Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 3 ° Regenschauer

Navigation:
„Aus dem Bauer ist ein Agrarmanager geworden“

Bauernpräsident Udo Folgart im Interview „Aus dem Bauer ist ein Agrarmanager geworden“

Nach 13 Jahren als Präsident des Landesbauernverbands zieht sich Udo Folgart zurück. Bei den nächsten Wahlen im März 2016 wird der 59-Jährige aus Grünefeld nicht noch einmal kandidieren. Im MAZ-Interview spricht er über seinen Rückzug in Raten, moderne Landwirtschaft und südafrikanische Weine.

Grünefeld 52.6831912 12.9830205
Google Map of 52.6831912,12.9830205
Grünefeld Mehr Infos
Nächster Artikel
Rathenow im Jubiläumsjahr

Udo Folgart

Quelle: Tanja M. Marotzke

Grünefeld. Nach 13 Jahren als Präsident des Landesbauernverbands zieht sich Udo Folgart zurück. Bei den nächsten Wahlen im März 2016 wird der 59-Jährige aus Grünefeld nicht noch einmal kandidieren. Im MAZ-Interview lässt Folgart seine Amtszeit Revue passieren.

MAZ: Warum haben Sie sich im vergangenen Oktober entschieden das Amt als Bauernpräsident niederzulegen?

Udo Folgart: Das hat vor allem gesundheitliche Gründe. Die Entscheidung war schon im Februar gereift, auf Anraten meines Arztes. Ich habe das im Vorstand auch offen kommuniziert, die wichtigen Leute wussten längst Bescheid. Dass ich hinschmeißen würde, wie es im Oktober in einigen Medien hieß, nachdem man dort von meinem geplanten Rückzug erfahren hatte, stimmt also nicht. Es ist eine saubere Übergabe. Der Bauerntag am 17. März findet wieder in Falkenberg im Landkreis Elbe-Elster – am gleichen Ort bin ich 2003 erstmals zum Präsidenten gewählt worden. Ein schöner Zufall. Für mich schließt sich damit der Kreis.

Im Frühjahr 2015 waren Sie schon als Kreisvorsitzender der Havelländer Bauer zurückgetreten. Was ist mit dem Landtagsmandat?

Folgart: Das behalte ich, zumindest mal bis zum Ende dieser Legislaturperiode im Jahr 2019. Ich bleibe agrarpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion. Daneben werde ich auch künftig als Geschäftsführer der Agro-Glien GmbH in Paaren im Glien tätig sein, vielleicht sogar wieder ein bisschen mehr als zuletzt. Vor allem aber freue ich mich mehr Zeit mit meinen drei Enkelkindern zu verbringen.

Wissen Sie schon, wer Ihr Nachfolger auf Landesebene wird?

Folgart: Die Bewerberliste ist noch nicht geschlossen, die Kreise können noch Kandidaten aufstellen. Es gibt allerdings einen Favoriten: Henrik Wendorff, der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Märkisch-Oderland und aktuelle Vizepräsident des Landesverbands. Ein Ökolandwirt an der Spitze würde uns sicher gut zu Gesicht stehen.

Welche Aufgaben stehen in den verbleibenden Wochen bis zum Bauerntag noch für Sie an?

Folgart: Einen Großteil unserer Arbeit macht mit Sicherheit die Lobbyarbeit gegen das Volksbegehren gegen Massentierhaltung aus, das noch bis zum 14. Januar läuft. Wir müssen deutlich machen, dass auch in größeren Anlagen tiergerechte Haltung möglich ist und sie nicht per se schlecht sind. Wir müssen den Menschen klar machen, dass wir die Guten sind, ohne dabei auszublenden, dass es in der Branche natürlich auch schwarze Schafe gibt.

Einen Tag, nachdem das Volksbegehren endet, startet dann die Grüne Woche in Berlin – Ihre letzte als Bauernpräsident. Wie werden Sie die weltgrößte Messe der Ernährungs- und Landwirtschaft erleben?

Folgart: Auch in diesem Jahr gibt es noch einmal viele verbandspolitische Termine und Treffen mit Politikern aus Land, Bund und EU. Wir werden uns auf der Grünen Woche beispielsweise schon einmal darüber unterhalten, wie die gemeinsame Agrarpolitik in Europa nach 2017 weitergehen soll.

Können Sie die Messe mit all ihren Köstlichkeiten überhaupt genießen?

Folgart: Ein bisschen schon. Es ist bei meiner Frau und mir schon Tradition, dass wir am Abschlusstag gemeinsam mit unseren Kindern und ihren Partnern südafrikanische Weine verkosten. Das werden wir auch beibehalten, wenn ich nicht mehr Bauernpräsident bin.

Welche Bedeutung hat die Grüne Woche für die märkische Landwirtschaft?

Folgart: Die Grüne Woche ist sehr wichtig für uns. Dort können wir dem Verbraucher erklären, wie wir produzieren, damit dieser ein besseres Verständnis für die Landwirtschaft bekommt und die Produkte auch wertschätzt, die auf seinem Teller liegen. Der gute Geschmack kommt ja nicht von irgendwoher. Die Grüne Woche mit ihren 500 000 Besuchern bietet uns dafür eine ideale Plattform. Wenn es diese Messe noch nicht gäbe, müsste man sie glatt erfinden.

Die Brandenburgische Landwirtschaftsausstellung im MAFZ-Erlebnispark in Paaren im Glien ist so etwas wie das Pendant zur Grünen Woche unter freiem Himmel. Werden Sie die Brala 2016 noch besuchen, auch ohne das Amt des Bauernpräsidenten?

Folgart: Natürlich, gar keine Frage! Ich habe Himmelfahrt eigentlich immer in Paaren verbracht und werde das auch künftig tun. Allein deshalb, weil ich an der Entstehung der Brala damals maßgeblich beteiligt war. Außerdem habe ich zumindest 2016 auch noch offizielle Termine dort: Mein Amt als Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes lege ich ja erst Ende Juni nieder.

13 Jahre als Landesbauernchef liegen hinter Ihnen. Wie hat sich die Landwirtschaft in diesem Zeitraum verändert?

Folgart: Der Agrarmarkt ist heute weniger stark reguliert als früher. Das hat auch die Preise volatiler gemacht. Die Schwankungen wurden heftiger, auch wenn sich das Preisniveau seit 2003 insgesamt verbessert hat. Die Landwirte mussten damit ein ganz neues Betriebsmanagement entwickeln, mit neuen Absicherungsmodellen und anderen Verträgen als früher. Heutzutage muss man sich viel stärker über die verschiedenen Märkte informieren. Aus dem Bauer ist ein Agrarmanager geworden. Durch die immer größere Bedeutung des Exports bieten sich aber auch neue Möglichkeiten. Die Landtechnik hat sich ebenfalls gewaltig weiterentwickelt. 2003 gab es Melkroboter nur ganz vereinzelt, inzwischen ist das Standard. Die moderne Landtechnik wird per Satellit gesteuert und erledigt viele Dinge fast von allein.

Was hätten Sie in Ihrer Amtszeit gerne besser gemacht?

Folgart: Wir haben es als Landesbauernverband nicht geschafft, den jüngsten Agrarreformen der Europäischen Union entgegenzuwirken. Seit 2014 erlebt Europa eine Renationalisierung der Agrarprogramme, die zu einer Wettbewerbsverzerrung führt, die wir auch in Brandenburg zu spüren bekommen.

Und was waren die Höhepunkte der vergangenen 13 Jahre?

Folgart: Auch wenn es komisch klingt: die extreme Dürre des Sommers 2003, kurz nach meinem Amtsantritt. Damals scherzte Entertainer Harald Schmidt in seiner Late-Night-Show, was denn der Unterschied zwischen Brandenburg und der Wüste sein würde – die Wüste lebt. Das war schlimm, aber wir haben uns bei der damaligen Bundeslandwirtschaftsministerin Renate Künast erfolgreich für Hilfeleistungen stark gemacht, die der Bund und das Land jeweils zur Hälfte finanziert haben. Kein einziger Betrieb musste aufgeben, darauf bin ich sehr stolz. Ansonsten haben natürlich alle Ernte- und Hoffeste immer sehr viel Spaß gemacht. Auch die vielen Reisen nach Amerika, Kanada, Japan, Israel oder Neuseeland möchte ich nicht missen. Ich habe gerne die Gelegenheit genutzt auch einmal über den Tellerrand zu blicken.

Was haben Sie dort über die Brandenburger Landwirtschaft gelernt, was Sie nicht schon vorher wussten?

Folgart: Mir ist im Ausland vor allem aufgefallen, dass die anderen auch nur mit Wasser kochen. Ich habe gesehen, dass wir in Brandenburg gar nicht so schlecht dastehen. Allerdings sind die Bauern anderswo flexibler in ihrem Denken und Handeln. Bei uns gilt: einmal Milchbauer, immer Milchbauer. In Neuseeland haben die Landwirte, wenn der Milchpreis zu niedrig war, aber dafür zum Beispiel mit Wildtierhaltung Geld zu verdienen war, einfach umgesattelt. Diese Flexibilität wünsche ich mir auch hierzulande häufiger.

Interview: Philip Häfner

Von Philip Häfner

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Havelland
57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg