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Havelland Atelierbesuch: Ein Japaner im Havelland
Lokales Havelland Atelierbesuch: Ein Japaner im Havelland
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02:15 02.03.2017
Ohne Goldfolie läuft in Rin Teradas Rathenower Atelier so gut wie nichts. Der Maler trägt die Folie auf Grundierungen aus Ölfarbe auf, um diese glänzende Oberfläche dann einzuritzen und stellenweise abzutragen. Quelle: Markus Kniebeler
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Rathenow

Es ist nicht alles Gold, was glänzt“ lautet eine gängige Redewendung. Um das Wesen der Arbeiten des Malers Rin Terada zu beschreiben, müsste man den Spruch umwandeln. Bei dem Japaner, der seit 2009 in Rathenow lebt und arbeitet, ist (fast) alles, was glänzt, tatsächlich Gold. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Dank hauchdünner Goldfolie, die Terada auf eine schwarze Grundierung aus Ölfarbe aufträgt, um diese glänzende Oberfläche dann einzuritzen und stellenweise abzutragen, entstehen jene ausdruckstarken Bildern, die man, wenn man sie ein Mal gesehen hat, sofort wiedererkennt.

In die Wiege gelegt wurde dem 1948 in der nordjapanischen Stadt Aomori Geborenen die Malerei nicht – mit Kunst hatten die Eltern nicht viel am Hut. Aber dass er ein außerordentliches künstlerisches Talent besitzt, war schnell klar. Weil die Mutter wollte, dass das Kind ein richtiges Handwerk lernt, schickte sie es zum Kalligraphie-Unterricht – sechs Mal die Woche. Dem Lehrer fiel schnell auf, dass Terada besser malte, als alle anderen.

Und auch in der Schule galt er bald als Wunderkind. Als er sich mit 19 an einem renommierten japanischen Kunstwettbewerb beteiligte und gleich den ersten Preis gewann, waren die Weichen gestellt. Terada wurde Berufsmaler, ging nach Tokio, trat einem großen, angesehenen Kunstverein bei und hatte – weil diese Kunstvereine wie Firmen organisiert sind und ihren Mitgliedern zu Kontakten, Aufträgen und Ausstellungen verhelfen – eigentlich ausgesorgt.

Sein Handwerkszeug erwarb Terada sich schon als Kind – im Kalligraphie-Unterricht. Quelle: Markus Kniebeler

Doch als er 52 Jahre alt war, machte Terada einen Schnitt. Das Gefühl, sich in der streng hierarchischen japanischen Kunstwelt nicht frei entfalten zu können, war mit den Jahren immer vorherrschender geworden. Für einige Jahre hatte er das Malen sogar gänzlich aufgegeben. Kurzum: Die Zeit war reif für eine Veränderung.

Den Schritt, den Terada unternahm, hätte radikaler kaum sein können. Er ließ seine Menschen, sein Land, seinen Kontinent hinter sich, um in Frankfurt am Main neu zu starten. Wo er niemanden kannte, wo ihn niemand kannte. In den ersten Wochen und Monaten machte er das, was man despektierlich als Klinkenputzen bezeichnet. Fragte, ob er seine Bilder ausstellen dürfe – in Cafés, Bibliotheken, Versicherungen, Banken. So verkaufte er seine erste Bilder – wenige nur am Anfang, aber es reichte, um den Lebensunterhalt zu finanzieren.

Als er im Jahr 2004 eingeladen wurde, beim Art Forum Wiesbaden mitzumachen, war das der Durchbruch. Galeristen nahmen Kontakt auf, es folgten Ausstellungen, Auftritte bei Kunstmessen, gesellschaftliche Verpflichtungen. Und dann machte der 60-Jährige, der endlich Fuß gefasst hatte, wieder einen Schnitt. Zog nach Berlin, weil ihn die vitale, offene Kunstszene der unfertigen Stadt faszinierte. Wieder kannte er fast niemanden – und wieder machte ihm das nichts aus.

Gelassen blickt der 68-Jährige den Herausforderungen des Lebens entgegen. Quelle: Markus Kniebeler

Aber so beeindruckend er die Hauptstadt fand – die Ruhe zum konzentrierten Arbeiten fand er in ihr nicht. Also suchte er im Umland – und wurde in Rathenow fündig. 2009 bezog er Atelier und Wohnung in der Paracelsusstraße. In der Abgeschiedenheit war er so produktiv wie nie, brach aus der Stille immer wieder auf in die Welt, um seine Werke auszustellen, und kehrte immer wieder nach Rathenow zurück.

Auch hier stellte er aus. Nicht nur eigene Werke, sondern auch die von jungen japanischen Künstlern, denen er beim Schritt auf den europäischen Kunstmarkt helfen will. Der interkulturelle Austausch zwischen Japan und Europa ist mittlerweile zu einer Lebensaufgabe geworden. In der japanischen Stadt Shimane hat Terada eine große Fabrik erworben und zu einem Atelier umgewandelt, in dem er Künstlern die Gelegenheit gibt, sich zu entfalten.

Das große Atelier in der Paracelsusstraße hat er mittlerweile eingetauscht gegen ein kleineres in der Nähe des Rathenower Bahnhofs. Wenn er genug hat von der Reiserei zieht er sich hierhin zurück, um zu arbeiten. Er lebe wie ein Eremit, sagt die Musikerin Tomoko Germar, die Terada 2010 in Berlin kennen gelernt hat und ihm seitdem freundschaftlich verbunden ist. Sie kenne keinen Menschen, der so in sich ruhe und der so wenig brauche, um glücklich zu sein.

Wenn er in Ruhe arbeiten will, zieht Terada sich in sein Rathenower Atelier zurück. Quelle: Markus Kniebeler

Es gibt allerdings eine Sache, die dieser ausgesprochen höfliche, reservierte Mann ohne jede Zurückhaltung betreibt – das Malen. „Ein Leben ohne Malerei ist für mich undenkbar“ sagt er. In Europa habe er gelernt, subjektiver, expressiver, ausdrucksstärker zu malen. Und sich aus der strengen Formsprache der japanischen Kunst zu befreien. Pathetischer ausgedrückt: Fernab der Heimat hat Rin Terada gelernt, seinen eigenen Weg zu gehen – und das nicht nur in künstlerischer Hinsicht.

Und dennoch ist, wenn man die Bilder Teradas betrachtet, die japanische Herkunft unverkennbar. Der Maler selbst nennt, wann man ihn nach Spuren der Heimat fragt, die Balance seiner Bilder. Die Gewichtung von Farbe und Form, das Verhältnis von Gegenstand und Fläche, das habe er als Kind im Kalligraphie-Unterricht gelernt. Dieses Wissen fließt in seine Kunst – egal, ob er in Japan malt, oder in seinem Rathenower Atelier – tausende Kilometer entfernt von seinen Wurzeln.

Rin Terada – zur Person:

Rin Terada wurde im Mai 1948 in der nordjapanischen Präfektur Aomori geboren. Von klein auf war er malerisch begabt und wurde wiederholt für seine Kalligrafien und Gemälde ausgezeichnet.Vom zehnten Lebensjahr lebte er in Shiogama, unweit der Millionenstadt Sendai, die 2011 durch ein verheerendes Erdbeben fast völlig zerstört wurde.

Mit 19 Jahren fing er an, sich mit japanischer Malerei zu beschäftigen. 1970, 1971 und 1973 erhielt Terada den japanischen Kahoku- Kunstpreis. Im Jahr darauf wurde er für den höchsten japanischen Kunstpreis „Nitten” nominiert.

Mit 33 zog er nach Tokio um. In den folgenden sieben Jahren trieb es ihn von Ort zu Ort, und er erprobte sich an verschiedensten Tätigkeiten. In dieser Zeit begannen der Buddhismus und Zen eine immer größere Rolle in seinem Leben zu spielen.

Mit 40 kehrte er zur Malerei zurück. Er entwickelte eine eigenständige Technik, welche der traditionellen japanischen Maltechnik der „Rinpa“-Schule entstammt.

Im Jahr 2000, als Rin Terada 52 war, verließ er seine Heimat. Nachdem er mehrere Jahre in Frankfurt am Main lebte, zog er 2007 nach Berlin.

Seit November 2009 lebt und arbeitet er in Rathenow, wo unter anderem sein Werk „Der Rhein“ von monumentaler Größe entstand, welches 2011 im Kloster Eberbach im Rheingau ausgestellt wurde.

Von Markus Kniebeler

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