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Aus den Staaten in die ostdeutsche Provinz

Schüleraustausch Aus den Staaten in die ostdeutsche Provinz

Markus Brauer ist 15 Jahre alt. Der junge Mann kommt aus der Nähe von Salt Lake City, USA. Aktuell ist er als Stipendiat für ein Jahr in der brandenburgischen Provinz Zuhause – bei einer Gastfamilie in Seeburg. Vieles an der deutschen Lebensweise gefällt Markus. Aber die Busverbindung vom Dorf nach Falkensee, wo er zur Schule geht, gehört definitiv nicht dazu.

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Markus Brauer mit Gastbruder Julian Jantke.

Quelle: Carina Troxler

Dallgow-Döberitz. Markus Brauer ist Seeburger auf Zeit. Es ist mittlerweile fast ein halbes Jahr her, seit der junge Amerikaner bei seiner Gastfamilie in Seeburg einzog - und bis auf die Busanbindung von Seeburg nach Falkensee gibt es für ihn kaum einen Grund zur Beschwerde. „Ich bin wirklich gerne hier“, sagt der 15-Jährige.

Als Stipendiat des Deutschen Bundestags und des US-Amerikanischen Kongresses bekam der Jugendliche die Chance, für ein Jahr nach Deutschland zu kommen und eine deutsche Schule zu besuchen. Mit Familie Jantke als Gastfamilie hat Markus für sich einen Glücksgriff getan. Es ist bereits das zweite Mal, dass die Familie aus Seeburg einen amerikanischen Austauschschüler aufnimmt. „Wir würden das immer wieder machen“, sagt Martina Jantke. „Es sind für die Schüler und auch für uns tolle Erfahrungen.“

Die Seeburgerin hat Gefallen an interkulturellen Austauschen gefunden. Sie selbst war noch nie in Amerika. „Ein Angehöriger der Familie kommt aus Südamerika. Somit sind unsere Familienfeste sehr interkulturell“, sagt Martina Jantke. Durch die Gastkinder kommen neue Traditionen hinzu. Thanksgiving-Feiern, Pancake-Naschereien und Weihnachten am 25. Dezember sind einige von vielen bleibenden Erinnerungen.

Derzeit besucht Markus die elfte Klasse des Lise-Meitner-Gymnasiums in Falkensee. Die Schule macht ihm Spaß und ganz so anstrengend, wie er es anfangs dachte, ist sie gar nicht. „Manchmal bin ich schon nach zehn Minuten mit den Hausaufgaben fertig. Das bin ich aus Amerika nicht gewohnt“, erzählt er. Markus kommt aus einer Stadt in der Nähe von Salt Lake City, Utah. Die Jugendlichen in Amerika verbringen beinahe den ganzen Tag in der Schule. Normalerweise ist Markus bereits um 5.30 Uhr wach, um zum Frühsport zu gehen und anschließend bis 15 Uhr Unterricht zu haben, bevor die Nachmittags-AGs an der Schule beginnen. Erst am Abend ist er zu Hause. „Hier ist das ganz anders. Hier bin ich manchmal schon um 13 Uhr in Seeburg.“

Schon Markus’ Bruder hatte ein Auslandsjahr in Deutschland absolviert und ihn dazu motiviert, sich für das Parlamentarische Patenschafts-Programm (PPP) zu bewerben. Das PPP ist ein Austauschprogramm für Jugendliche, das einmal jährlich vom Deutschen Bundestag und dem US-Kongress ausgeschrieben wird. Das Vollzeit-Stipendium beinhaltet dabei sämtliche Kosten, die für Reisen und Seminare anfallen. Zudem werden die Programme durch Austauschorganisationen begleitet.

Markus wird von der gemeinnützigen Austauschorganisation Partnership International e.V. unterstützt, die das Beratungsgespräch mit Familie Jantke vor Ort führte und dabei auch sein Zimmer begutachtete. Bei den Gastfamilien leben die Schüler kostenfrei. Es ist ein großes Ehrenamt der Gastfamilien. „Für uns sind Austauschschüler wie Familienmitglieder“, sagt Martina Jantke. An Weihnachten, zu Familienfesten und Ausflügen ist Markus dabei.

Markus integrierte sich schnell. Durch seine Eltern, die gebürtig aus Nordrhein-Westfalen kommen, wurde er mit der deutschen Kultur groß. Die deutsche Sprache lernt er seit er neun Jahre alt ist. Um den sogenannten „Kulturschock“ kam aber auch er nicht ganz herum. „Hier sind alle Menschen viel offener“, stellte er fest. „Wenn jemand etwas nicht mag, sagt er es direkt. Das würden wir in Amerika nicht machen.“ Martina Jantke lacht. „Wenn ich Markus nach seinen Essenswünschen frage, bekomme ich selten eine konkrete Antwort.

Das war bei unserem ersten Gastkind auch so. Es wurde gegessen, was auf den Tisch kam.“ In der Familie wurde schon viel gekocht und ausprobiert. Für die amerikanischen Gastkinder gibt es jedoch vor allem eins, was sie aus Amerika kaum kennen – den Döner. „Der ist echt lecker“, sagt Markus. Viele Kinder aus Deutschland reagieren überrascht, wenn Markus auch vom deutschen Schulessen schwärmt. Bisher hätte ihm immer alles geschmeckt.

Es sind kleine Dinge, wie Essensgewohnheiten, und größere, wie Werte und die Sprache, die geteilt und ausgetauscht werden. Markus wird noch für ein halbes Jahr bei Familie Jantke wohnen, bevor er dann seinen Koffer wieder packen muss – gefüllt mit vielen interkulturellen Erfahrungen. .

Von Carina Troxler

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