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Aus dem Gerichtssaal in den Knast

Wegen eines früheren Urteils wurde Nauener verhaftet Aus dem Gerichtssaal in den Knast

Eine überraschende Wendung nahm ein Gerichtsverfahren in Nauen. Dort musste sich ein Mann wegen Körperverletzung verantworten. Weil aber wegen eines früheren Urteils in Berlin noch ein Haftbefehl gegen ihn vorlag, wurde das aktuelle Verfahren eingestellt und der Mann kam direkt ins Gefängnis.

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Verhaftet wurde der 54-Jährige, weil er im Jahre 2009 Schecks und Überweisungen gefälscht hat.

Quelle: dpa

Nauen. Die Überraschung stand am Ende allen Beteiligten im Gesicht geschrieben – dem Richter, dem Staatsanwalt, den Rechtsanwälten, der Nebenklägerin und vor allem dem Angeklagten selbst. Denn Hubert Rensick* wurde von zwei Polizeibeamten in Handschellen abgeführt. An sich nichts Ungewöhnliches im Gerichtsalltag. Das Besondere in diesem Fall: Es hatte gar nichts mit der Sache zu tun, die gerade am Amtsgericht Nauen verhandelt wurde.

Wie sich herausstellte, war bei Rensick noch eine Haftstrafe offen. Die Justiz in Berlin hatte nach ihm gesucht und anscheinend bisher nicht gefunden – obwohl Rensick bei den Behörden kein Unbekannter ist, weil der Nauener im Landkreis Havelland Hartz IV bezieht. Aber im Vorfeld der Nauener Verhandlung erfuhr man am Amtsgericht Tiergarten davon, dass Rensick an dem bewussten Tag dort erscheinen würde und schickte die Beamten vorbei, um eine weitere Akte schließen zu können.

Schecks und Überweisungen gefälscht

Verhaftet wurde der 54-Jährige, weil er im Jahre 2009 Schecks und Überweisungen gefälscht hat. Deshalb hatte man ihn ursprünglich zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten auf Bewährung verurteilt. Doch weil Rensick offenbar einen Anhörungstermin nicht wahrgenommen hat, soll die Bewährung annulliert worden sein, hieß es am Verhandlungstag in Nauen.

Der Betroffene selbst schien davon nichts geahnt zu haben. Vielmehr schien es für ihn in der Verhandlung am Nauener Amtsgericht erst einmal ganz gut zu laufen, obwohl der Vorwurf schwerwiegend war. Er musste sich wegen Körperverletzung verantworten. Der Nauener war angeklagt, seine Lebenspartnerin Johanna Schultz*, mit der er seit Mai 2013 zusammen wohnte, im vergangenen Jahr an zwei Tagen misshandelt zu haben. Als sie am 18. August in die gemeinsame Wohnung kam, soll er stark alkoholisiert gewesen sein. Es kam zum Streit. Dabei griff Rensick nach einem Wetzstahl und rammte diesen seiner Partnerin in den rechten Fuß und anschließend in den Bauch. Als sie hilflos am Boden lag, schlug er auch noch gegen ihr Genick. Weil ein Stück Kunstleder aus dem Hausschuh bei dem Angriff unbemerkt steckengeblieben ist, entzündete sich der Fuß, musste behandelt werden. Ein Arzt holte das Stückchen Leder heraus.

Situation eskalierte erneut

Genau einen Monat später, am 18. September, eskalierte die Situation erneut. Der 54-Jährige war an dem Tag wieder betrunken. Als Johanna Schultz von der Arbeit nach Hause kam, „schaukelte er sich hoch“, wie sie später zu Protokoll gab. Er suchte in ihrer Handtasche nach Geld und soll gesagt haben: „Jetzt fängt’s erst richtig an.“ Er zog an ihren Haaren, drehte ihr den Arm um, drückte den Kopf gegen die Tür, schlug ihn gegen den Türrahmen. In einem Attest ist von Prellungen und Würgemalen die Rede. Kurz darauf erwirkte die Nauenerin eine einstweilige Anordnung, wonach Rensick sich von ihr fernzuhalten habe.

Im Gerichtssaal wollte er sich dazu nicht äußern, obwohl der Richter meinte: „Sollten die Vorwürfe zutreffend sein und Sie räumen sie ein, dann wäre dies ein dicker Pluspunkt für Sie.“ Rensick, der angab, in einer Beziehung zu leben und verlobt zu sein, mochte jedoch nicht.

Kein Drama

Somit erhoffte man sich Klarheit von der Aussage des Opfers, das zudem als Nebenkläger auftrat. Doch wie sich herausstellte, war Johanna Schultz noch mehr, nämlich die Verlobte des Angeklagten. „Wir haben uns am 8. März verlobt, in seiner Wohnung“, tat sie den überraschten Anwesenden als Zeugin kund. „Er hat Ihnen also einen Verlobungsantrag gemacht und Sie haben zugestimmt?“, fragte der Richter nach – was sie bejahte. Somit musste sie keine Aussage machen und tat es auch nicht, was den Staatsanwalt anfangs zu der Bemerkung veranlasste: „Ist kein Drama. Es gibt eine eidesstattliche Versicherung der Zeugin, die sollte als Beweismittel reichen.“ Letztlich stellte er jedoch angesichts der neuen Lage den Antrag, das Verfahren vorläufig einzustellen, obwohl er sich „ungern durch erdichtete Verlöbnisse verscheißern“ ließe. (*Namen geändert)

Von Andreas Kaatz

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