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Stadt trifft Katze

Schönwalder Fotograf in Werder Stadt trifft Katze

Einst war er für seine Schnelligkeit beim Fotografieren bekannt: der Sportfotograf Ingo Kuzia. Heute arbeitet der Mann aus Schönwalde/Glien stundenlang an seinen Motiven und schafft Kunstwerke.

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Ingo Kuzia zeigt in Werder/Havel erstmals seine Motive der Serie „Katzenfutter“.

Quelle: Foto:_ marlies Schnaibel

Schönwalde/Glien. Die Katze von Ingo Kuzia lieferte die Motive direkt vor die Haustür. Immer wieder. Bis der Fotograf anbiss. Er hatte in den toten Vögeln, Fröschen, Mäusen, Eichhörnchen nicht mehr nur Kadaver gesehen, die der Familienvater zu entsorgen hatte, er hatte das Fotomotiv in ihnen erkannt. Der Weg von der Terrasse zum Atelier war dann kurz. Hier kamen die zerbissenen, zerfledderten, zersetzten Tiere in eine klinisch reine Umgebung. Die Arbeitsplatte wurde zum fotografischen Seziertisch. Ingo Kuzia suchte und fand die Schönheit im Vergehen.

Unter dem witzig-hintergründigen Titel „Katzenfutter“ war die Serie entstanden, zu sehen ist sie nun neben Aufnahmen der Serie „Stadtlandschaften“ in Werder/Havel. Im kunst-ambionierten Hotel am Markt hängen die Aufnahmen in den Räumen des Restaurants. Von manchmal „gruselig“ bis häufig „faszinierend“ reichten die Kommentare der Besucher.

Mit den beiden Serien zeigt der Fotograf auch etwas von seiner geografischen Biografie. Der gebürtige (West-)Berliner war nach der Wende ins havelländische Schönwalde gezogen. Die beiden Serien spiegeln seine städtische und seine ländliche Seite trefflich wider, meint er. Von Schönwalde aus hat sich sein Blick auf die Metropole geändert, er hat seine Stadt Berlin neu gesehen. Mit völlig neuer fotografischer Herangehensweise blickte er auf die sich verändernde Stadt. Die in Werder gezeigte Serie „Stadtlandschaften“ war entstanden, als er gemeinsam mit dem japanischen Maler Akira Nakao arbeitete. Kuzia fotografierte aus dem fahrenden Auto, vor allem die Plattenbauten in Marzahn, Märkischem Viertel oder Hellersdorf wurden so zu einem fließende, rauschenden Gebilde. Auflösende Formen auch, wenn Kuzia das Regierungsviertel ablichtet. Die Betonburg des Kanzleramtes erhält eine schwebende Leichtigkeit und scheint zu verdampfen. Alles ist im Fluss.

Viele Aufnahmen waren möglich, bis Ingo Kuzia mit dem Ergebnis zufrieden war. Auch die Katzenfutter-Motive sind das Resultat stundenlanger Arbeit, ehe das Motiv vor dem Urteil des Fotografen Bestand hatte. Pietätlos findet er das Fotografieren der Tierleichen und die Suche nach der Ästhetik des Todes nicht. „Es ist auch etwas wie ein Loblied auf die Schöpfung“, sagt er, „ich nehme mir die Freiheit, das so zu interpretieren.“ Sein toter Buntspecht gibt ihm Recht.

Ob die Langzeitfotografien in der Stadt oder das stundenlange Erarbeiten des Motivs im Atelier – mit diesen Arbeiten unterscheidet sich Ingo Kuzia wesentlich von dem, was er früher gemacht hat. Als Pressefotograf hat 25 Jahre Sport und Politik fotografiert, da sass ihm die Zeit im Nacken, da kam es auf den Augenblick an. Jetzt sucht Kuzia im Bild die Formen und Strukturen der Räume, sei es in der Architektur oder in der Botanik. In Werders Hotel am Markt treffen dabei erstmals seine „Stadt“ und „Katze“ aufeinander.

Von Marlies Schnaibel

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