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Havelland Ausgrabungen bringen Dorfgeschichte zutage
Lokales Havelland Ausgrabungen bringen Dorfgeschichte zutage
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06:45 05.08.2016
Karl-Heinz Graffenberger (links) erklärt Bauherr Jörg Lindemann die Funde. Quelle: Philip Häfner
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Pausin

Eigentlich war Karl-Heinz Graffenberger bloß gekommen, um sich die Ziegel des ehemaligen Pausiner Schulgebäudes anzuschauen, das derzeit saniert und in ein Wohn- und Geschäftshaus umgewandelt wird. Ziegel sind Graffenbergers Passion, seit vielen Jahren forscht er ehrenamtlich zu diesem Thema. Eher zufällig stieß er auf der Baustelle auf einige historische Glasreste aus dem 18. Jahrhundert. Erst ein Stück, dann drei, dann immer mehr. Sie stammen vermutlich von Flaschen, mit denen der Messwein beim Abendmahl ausgeschenkt wurde, glaubt Graffenberger. Denn die Abfallgrube, in der er die Flaschenreste entdeckte, gehörte wohl einst zum alten Pfarrhaus des Dorfes.

Auch nach 300 Jahren unter der Erde sind die Funde noch in gutem Zustand. Lediglich die Oberfläche ist an einigen Stellen oxidiert: „Das Glas ist dort sozusagen gerostet“, erklärt Karl-Heinz Graffenberger. Das Material stammt aus der Zeit zwischen 1750 und 1800. Graffenberger weiß das so genau, weil in der Grube auch über 35 Glasmarken gefunden wurden, die zum Teil Jahreszahlen tragen – die älteste ist von 1766. „Glasmarken sind Verdickungen auf der Schulter der Flasche, die einen Stempelabdruck haben“, erklärt er. Auf Anordnung des Königs mussten diese ab 1733 an den Flaschen der preußischen Glashütten angebracht werden.

Die Zahl der jetzt in Pausin gefundenen Marken sei „exorbitant hoch“, sagt ihr Entdecker und verweist auf einen ähnlichen Fund in Teschendorf im Landkreis Oberhavel vor einigen Jahren. „Dort war man über zwei Glasmarken schon stolz“, sagt Graffenberger. „Wir haben 37.“ Die Marken stammen unter anderem aus brandenburgischen Glashütten in der Uckermark, im Barnim und in Ostprignitz-Ruppin – aus Annenwalde, Basdorf und Zechlin. Um sie besser zuordnen zu können, kontaktierte Karl-Heinz Graffenberger das Kreismuseum in Eberswalde (Barnim). Dort gibt es Experten, die sich intensiv damit befassen.

Fundamente aus dem frühen 17. Jahrhundert

Das Glas aus der Zeit Friedrichs des Großen ist der bemerkenswerteste Fund auf der Baustelle, aber längst nicht der einzige. Direkt neben dem neuen Schulgebäude, das bis 1965 als solches genutzt wurde und derzeit saniert wird, befand sich früher ein Vorgängerbau, dessen Fundamentreste nun ebenfalls entdeckt wurden. Laut Schulchronik wurde es 1826 errichtet. Bis 1908 wurde dort unterrichtet, dann zog die Schule in das neue Gebäude um, dessen Bau den Unterricht offenbar doch stark beeinträchtigt hatte, wie der damalige Lehrer Fritz Schmall in der Schulchronik festhielt: „Tag für Tag Bauhandwerker vor den Fenstern, deren Glossen oft genug den Unterricht störten. Außerdem störte auch schon das fortwährende Geräusch.“

Doch damit nicht genug: Wie bei einer Matroschka-Puppe kamen auch in Pausin immer neue Schichten zum Vorschein, je tiefer gegraben wurde. Das alte Schulgebäude war nämlich an der Stelle des früheren Pfarrhauses aus dem 17. Jahrhundert gebaut worden – das zeigen entsprechende Funde eines Feldsteinfundaments mit Resten eines Lehmfußbodens. Auf diesen waren mittelalterliche Dachziegel aufgelegt, um den Boden zu stabilisieren – sie stammen wahrscheinlich aus der abgebrannten alten Dorfkirche und wurden nachträglich ausgelegt, vermutet Karl-Heinz Graffenberger.

„Ich finde das alles sehr spannend. Das ist ein Stück Dorfgeschichte“, sagt Bauherr Jörg Lindemann. Er hat sich von Graffenbergers Begeisterung anstecken lassen und gerade erst zwei weitere Glasmarken ausgegraben. Lindemann meint: „Wenn man erst einmal anfängt, dann ist man ganz schnell in Goldgräberstimmung.“

Von Philip Häfner

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