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Havelland Auf den Spuren der von Bredows
Lokales Havelland Auf den Spuren der von Bredows
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00:19 07.09.2017
Fünf Grabplatten erinnern an dem Mausoleum von Wagenitz an die Familie von Bredow. Quelle: Marlies Schnaibel
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Wagenitz/Senzke

Die Sache mit der Rennsau Aurora aus Senzke ist wirklich ein skurrile Geschichte. Theodor Fontane hatte sie aufgeschnappt und in seinen Notizen festgehalten. Den Gutsherren, den „alten Senzker“, sah Fontane als „scharfe, schneidige, zugleich burleske Figur“. Der Mann war eine Wette eingegangen, wonach er mit einem chinesischen Schwein, das er Aurora nannte, das Rennpferd des Gutsnachbarn im Wettlauf besiegen wollte. Um das Schwein in seiner Unbefangenheit nicht durch zuströmendes Publikum einzuschränken, gewöhnte er das Tier vor dem Rennen an Zuschauer. So mussten der Pastor, seine Frau und Tochter, die beiden letzteren in roten Kleidern, bei den täglichen Proben mitwirken und „Publikum“ spielen. Erfolgreich, das Schwein gewann.

Impressionen aus dem Havelland – Auf den Spuren eines alten Adelsgeschlechts

Park Senzke für Besucher offen

Der heutige Bewohner des Schlosses, Friedrich Höricke, erzählt die Schnurre gern, wenn er gelegentlich Besucher durch den Schlosspark führt. Der Park ist im Bugajahr hergerichtet worden und kann auch ohne Führung besucht werden. Metallfiguren erinnern auf der Weise am Westrand des Parks an die hübsche Episode mit Schwein und Pastor.

Ausflugsorte am Havellandradweg

Die Geschichte ist hübsch, und Fontane war seinerzeit auch von ihr angetan, aber eine populäre Ballade wie zu der Geschichte mit dem Ribbecker Birnbaum schrieb er darüber nicht. Wäre das geglückt, würden Touristenströme heute im Havelland vielleicht ganz anders fließen. Nicht nur Ribbeck wäre ein Besuchermagnet. So aber bleiben die Dörfer wie Senzke und Wagenitz eher ein Ausflugsort für Kenner – oder für Leute, die auf dem Havellandradweg vorbeikommen und auf ein Stück Geschichte stoßen.

Fontanes Materialsammlung ist erhalten

Denn Geschichte wollte Fontane hier festhalten, er hatte mit dem Rennschwein Aurora Großes vor. Mehr als eine Ballade hatte der Märkische Mega-Wanderer im Sinn. Er wollte ein Buch über ein großes Adelsgeschlecht, über die Bredows, schreiben. Dafür hat er unendlich viel Material gesammelt, aus dem großen Buchprojekt wurde schließlich nichts, aber die Materialsammlung ist erhalten und bereitet dem Leser heute noch Freude beim Stöbern in regionaler Geschichte.

Bredow-Buch sollte in Wagenitz beginnen

Eine tragende Säule des Buches sah Theodor Fontane in Wagenitz. Damit wollte er sein Bredow-Buch beginnen. Schon in den „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ findet sich ein Eintrag. Das Dorf sei „interessant durch vielerlei“, namentlich durch das Herrenhaus der zu Bredows. Und die Bredows hatten es Fontane angetan: „Sie erschienen mir … in ihrer Eigenart von Schlichtheit, Treue, Sesshaftigkeit in ihrem offenbaren, durch alle Zeit sich hinziehenden Bestreben, nichts weiter als eine alte freie Familie sein zu wollen, als die märkischste aller märkischen Familien.“

Das Havelland ist voll von Bredowspuren, nicht nur, dass ein Dorf gleich so heißt. Die Familie ist weitverzweigt: die Matthiassche Linie, die Wichardsche Linie und die Linie der Bredow-Bredows, die Friesacker und die Kremmener Linie, die Senzker Linie, die sogenannte Droschkenkutscher-Linie von Markau-Schwanebeck, die Kleßener Bredows, die Lieper Bredows, die Landiner Herrschaft, die Löwenberger Abzweigung und und und. Ganz war auch Theodor Fontane nicht klar, wie er die Materialfülle bändigen wollte. Aber Wagenitz war wichtig.

Kunstsinniger Georg von Bredow

Am Mausoleum liegen heute noch fünf Grabplatten mit dem Bredowschen Familienwappen. Manche erst aus dem 20. Jahrhundert. Eine – heute zerbrochene – Platte erinnert an Georg von Bredow, der 1883 starb. Über ihn weiß Fontane zu berichten, dass er ein kunstsinniger Mann war, dem auch der Kummer nicht fremd war. „Verlor alle seine Söhne früh, den letzten vierzehnjährig durch den Stich eines Insekts.“ Aber dieser Georg Heinrich Eduard von Bredow war ein Kunst- und Wissenschaftsmensch, er ließ das neue schöne Schloss in Wagenitz bauen.

Schloss Wagenitz ist abgebrannt

Das war wegen seines Baukörpers und wegen seiner Sammlung imposant. Bilder, Waffen, Tapeten, Mineralien füllten die Schlossräume, von 15000 Insekten und 8000 ausgestopften Tieren war die Rede. Zum Kriegsende 1945 ging es in Flammen auf. „Die Sammlung war da wohl schon in großen Teilen nicht mehr im Haus“, sagt Horst Weikert. Der Mann aus Senzke sammelt seit Jahrzehnten alles Mögliche, was mit der Geschichte der Region und der Bredows zusammenhängt, und betreibt ein Heimatmuseum. Er hat ein Bild vom Schloss in seiner Sammlung. „Schade, dass es das nicht mehr gibt“, beklagt er das Unabänderliche.

Ähnlich sieht es auch Ulrich Wanke, Leiter der Unteren Denkmalbehörde des Havellandes. „Das war ein imposanter Bau, mit beeindruckender Orangerie“, erzählt er. Und so ist er froh, dass in der aktuellen Ausstellung im Schloss Ribbeck auch eine Fotoaufnahme vom Schloss Wagenitz gezeigt werden kann. Zu sehen sind dort Fotografien aus dem Havelland, die historische Aufnahmen dem jetzigen Zustand gegenüberstellen. In Wagenitz ist da eine Fehlstelle; wo einst das Schloss stand, ist heute der Blick frei auf den Schwedenturm. Den hat es vor 100 Jahren mit Storchennest auch schon gegeben, er lugt hinter der Schlossorangerie hervor.

Großes Votivbild in der Dorfkirche Wagenitz

Aber ein Eintauchen in die Bredow-Welt fördert nicht nur Verluste zutage, sondern bringt auch schöne Begegnungen. In der Wagenitzer Dorfkirche ist so eine möglich. Wie schon einst Fontane, steht der Besucher vor dem großen Votivbild. 1667 ließ sich Hans Christoph von Bredow mit Ehefrau Barbara Dorothea von Görne und den zehn Kindern malen. Es zeigt eine stolze Herrscherfamilie in einem Landstrich, der das Elend des Dreißigjährigen Krieges langsam abstreifte. Das Bild kann man heute mit Bewunderung und Belustigung zugleich betrachten. Es ist beeindruckend in Dimension und Bildaufbau, aber es hat seine künstlerischen Grenze, wenn man sieht, dass die Kinder wie aus dem Bausatz heraus gemalt sind – alle sehen gleich aus. Die Verse auf dem Bild fand Fontane „unerquicklich, schwülstig, halb unverständlich und extravagant“. Sie sind eben ein Zeugnis ihrer Zeit, wenn da zu lesen ist: „Hab ich nur, Jesu, dich, in meinem Jammerherzen, nach Himmel frag ich nicht und nicht nach Welt und Schmerzen.“ Dass man die Verse überhaupt noch lesen kann, ist dem einstigen Pfarrer Martin Heinze wesentlich mit zu verdanken. Als er 1971 nach Wagenitz kam, war das Bild in jämmerlichem Zustand – die Farbe blätterte ab, das Bild war ganz dunkel. Heute strahlt es wieder. Und ist eines der Gründe für einen Wagenitzbesuch.

Spannende Familiengeschichte

Wer nach seinem Vor-Ort-Termin in den havelländischen Bredow-Orten zu Hause noch mehr zu den Bredows wissen will, kann bei Fontane nachstöbern. Aurora, das Rennschwein, ist dabei nur eine Episode. Man trifft auf allerlei Persönlichkeiten und Gestalten: Hartwig I. von Bredow, der seinen Vetter Hans auf einer Hochzeit ermordet haben soll. Florine Juliane Friederike von Briest hat hintereinander drei Bredow-Brüder geheiratet. 1634 wird Christian Dietrich von Bredow von seinem Rittmeister erschossen. Eine Tochter von Ludwig von Bredow heiratet Hans Heinrich von Katte (und wird Stiefmutter von Hans Hermann von Katte, dem später so unvergessen Hingerichteten), Otto Friedrich von Bredow wird als Kriegs- und Domainenrat von Friedrich II,. abgelehnt, wird dann Domherr zu Havelberg, lebt aber vorwiegend als „feiner Herr“ in Berlin und wird in Senzke begraben. Claus Hartwig Heinrich von Bredow heiratet eine Tagelöhnertochter, Karl Ludwig Friedrich Wilhelm von Bredow heiratet standesgemäß 1800, zieht in den Krieg, ist bedeutender Landwirt, Naturforscher, Ornithologe und Entomologe. Sein Sohn Georg wird in Wagenitz das Schloss bauen und die Sammlung seines Vaters präsentieren.

Von Marlies Schnaibel

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