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Havelland Vom Reiz der Reduktion
Lokales Havelland Vom Reiz der Reduktion
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00:17 01.02.2016
Gruppenbild mit Musiker: Susanne Wehr, Nane Friedel, Anna Arnskötter, Ulrike Hogrebe und Bardo Henning. Quelle: Markus Kniebeler
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Rathenow

Ein Kahn auf dem Wasser, darauf ein Hund, der in die Weite, blickt – sonst nichts. Doch im Kopf des Betrachters beginnt es zu arbeiten. Die Phantasie füllt die Leerstellen, welche dem Bild der Malerin Ulrike Hogrebe eine rätselhafte Tiefe geben. Oder wie Bernhard Robben es am Donnerstagabend formuliert hat: „Durch die Reduktion auf das Wesentliche wird der Blick geschärft, die Konstruktion der Wirklichkeit bewusst gemacht.“

Robben, der Liebhabern englischer Literatur als Übersetzer bekannt sein dürfte, hatte mit einem klugen Vortrag die Ausstellung „4 aus 35“ im Rathenower Kulturzentrum eröffnet. Gezeigt werden Arbeiten der Künstlerinnen Anna Arnskötter, Susanne Wehr, Ulrike Hogrebe und Nane Friedel. Diese vier Frauen waren Teil jener 35-köpfigen Künstlergruppe, die im vergangenen Sommer den Ort Neuwerder im Rahmen der Ausstellung „Land(schafft)Kunst“ in eine riesige Galerie verwandelten.

Vorne eine Skulptur Anna Arnskötters, dahinter Gemälde Ulrike Hogrebes. Quelle: Markus Kniebeler

Die Reduktion auf das Wesentliche ist ein Merkmal, das die Arbeiten aller vier Künstlerinnen kennzeichnet. Anna Arnskötters Skulpturen aus Beton oder Keramik etwa zeichnen sich durch eine ganz klare Formsprache aus. Doch gerade diese Einfachheit setzt die Phantasie in Gang. Handelt es sich um Behausungen? Um Scheunen, Kerker, Paläste gar? „Die von Schlitzen und Öffnungen durchbrochenen Fassaden suggerieren Offenheit und schützen zugleich das Innere, gewähren uns einen Blick und sperren sich ihm zugleich, wecken die Phantasie“ – so hatte Bernhard Robben es formuliert.

Fotografie Nane Friedels Quelle: Markus Kniebeler

Bei den Aufnahmen Nane Friedels und Susanne Wehrs – die eine fotografiert havelländische Hochsitze, die andere hiesige Wälder – handelt es sich im weitesten Sinne um Landschaftsaufnahmen. Aber auch diese gewinnen durch Konzentration und Reduktion an Tiefe. Vertrautes nimmt der Betrachter plötzlich ganz anders wahr, weil die künstlerische Inszenierung es schafft, Dinge in den Fokus zurücken, die im alltäglichen Getriebe als Randerscheinungn wahrgenommen werden. So kommt es, dass einem Holzstand für Jäger plötzlich eine Landmarke, ein Orientierungspunkt, ein geheimnisvoller Ort wird.

Die Besucher am Donnerstagabend ließen sich hineinziehen in die rätselhaften Welten, welche die vier Frauen geschaffen haben. Und sie wurden auf höchst unterhaltsame Art wieder aus ihnen herausgezogen: Bardo Henning, begnadeter Akkordeonspieler aus Berlin, setzte mit seiner vitalen, treibenden Musik einen spannenden Kontrapunkt zu den künstlerischen Welten, in denen man sich verlieren konnte.

Von Markus Kniebeler

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