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Havelland Außenminister besucht syrische Flüchtlingsfamilien
Lokales Havelland Außenminister besucht syrische Flüchtlingsfamilien
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00:44 19.07.2015
Zeit für das Foto, bevor die Sonne untergeht Quelle: Foto: dpa
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Milow/Brandenburg an der Havel

Homs liegt in Schutt und Asche. Zahlreiche Erdöl- und Erdgasfelder in der Region machen die syrische Stadt so bedeutsam. Vieles spricht dafür, dass Homs nun auch noch das Ziel der Terroristen des Islamischen Staates (IS) wird.

Der Kunsthof der deutschen Familie Göschel liegt in Galm im Milower Land inmitten einer Postkarten-Idylle. Kein Stein, kein Kunstwerk des Hausherrn, kein Rosenblatt liegt oder steht nicht an der ihm zugedachten Stelle.

Außenminister zu Gast

Amira Abdulhadi (23) und Hafiz Shaheen (32) stammen aus Homs. Für sie und ihren im Mai 2014 geborenen Sohn muss es ein bisschen wie im Märchen sein. Zusammen mit einer weiteren Familie aus Holms, der Mutter Alaa al Drobi, deren Mann Azzam al Naggar und den Kindern Loay (12), Nagwa (10) und Joudi (5), stehen sie zusammen sie auf dem alten Bauernhof, eingehüllt in eine Wolke aus Wohlwollen und ehrlicher Anteilnahme. Da sind Annette und Gerhard Göschel, der Bürgermeister und der Feuerwehrhauptmann, der Pastor und Sawsan Chebli. Die 35-Jährige ist Vize-Sprecherin des Auswärtigen Amtes.

Gemeinsam warten alle auf Frank-Walter Steinmeier (SPD). Einmal mehr besucht der Außenminister in seinem Wahlkreis den Kunsthof. An diesem Abend, um mit den Syrern und den Deutschen die Fastenzeit zu beenden.

Im Fastenmonat Ramadan nehmen erwachsene Muslime von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang weder Essen noch Trinken zu sich. Das Fastenbrechen (Iftar) wird traditionell im Familienkreis oder mit Gästen begangen und ist ein großes Fest.

Fastenbrechen zum Ramadan-Ende

Nach endlosen, letztlich erfolgreichen Verhandlungen ist Steinmeier erst Dienstag aus Wien zurückgekehrt, dann sofort zu seiner Wahlkreistour in der Region in Brandenburg gestartet. Am Dienstagabend Ist er bei seinem Kulturverein in Brandenburg zu Gast. Mittwoch ist er in aller Hergottsfrühe aufgebrochen, um ein halbes Dutzend Stationen im Wahlkreis zu besuchen. Nun ist es Mittwoch, fast 21 Uhr und Steinmeier betritt den Hof so gut gelaunt, als wäre er in der Sommerfrische unterwegs.

Was zu diesem Zeitpunkt nur wenige Wissen, in zwei Stunden schon wird er wieder Richtung Havanna unterwegs sein, um in Kuba deutsche Interessen zu vertreten und Pflöcke einzuschlagen, bevor, vom diplomatischen Tauwetter angelockt, die Diplomaten der US-Amerikaner kommen.

Galm ist nicht Wien. Doch auch dieses Terrain ist trotz aller Idylle vermint. Während die Familie al Naggar vor eineinhalb Jahren nach ihrer Flucht aus Syrien durch ein Aufnahmeprogramm der Bundesregierung sicher nach Deutschland gekommen ist, sind Amira Abdulhadi und Hafiz Shaheen 2013 über Land aus Syrien geflohen und mit dem Bus und zu Fuß über Bulgarien und Rumänien in die Europäische Union geflohen. In Rumänien aufgegriffen, sind sie über Schweden weiter nach Berlin gezogen. Ihnen droht die Abschiebung zurück nach Rumänien. „Das sei unvorstellbar“, sagt Annette Göschel, die die jungen Syrer seit längerer Zeit, betreut, unterstützt und integriert. Das sei „wie eine, wie unsere Familie“, sagt Annette Göschel nachdrücklich und erinnert mit Blick auf Steinmeier an Flucht und Vertreibung der Deutschen im II. Weltkrieg. Der Außenminister weiß, dass er im Einzelfall nicht helfen kann, nicht darf. Aber er macht Mut.

Festgesellschaft versammelt sich

Mit dem gemeinsamen Fastenbrechen wolle er das Schicksal von syrischen Flüchtlingen in den Mittelpunkt der breiten Aufmerksamkeit rücken, sagt er. Galm und die Region Brandenburg und Rathenow seien ein gutes Beispiel um zu zeigen, dass Deutschland Verantwortung übernehme und dass viele Deutsche vor Ort Hilfe leisten, um Flüchtlingen das Ankommen und Leben zu erleichtern.

Als die Sonne endlich untergeht an diesem langen Sommertag, hat sich die Festgesellschaft im Dach der Kunstscheune versammelt. Ein riesiger Tisch ist fein gedeckt und übervoll mit arabischen Gerichten. Die Syrierinnen haben mit Hilfe von Annette Göschel und anderen fleißigen Händen ein grandioses Büfett gezaubert. Als die Handy-App nun zeigt, dass die Sonne wirklich untergegangen ist, fließt erst einmal das Wasser in Strömen. Dann wird gegessen und diskutiert. Steinmeier weiß von seinen Reisen in den Libanon, wie schwer dort die Lage in den riesigen Flüchtlingslagern ist und er weiß, wie gefährlich der Krieg in Syrien noch immer ist. Er hofft, wie er sagt, dass die Einigung mit dem Iran hilft, die Krisen im Mittleren Osten entschärfen zu können.

Gebannt hören ihm die Syrer zu. Shaheen hat in Syrien BWL studiert, seine Frau Abdulhadi hatte ein Kunststudium begonnen. Heute wohnt die kleine Familie im Container-Wohnheim „Grüner Weg“ in Premnitz. Wenn sie nicht abgeschoben werden, will die Familie in eine kleine Wohnung in Zollchow umziehen, wo gerade fünf Wohnungen für Flüchtlinge renoviert. Die kleine Gemeinde hat noch keine Flüchtlinge aufgenommen, freut sich aber, wie der Bürgermeister Wolfgang Gräfe und Anette Göschel beteuern.

Steinmeier nimmt sich zwei Stunden Zeit

Deutschland allein wird die Not nicht lindern können, räumt Steinmeier ein. In den fünf Jahren des Syrienkonflikts sind bisher über vier Millionen Menschen von dort geflohen, die meisten in den Libanon, Türkei und Jordanien.

278.000 Menschen aus Syrien sind als Asylsuchende nach Europa gekommen. Und kein Land in Europa hat mit 126.000 Menschen mehr Flüchtlinge aufgenommen als Deutschland.

Fast zwei Stunden nimmt sich Steinmeier Zeit und hört zu. Dem Drängen der Gastgeber, doch weiter zu essen, hat er ebenso freundlich wie bestimmt eine Absage erteilt: Er wolle ja nicht so dick werden wie sein syrischer Kollege. Es ist Scherz und bewirkt doch ein befreiendes Lachen am Tisch.

Wenige Augenblicke später, nach einem herzlichen Abschied, ist Steinmeier in die dunkle Nacht hinaus verschwunden.

Wenig später lässt man den Abend im Hof noch Revue passieren. Mit dabei ist noch Sawsan Chebli. Die sonst so beherrschte, eher kühl wirkende Frau ist sichtlich aufgewühlt. Die Politikwissenschaftlerin ist zwar in Deutschland geboren, war aber als Tochter, nach Deutschland geflohener palästinensicher Eltern bis zu ihrem 15. Lebensjahr staatenlos und nur geduldet. Erst 1993 erhielt sie die deutsche Staatsbürgerschaft. „Der Abend hat mich sehr an meine Vergangenheit erinnert“, sagt sie, als sie Annette Göschel zum Abschied umarmt. Das Thema wird Frank-Walter Steinmeier so oder so weiter begleiten.

Von Benno Rougk

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