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Ausstellung über Ilse Scheer

Senzke Ausstellung über Ilse Scheer

Der Senzker Horst Weikert erinnert in einer Ausstellung an die Wiener Schauspielerin, Regisseurin und Sängerin Ilse Scheer. Als Brecht-Interpretin war sie weltweit gefragt. Geliebt wurde sie für ihre Küchenlieder.

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Horst Weikert in der Ausstellung, die Sonnabend um 15 Uhr eröffnet wird.

Quelle: Marlies Schnaibel

Senzke. Ilse mit Ziege, Ilse mit Mandoline, Ilse mit Kopftuch, Ilse mit Pelz, Ilse mit Buch – Bilder eines Lebens, dem Horst Weikert aus Senzke nachgespürt hat. Es geht um die österreichische Schauspielerin Ilse Scheer, die vor allem als Brecht-Interpretin bekannt wurde. Was sie mit dem Havelland verbindet, ist Horst Weikert selbst. Die Schauspielerin und der Hobbyhistoriker sind Geschwister, auch wenn sie in verschiedenen Ländern gelebt haben. In einer Ausstellung in Senzke wird nun an sie erinnert.

Ilse Scheer auf der Bühne

Ilse Scheer auf der Bühne

Quelle: Archiv

In seiner eigenen Heimatstube „Zum alten Senzker“ hat Horst Weikert alles Mögliche zur regionalen Geschichte zusammengetragen. Er ist kein Fachmann, von Beruf ist er Maler, aber schon als Kind begann er, Historisches zu sammeln. Lange hatte er in seinem kleinen Museum Material über die Familie von Bredow ausgestellt, nun zeigt er ab Sonnabend Fotos, Briefe, Plakate, Schallplatten, Kleidungsstücke,Musikinstrumente und manches mehr aus dem Leben von Ilse Scheer, die 2007 nach schwerer Krankheit verstorben war.

Das Leben von Ilse Scheer hatte 1936 in Feldsberg in Mähren begonnen. Kurze Zeit später zog die Mutter ins havelländische Haage, hier wurde 1939 Horst Weikert geboren. Ilse blieb in Mähren und kam nach Kriegsende mit der Großmutter nach Wien. Hier wuchs sie auf. „Sie hat so richtig wienerisch gesprochen“, erinnert sich der Havelländer Bruder an seine große Schwester.

Die war damals in Österreich geblieben, der andere Teil der Familie blieb im Havelland. Ein Brief, den „Bruder Horst“ 1947 an seine ferne Schwester geschrieben hat, ist erhalten. „Du kannst mir auch einen Brief schreiben“, wünscht er sich, er gehe ja schon in die dritte Klasse und schreibt, dass er Klavierspielen lernt, dass die Familie ein Haus baut, „dann kriegen wir jeder eine Stube, auch für dich, wenn du kommst“. Er schreibt vom Blumengarten und vom Hund Minka, der die Hosen kaputt beißt. Der Brief ist anrührend und einer der persönlichsten Momente der Ausstellung. Denn Ilse Scheer hat um ihr Privatleben nicht viel Gewese gemacht, sie hat fast nur für die Bühne gelebt.

Die Ausbildung hatte sie bei Mela Wigandt und der Wiener Burgschauspielerin Dorothea Neff erhalten, Ilse Scheer war Mitbegründerin der legendären Wiener „Komödianten“, hatte diese mit Programmen wie „Bettler, Bauern und Balladen“ oder „Kaiser- und Küchenlieder“ entscheidend geprägt. 1970 ging sie nach Berlin, gründete mit Otto Zonschitz die „Theatermanufaktur“. Stücke wie „Der Gesang vom lusitanischen Popanz“ von Peter Weiss, „1848“ von Otto Zonschitz oder „Johann Faustus“ von Hanns Eisler führte das Ensemble durch ganz Europa. Sie nahm mehrere Schallplatten, vor allem mit Brecht-Vertonungen auf. Ilse Scheer inszenierte auch am Württembergischen Staatstheater Stuttgart, bei den Ruhrfestspielen und dem LTT Tübingen. Sie sang Lieder zu Texten von Brecht und Neruda auch in Chile und Kuba.

Politisch mischte sie sich ein, unterstützte mit Programmen den „antiimperialistischen Kampf der der Völker Iraks, Irans und der Türkei“, das Programm ist von 1980. „Aufgegeben hat sie nie“, blickt Horst Weikert zurück. Selbst hatte sie nach der Wende gesagt: „Der Kampf um eine bessere Welt geht weiter. Er nimmt nur andere Formen an.“

Nach Senzke ist sie gern gekommen. „Hier hat sie sich ausgeruht, hier kam sie raus zum Verschnaufen und konnte entspannen“, erinnert sich Horst Weikert. Und nicht nur das. In den Neunzigerjahren ist sie auch im Havelland aufgetreten. Moritaten und Brettl-Lieder waren ihr Markenzeichen, davon konnten sich die Besucher in Senzke und in Haage überzeugen.

Von Marlies Schnaibel

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