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Havelland Auf Rehkitz-Suche im hohen Gras
Lokales Havelland Auf Rehkitz-Suche im hohen Gras
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00:16 06.06.2017
Entlang des Seils reihten sich die Grundschüler auf. Hochmotiviert machten sie sich auf die Suche nach den Jungtieren. Quelle: Tanja M. Marotzke
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Etzin

Das Seil fest in den Händen richteten die Erstklässler den Blick konzentriert auf den Boden. Mit großen, staksenden Schritten durchkämmten die Da-Vinci-Schüler aus Nauen am Freitag Meter für Meter des rund 15 Hektar großen Feldes von Landwirt Frank Zöllner bei Etzin. Ihre Aufgabe: Rehkitze vor dem sicheren Tod bewahren.

Geschützt und doch in Gefahr

Die Kitze verbringen – geschützt vom hohen Gras – die erste Zeit nach der Geburt in den Feldern. Wenn jedoch die Mahd beginnt, sind viele Tiere noch zu klein, um selbstständig vor dem großen Mähdrescher zu flüchten. „Jedes Jahr sterben auf diese Weise viele Rehkitze, Bodenbrüter oder Junghasen. Um das zu verhindern, führen wir die groß angelegte Suche bereits zum zweiten Mal auf dieser Fläche durch“, so Claus Zidek von Nauener Jagdverband, der die Aktion 2014 im Havelland ins Leben rief.

Finley und Elias auf der Suche nach Rehkitzen. Quelle: Tanja M. Marotzke

„Grade die Wiesen, auf denen ein schöner Mix aus Kräutern, Gräsern und Blumen wächst, sind bei den Rehen beliebt. Deswegen ist es wichtig, das Feld vor Beginn der Mahd abzusuchen“, sagt auch Landwirt und Jagdpächter Frank Zöllner, der seinen Traktor gleich mitgebracht hatte. „Ist das Feld abgesucht, beginne ich sofort zu mähen. Warte ich zu lange, kommen die Tiere zurück“, so Zöllner, der insgesamt rund 200 Hektar Land beackert. „Neben verschiedenen Getreidearten, wie Gerste, Weizen und Roggen für die Futtermittelproduktion, produziere ich eben auch mein eigenes Heu. Im letzten Jahr konnten während der Mahd sechs Kitze davon hüpfen, fünf habe ich leider mit dem Mäher erwischt“, bedauert der Landwirt. Und landet ein Tier im Heuballen, ist der zum Verkauf ebenfalls nicht mehr geeignet.

Tod der Tiere verhindern

Um den Tod der Tiere zu verhindern, ist der leidenschaftliche Jäger in diesem Jahr sogar einen Kompromiss eingegangen. „Eigentlich sollte vor dem Beginn der Mahd sieben Tage lang die Sonne scheinen. Da sich jedoch kein Busunternehmen gefunden hat, das die Kinder fahren wollte, musste ich Rücksicht nehmen“, so Zöllner, der lieber noch einige Tage gewartet hätte

In Reih und Glied wurden die Nester gesucht. Quelle: Tanja M. Marotzke

Mit dem extra angemieteten Bus – bezahlt vom Jagdverband – erreichten die rund 20 Erstklässler dann gestern doch noch ihr Ziel und machten sich sogleich auf die Suche. Diejenigen, die nicht auf Claus Zideks Warnung gehört hatten und sich bei den heißen Temperaturen für kurze Hosen und Sandalen statt langer Kleidung und festem Schuhwerk entschieden hatten, mussten am Feldrand ausharren.

Fünf Kitze gerettet

Ihre Mitschüler kämpften sich tapfer durch das hohe Gras, das ihre Köpfe an einigen Stellen sogar überragte. Das Seil hielten sie dabei immer straff vor dem Körper. „Zum einen halten wir so die Linie ein und zum anderen können die Hände dann nichts anfassen, was sie nicht sollen“, sagte Jäger Claus Zidek. Was das ist, weiß der siebenjährige Elias: „Wenn wir die Jungtiere aus Versehen berühren, werden sie von ihrer Mutter nicht mehr angenommen.“ Um das zu verhindern, sollten die Kinder lediglich Markierungen setzen, wenn sie auf ein besetztes Nest stoßen. „Wir könnten die Kitze auch mit Handschuhen und etwas Gras an den Rand des Feldes bringen, die Gefahr, dass die Mutter es nicht mehr annimmt, besteht jedoch trotzdem. An den Markierungen kann der Landwirt dann das Nest erkennen und mäht ganz einfach großflächig drumherum“, so Zidek.

Mit der Drohne auf Kitz-Suche

Jährlich sterben zahlreiche Rehkitze auf den Feldern. Mähdrescher werden immer größer, Maschinen immer schneller.

Mit Drohnen, die mit einer Wärmebildkamera ausgestattet sind, soll das Kitz-Sterben künftig verhindert werden.

Je kälter es draußen ist, desto besser können die Kitze in ihren Verstecken gefunden werden.

Eine Drohne kann bis zu 12 500 Euro kosten.

Viele verlassene Nester konnten die Schüler am Freitag entdecken, doch selbst der Wärmemesser des kleinen Finley machte zunächst kein Lebewesen aus. Ob das nun an dem ein oder anderen ängstlichen Aufschrei wegen Spinne, Schnecke, Mücke und Co. lag oder doch an Hund Karli, der immer wieder Fährten witternd durch das hohe Gras jagte und kräftig an der Leine zog- Letzten Endes sichteten die fleißigen Sucher gleich fünf Rehkitze, die nach einigem Zögern doch fluchtartig das Feld räumten. Anschließend machte sich Landwirt Frank Zöllner beruhigt an die eigentliche Arbeit.

Von Laura Sander

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