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Havelland Auf den Spuren des Vaters ins Havelland
Lokales Havelland Auf den Spuren des Vaters ins Havelland
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22:49 20.07.2015
Sabine Rennefahrt präsentiert stolz die Postkarte, die ihr Vater 1941 schrieb. Quelle: Christin Schmidt
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Rathenow

Von Ebertsheim in der Pfalz zur Buga nach Rathenow – die 76-Jährige Sabine Rennefahrt hat diese Reise ganz allein auf sich genommen. Dabei hatte sie ein ganz bestimmtes Ziel vor Augen: Den Bismarckturm in Rathenow. Bisher kannte sie das Wahrzeichen auf dem Weinberg nur vom Blick aus dem Fenster der Bahn. Wenn sie mit dem ICE durchs Havelland fuhr um ihre Tochter in Berlin zu besuchen, huschte der Turm jedes Mal am Fenster vorbei, erzählt Rennefahrt. „Das ist ja der Turm von der Karte“, schoss es ihr irgendwann durch den Kopf. Jene Karte ist ein Andenken an ihren Vater, der aus dem zweiten Weltkrieg nicht zurückkehrte.

Mehr als 70 Jahre alt

Nach der Wende entdeckte die Familie einen wahren Schatz auf dem Dachboden ihrer Großeltern in Ruhlsdorf bei Luckenwalde: Eine große Kiste mit unzähligen Briefen und Postkarten, die ihr Vater Albert Heinrich als Soldat an seine Lieben geschickt hatte. Darunter auch jene Karte aus Rathenow. Obwohl das Stück Papier mehr als 70 Jahre auf dem Buckel hat, die Schwarz-Weiß-Aufnahme des Turmes, die Sabine Rennefahrt bei ihrem Besuch in Rathenow aus dem kleinen Rucksack zieht, sieht aus wie neu. Das Papier glänzt, nicht eine Ecke ist umgeknickt. Auf der Rückseite stehen die Zeilen ihres Vaters Albert Heinrich, geschrieben am 23. Juni 1941.

Briefe an die Lieben zu Hause

Er war damals in Rathenow stationiert, sollte das Fahren in Kolonne lernen, und schaute sich bei dieser Gelegenheit den Turm an, erzählt Sabine Rennefahrt. Albert Heinrich erkundigt sich nach der elterlichen Landwirtschaft, möchte wissen, wie weit sie mit dem Heuen sind. „Auf Urlaub kann ich kaum rechnen. Nun kommt auch noch der Krieg mit Russland.“

Einmal den Rathenower Bismarckturm sehen, diesen Wunsch erfüllte sich Sabine Rennefahrt. Quelle: Markus Kniebeler

Sabine Rennefahrt streicht mit der Hand über die Zeilen. Die alten Briefe geben ihr die Möglichkeit, den eigenen Vater kennenzulernen. Sie hat sie alle gelesen, kopiert, übersetzt und für die Familie aufgehoben. „Wir glauben nicht mehr an die Wunderwaffe, hatte mein Vater geschrieben. Er wollte nicht befördert werden, er wollte nur nach Hause.“ Durch Polen, Russland, Rumänien und die Ukraine kam Albert Heinrich als Soldat. Seit Oktober 1944 gilt er als vermisst.

Eine wahre Fundgrube voller Erinnerungen

Bis auf wenige Erinnerungen sind seine Briefe für Sabine Rennefahrt das einzige, was ihr von Vater geblieben ist. Sie selbst wurde in Berlin Lichterfelde geboren und wuchs in Wietstock bei Ludwigsfelde auf. Ihr Mann, ein gebürtiger Havelländer, kam aus Tarmow. Er starb bereits vor 26 Jahren. Seither ist die rüstige Dame allein unterwegs und liebt es, auf den Spuren ihres Vaters zu wandeln. „In meiner Erinnerung sehe ich noch, wie er mit uns in Ruhlsdorf Schlitten gefahren ist oder wie ich als kleines Mädchen auf seinen Knien saß.“

Die Briefe seien eine wahre Fundgrube. „Er hat alles aufgeschrieben. Was die Pfannkuchen in Warschau gekostet haben oder dass er bei Minusgraden auf dem LKW schrieb oder dass er noch nie so viele Trauben wie in Ungarn gegessen hat“, berichtet die rüstige Dame und überschlägt sich dabei fast mit ihren Worten. Veröffentlichen möchte sie die Briefe aber nicht, es seien viel zu persönliche Dokumente. Wenn es klappt, will sie im August noch einmal nach Rathenow zurückkehren und dort stehen, wo ihr Vater vor 74 Jahren stand.

Von Christin Schmidt

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