Stolze, für den dies auch dazu beiträgt, die Inte-gration voranzubringen.

Für die Feuerwehr ist der jüngste Kontakt mit den Asylbewerbern keine Eintagsfliege. Nachdem schon vor einem Vierteljahr Flüchtlingskinder dort waren und auch mit der Drehleiter gefahren sind, soll diese Aktion irgendwann wiederholt werden.

Von Andreas Kaatz

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