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Auf den Spuren des Trinkwassers

MAZ-Schulreporter Auf den Spuren des Trinkwassers

Welche Technologie und welcher Aufwand betrieben werden muss, damit aus Grundwasser Trinkwasser entsteht, konnten die Schüler der Klasse 5a der Robinson-Grundschule Brieselang am Donnerstag aus erster Hand erfahren. Im Rahmen des MAZ-Schulreporter-Projektes blickten sie hinter die Kulissen des Wasserwerks in Staaken.

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Alles eine Nummer größer: die Schüler der Robinson-Grundschule Brieselang in der großen Pumpenhalle, von der aus das Wasser in die Region gepumpt wird.

Quelle: Danilo Hafer

Staaken/Havelland. Rund 80 000 Menschen im Havelland und in Oberhavel versorgt die Osthavelländische Trinkwasserversorgung und Abwasserbehandlung GmbH (OWA) mit Trinkwasser aus dem Wasserwerk in Staaken. Welche Technologie und welcher Aufstand dahinter stecken, bis aus normalem Grundwasser Trinkwasser entsteht, konnten einige Schüler der Robinson-Grundschule aus Brieselang am Donnerstag aus erster Hand erfahren. Im Rahmen des MAZ-Schulreporter-Projektes führte OWA-Geschäftsführer Günter Fredrich die Klasse 5a durch sein Wasserwerk und versuchte jede Frage der wissbegierigen Jungen und Mädchen zu beantworten.

Das Wasserwerk in Staaken ist über 100 Jahre alt

Zum Einstieg zeigte Günter Fredrich den Schülern einen kurzen Film über die Entstehungsgeschichte des Standortes. „Das Wasserwerk ist ja eigentlich schon 100 Jahre alt, aber die Technik ist komplett neu.“

Im Untergeschoss des Wasserwerks erklärt OWA-Geschäftsführer Günter Fredrich (l) den Schülern die Funktionsweise der Filteranlagen

Im Untergeschoss des Wasserwerks erklärt OWA-Geschäftsführer Günter Fredrich (l.) den Schülern die Funktionsweise der Filteranlagen.

Quelle: Danilo Hafer

Im Jahr 2008 wurde der Neubau des Wasserwerkes eröffnet. „1000 Edelstahlrohre, so dick wie Baumstämme“, seien in dem neuen Werk verbaut worden, erklärte Günter Fredrich. Da staunten die Schüler. Allein der Neubau des Wasserwerkes habe rund 3,3 Millionen Euro gekostet. Der Rohrleitungsanbau noch einmal 700 000 Euro. Für die Schüler unvorstellbare Summen.

Grundwasser enthält Eisen, Mangan und Schwefelstoff

Den elfjährigen Fynn beeindruckten vor allem die im Film gezeigten Bauarbeiten an den Filterkammern. „Die Filteranlagen sind nötig, da sich im Grundwasser viele Stoffe befinden, die wir da nicht drin haben wollen“, sagte Günter Fredrich. Das seien unter anderem Eisen, Mangan und Schwefelwasserstoff.

28 Brunnen befinden sich auf dem Gelände des Wasserwerkes

Um genauer zu erklären, wie diese Stoffe ins Wasser gelangen, ging der OWA-Geschäftsführer mit den Schülern nach draußen, vorbei an den Eisenauffangbecken, bis kurz vor das alte Wasserwerk. Denn dort steht einer von 28 Brunnen, die auf dem gesamten Gelände verteilt sind. 60 Kubikmeter Wasser könne ein solcher Brunnen in der Stunde fördern. Im Sommer wie im Winter. Denn das Grundwasser habe eine gewisse Eigenwärme, wenn es aus dem Boden kommt und friere nicht ein, erklärte Günter Fredrich. Bevor dass kühle Nass aber aus den dunklen Tiefen des Erdreichs nach oben gelangt, muss es zunächst den umgekehrten Weg gehen.

An Beispielen erläutert Günter Fredrich die verschiedenen Filterstufen

An Beispielen erläutert Günter Fredrich die verschiedenen Filterstufen.

Quelle: Danilo Hafer

„Das Wasser gelangt ja erst einmal durch Regen in den Boden und sickert dann langsam nach unten“, erklärte der Geschäftsführer. So gelange es dann ins Grundwasser. Bereits in den ersten zehn Metern könne man mit einem Brunnen Wasser fördern, ähnlich wie bei einem „Flachbrunnen“, den viele Menschen im Garten zu stehen haben.

Auf die Frage ihres Lehrers Olaf Steinert, wie viele von den Schülern zu Hause selbst einen Brunnen haben, meldete sich fast die Hälfte. Die meisten würden das Brunnenwasser aber nur für den Garten verwenden, um die Blumen zu gießen und den Rasen zu bewässern. Denn irgendwas sei mit dem Wasser noch nicht in Ordnung, sagen die Schüler. „Irgendwie riecht das Wasser immer komisch und ist auch leicht braun“, sagte ein Schüler. Das sei kein Wunder, erklärt Günter Fredrich. Denn an dieser Stelle sei das Wasser, um es auch Trinken zu können, noch viel zu verunreinigt. „Im Boden befindet sich unter anderem Eisen und mit der Zeit nimmt das Wasser dann das Eisen auf und dadurch färbt es sich rötlich“, sagte er. Und der im Boden enthaltene Schwefelwasserstoff sorge dann für den komischen Geruch. Aber auch aus einem anderen Grund sei das normale Brunnenwasser noch nicht zum Trinken geeignet. „Darüber hinaus enthält es auch jede Menge Bakterien, die krank machen können“, so Fredrich.

Warum hat man das Wasserwerk nicht aus Lehm gebaut?

Erst in den Schichten darunter, die von einem wasserundurchlässigen Lehm-Ton-Gemisch abgetrennt sind, „fließe“ das eigentliche Grundwasser. Und selbst dies sei noch immer „Rohwasser“ und müsse zunächst behandelt werden. An dieser Stelle erinnerte sich der elfjährige Fynn an die Bauarbeiten aus dem Film und frage: „Warum hat man das Wasserwerk denn nicht auch einfach aus Lehm gebaut, wenn der wasserabweisend ist?“ Darauf wusste der OWA-Geschäftsführer natürlich eine Antwort. „Beton ist noch einmal dichter als Lehm und auch hygienischer“, erklärte er. Zudem sei Beton der gängige Baustoff bei solchen Bauwerken. Und den Neubau schauten sich die Schüler anschließend auch noch an.

Wasser durchläuft mehrere Filteranlagen

Über eine Treppe ging es zwei Etagen hinunter bis zu den Filteranlagen, die die Schüler zuvor schon im Video gesehen hatten. Durch verschiedene Prozesse und Filtermethoden werden die festen Bestandsteile, wie Eisen, aus dem Wasser herausgeholt, erklärte Günter Fredrich. Wenn das Wasser die letzte Filterschicht aus einem Sand-Kies-Gemisch durchlaufen hat, habe das Wasser bereits trinkbare Qualität. Eine Solche Filterschicht könne bis zu zehn Jahre genutzt werden. „In regelmäßigen Abständen muss der Filter aber rückgespült und gereinigt werden“, sagt er.

Erdbehälter sorgen für Wasserreserve

1200 Kubikmeter Wasser werden im Schnitt aus dem Wasserwerk Staaken in die Orte Falkensee, Dallgow und Hennigsdorf gepumpt. „Im Sommer kann die Pumpleistung schon mal 400 Prozent höher sein“, erklärt Günter Fredrich. Dann würden alle ihren Rasen sprengen oder den Pool mit Wasser befüllen. Im Wasserwerk ist das sofort zu spüren. Dennoch gehe der OWA das Wasser so schnell nicht aus. „Wir können allein 20 000 Kubikmeter Wasser in Erdbehältern speichern“, verriet der Geschäftsführer.

Von Danilo Hafer

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