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Auktionator räumt mit verstaubten Image auf

Dallgower hat sein eigenes Auktionshaus Auktionator räumt mit verstaubten Image auf

Sebastian Protz (35) aus Dallgow zählt zu den jüngsten öffentlich bestellten Auktionatoren Deutschlands und bringt frischen Wind in die Szene. Sein Auktionshaus am Charlottenburger Einsteinufer ist modern und offen – keine Spur von kariertem Tweed, schweren Holzhämmern oder verstaubten Möbelstücken.

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Hündin Piper ist ein gern gesehener Gast im Auktionshaus am Charlottenburger Einsteinufer.

Quelle: Laura Sander

Dallgow-Döberitz/Berlin. Kariertes Tweed, eine goldumrandete Lesebrille und ein großer, schwerer Holzhammer – dieses Bild eines klassischen Auktionators haben wohl die meisten Menschen im Kopf. Wer jedoch im Auktionshaus von Sebastian Protz ein dunkles, verstaubtes Lager und den Geruch von Jahrhunderte alten Möbelstücken erwartet, wird überrascht. Offene helle Räume, knallige Farben und ein junger, moderner Versteigerer erwarten Käufer und Verkäufer in den Auktionsräumen am Charlottenburger Einsteinufer.

Auktion gegen Architektur

Der 35-Jährige aus Dallgow zählt zu den jüngsten öffentlich bestellten Auktionatoren Deutschlands und bringt frischen Wind in die Szene. Selbstständig gemacht hat sich Protz, der in Berlin-Spandau aufgewachsen und 2010 nach Dallgow gezogen ist, bereits vor drei Jahren. „Erst war ich ein Jahr in Rudow – dort habe ich den Betrieb eines langjährigen Auktionators übernommen. Ende 2014 fand dann die erste Versteigerung hier in Charlottenburg statt“, so Sebastian Protz, der bereits während seines Architekturstudiums Auktionen vorbereitet und protokolliert hat. „Ich war quasi Mädchen für alles. Irgendwann habe ich dann für mich entschieden, dass es das ist, was ich mein ganzes Leben machen möchte und habe die Architektur aufgegeben“, sagt der 35-Jährige.„Vor meiner ersten eigenen Auktion war ich natürlich nervös. Da ich den Ablauf jedoch schon viele Male gesehen hatte, ging das relativ schnell vorbei.“ Er habe alles von der Pike auf gelernt, das käme ihm heute zugute.

Privatleute trauen sich nur selten zu Auktionen

„Rund 95 Prozent der Ware, die ich annehme – darunter vor allem Schmuck und Technik, aber auch Alltagsgegenstände – versteigere ich. Mein Lager ist leer“, lacht der Dallgower, der seine Freizeit am liebsten mit Hündin Piper in der Natur verbringt. Nicht selten sind alle Sitzplätze in Protz’ Auktionshaus besetzt – meistens von den immer gleichen Berliner Händlern. „Privatleute trauen sich leider nur sehr selten zu solchen Auktionen. Viele sind eingeschüchtert und denken, dass sie sich gegen Händler nicht durchsetzen könnten“, so Protz, der seine Waren meist von Berliner Pfandleihern, aber auch von Kunden aus Dresden oder dem Vogtland bekommt. „Lösen die Leute ihre Sachen nicht aus, dürfen sie von einem öffentlich bestellten und vereidigten Auktionator versteigert werden. Der Pfandleiher bekommt seinen Pfand plus Zinsen und Gebühren zurück, den Rest des Geldes erhält der ehemalige Besitzer“, so der 35-Jährige, der rund 50 Mal im Jahr seinen silbernen Miniaturhammer schwingt. „Die großen aus Holz finde ich zu klobig, aber ein Hammer gehört eben dazu. Den hier habe ich in einem Modellbaubedarf entdeckt und mir gleich mehrere besorgt, falls mal einer kaputt geht.“

Anfassen statt Museumscharakter

Nicht unwahrscheinlich, denn während nur einer Auktion landet der kleine Hammer rund 100 Mal in der Stunde auf dem Tisch. „Es kommt immer darauf an, wie viele Gegenstände in einer Auktion angeboten werden. Es kann schon mal passieren, dass ich innerhalb von drei Stunden 300 Sachen versteigere – in diesen Fällen handelt es sich meistens um Schmuck, Technik hingegen wollen die Leute im Vorfeld ausprobieren“, so Protz, der Ringe, Spielekonsolen oder Fotoapparate keineswegs hinter Glas verschließt. „In den meisten Auktionshäusern gibt es vor jeder Versteigerung einen Rundgang, bei dem alle Sachen begutachtet, aber nicht angefasst werden können – das ist wie im Museum. Bei mir dürfen die Leute alles berühren und genau in Augenschein nehmen – die Ringe sind natürlich abgezählt und meine Mitarbeiterinnen geschult“, so er 35-Jährige mit einem Augenzwinkern.

Alles unter dem Hammer

Das wichtigste Handwerkszeug eines Auktionators ist sein Fachwissen. Viele Versteigerer spezialisieren sich auf ein Gebiet, wie beispielsweise Autos, Kunst oder Antiquitäten.

Im Auftrag eines Kunden ermittelt und bestimmt ein Auktionator den Wert der zu versteigernden Gegenstände und versucht Interessenten zu finden. Eine Versteigerung muss vor dem festgesetzten Termin rechtzeitig bei den Behörden angemeldet werden.

Pfandverkäufe dürfen nur von öffentlich bestellten und vereidigten Auktionatoren durchgeführt werden, die über eine mehrjährige Erfahrung verfügen und überdurchschnittliche Fachkenntnisse nachweisen können. Die Bestellung übernimmt die Industrie- und Handelskammer. Eine geregelte Ausbildung zum Auktionator gibt es nicht.

Bei einer Versteigerung wird grundsätzlich bar gezahlt, solange die Summe nicht zu hoch ist – dann sind auch Schecks erlaubt. Der Rücktritt vom Kauf ist nach dem Zuschlag ausgeschlossen.

Dass es nicht immer Gold und Silber, ein wertvolles Gemälde oder ein seltener Oldtimer sein müssen, wissen jedoch die wenigsten Menschen. Schade, wie Sebastian Protz findet. „Alltagsgegenstände, wie Küchengeräte oder gut erhaltene Matratzen gehen immer. Leider rufen viele gleich den Entrümpler an oder schmeißen die Sachen, für die sie noch etwas Geld bekommen könnten, einfach weg“, sagt der Dallgower, der selber ein leidenschaftlicher Flohmarktgänger ist. „Auch die meisten Pfandleihhäuser sind heute hell, offen und seriös. Sie sind eine gute Möglichkeit unkompliziert an Geld zu kommen, wenn man es mal braucht und schneller als jede Bank.“

Und sollte es doch einmal dazu kommen, dass die geliebte Spielekonsole oder das zuverlässige Mountainbike nicht ausgelöst werden können, wechseln die Sachen bei einer Auktion nie unter Wert ihren Besitzer.

Von Laura Sander

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