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Havelland Auf der Suche nach Spinnweben
Lokales Havelland Auf der Suche nach Spinnweben
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08:40 08.11.2014
Putzt privat einmal die Woche, Staub saugt sie wegen ihrer Katzen öfter: Antje Bischoff (39). Quelle: Jana Einecke
Falkensee

Noch viel weniger hätte sie geglaubt, dass ihr das Putzen einmal richtig Spaß machen würde. Denn eigentlich wollte sie Floristin werden und ihr Leben lang in einem duftenden Blumengeschäft werkeln. Stattdessen hatte sie mit Anfang 20 ein Kind bekommen, die Lehre abgebrochen und putzte nun – übergangsweise, wie sie dachte – müffelnde Seen und Häufchen weg.

„Man muss ja nicht mit bloßen Händen hineingreifen“, sagt Antje Bischoff heute, fast 18 Jahre später. „Ich habe mich daran gewöhnt. Und ein anderer macht’s ja nicht.“ Die 39-jährige Falkenseerin, zupackend, fröhlich, fix, arbeitet für die Nauener Gebäudereinigungsfirma Runge & Runge. Sie hat derzeit sechs Auftraggeber, putzt in Arztpraxen, Autowerkstätten, Privathäusern und noch immer in der stationären Einrichtung. Wenn heute etwas stinkt, versprüht Antje Bischoff Duftspray und öffnet die Fenster. Selbst Erbrochenes ist für sie mittlerweile nur noch „Gegenstand der Arbeit“. Das Gefühl Ekel hat sie sich abtrainiert. „Man muss schon ein bisschen abgebrüht sein“, sagt die Falkenseerin und lacht. Antje Bischoff lacht viel. Sie erzählt mit Energie von ihrer Lust am Ordnen, am Gardine-Geraderücken und vom guten Gefühl, gebraucht zu werden. Es klingt glaubwürdig, wenn sie sagt, dass aus dem Übergangsjob längst ein Beruf geworden ist, in dem sie aufgeht. „Ich bin wirklich glücklich damit.“

Ganz selten nur ärgert sie sich, etwa über das Wort „Putze“, oder wenn jemand über den just gesäuberten Boden trampelt und dann scheinheilig sagt, dass es ihm leid tue. Aber deshalb den ganzen Tag im Büro sitzen oder im Laden stehen? Nein danke: Lieber um 5 Uhr anfangen, sich bewegen, Leute treffen, das Ergebnis seiner Arbeit sehen und dann den Nachmittag frei haben. Dass Putzkräfte in der Gesellschaft nicht so angesehen sind wie andere Berufsgruppen, kann Antje Bischoff nicht nachvollziehen. „Ein Arzt etwa muss seine Praxis vorzeigen können. Und sauber wird sie nur durch eine Putzkraft. Das eine geht nicht ohne das andere.“

Das Einkommen von Arzt und Putzfrau allerdings unterscheidet sich gewaltig. Nicht ganz acht Euro pro Stunde verdient eine angestellte Reinigungskraft der untersten Lohngruppe in Brandenburg derzeit. Das ist Tarif. Ab Januar gilt immerhin Mindestlohn. Für die nächsthöhere Lohngruppe, im Osten mit 8,47 Euro pro Stunde vergütet, sind zusätzliche Qualifizierungen nötig. Solche Putzkräfte sind etwa für die Reinigung von Operationssälen zuständig – eine Perspektive, die auch Antje Bischoff interessant findet. Mit ihrem jetzigen Lohn, sagt sie, komme sie aber auch gut aus.

Putztipps vom Profi

„Gegen Kalk nehme ich Essig. Das dauert zwar etwas länger, ist aber besser für die Umwelt. Ich benutze nicht so viel Chemie und auf Werbung gebe ich auch nichts.“
„Tische wische ich immer gerade ab. Dann sieht man die Spuren nicht. Nicht zu billige Mikrofaserlappen ersparen das Nachpolieren.“
„Auf dem Boden wische ich mit dem Mopp immer eine Acht. Denn dann zieht man den Dreck mit sich mit.“

Wenn postmoderne Privatputzer nach meditativen Zuständen beim Feudeln fragen, kann Antje Bischoff nur belustigt den Kopf schütteln. „Nee, so was habe ich nicht! Ich hab immer Augen und Ohren offen und gucke schon nach dem Nächsten“, sagt sie. Die Falkenseerin arbeitet in der Tat zügig und mit Nachdruck, ihre Bewegungen sind ausladend. Langsam wischen kann sie schon gar nicht mehr, auch zu Hause nicht. „Das hat man so drin.“

Es ist nicht die einzige Routine, die sich Antje Bischoff angewöhnt hat. Wenn sie einen Raum betritt, geht ihr Blick zuerst in die Deckenecken: irgendwo Spinnweben? Dann auf den Boden: irgendwo Dreckschwerpunkte? Danach: Erst mal den Müll rausbringen. Staubsaugen, wischen. Türklinken, Telefone, Bildschirme putzen. Gerne alleine, das ist einfacher als im Team, wo man sich absprechen muss. Rote Lappen verwendet sie für den Sanitärbereich, gelbe für Waschbecken und blaue für Tische, Schränke und Arbeitsflächen. Nicht zu billig dürfen sie sein und keinesfalls klatschnass.

Mit den Routinen fahre sie eigentlich gut, sagt Antje Bischoff. Nur einmal, da habe sie wegen dieser Automatismen versehentlich einen ihrer Auftraggeber ignoriert. Er hatte ihr nämlich zum Dank Leckereien hingelegt – aber nicht mit ihrer beharrlichen Diskretion gerechnet. „Es war extra mit Zettel: ’Für unsere liebe Frau Bischoff’. Habe ich natürlich nicht gelesen – und deshalb alles liegenlassen.“ Antje Bischoff lacht. Dann wird sie ernst: Es gehöre eben zum Berufsethos einer Putzfrau, nirgendwo herumzuwühlen, nichts auf belegten Flächen zu verändern und vor allem nichts einzustecken. Auch, wenn einem dadurch manch Leckeres entgeht.

Von Jana Einecke

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