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Ausstellung über frühen Terror

Falkensee Ausstellung über frühen Terror

Der Terror in der Provinz Brandenburg begann früh im Jahr 1933. Eine Ausstellung im Museum Falkensee erinnert jetzt an die ersten Lager, darunter in Börnicke im Havelland.

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Gabriele Helbig bei der Eröffnung der Ausstellung.

Quelle: Hans-Peter Theurich

Falkensee. Über das traurige Kapitel der Konzentrationslager des Dritten Reiches sei das meiste gesagt, könnte man annehmen. Doch die Berliner Kuratorin Iris Hax füllt mit einer Wanderausstellung einen großen weißen Fleck: Am Freitag eröffnete die Schau „Terror in der Provinz Brandenburg. Frühe Konzentrationslager 1933/34“ im Museum Falkensee.

Auf Stellwänden mit lebensgroßen Fotos und vielen Dokumenten wird die grauenvolle Geschichte erzählt. Diese frühen Konzentrationslager hatten die Nationalsozialisten schon vor der Reichstagswahl 1933 geplant. Die Lager wurden in bestehenden Bauten eingerichtet, etwa in einem Zementwerk in Börnicke bei Nauen oder einer Brauerei in der Berliner Straße in Oranienburg. Die Gebäude lagen in den Ortschaften, so dass jeder sie kannte. Was dort geschah, blieb der Bevölkerung nicht verborgen: „Es gab Beschwerden. Eine Frau beklagte sich über die fürchterlichen Schreie der Gefolterten. Sie meinte, sowas könne nicht im Sinne des Führers sein“, sagte Iris Hax.

Die frühen KZ gehören in die sogenannte Phase der Machtergreifung, die mit der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler im Januar 1933 begann. Weitere Station der Konsolidierung der Diktatur waren der Boykott jüdischer Geschäfte im April und die öffentliche Bücherverbrennung im Mai 1933. Der Röhm-Putsch im Sommer 1934 markierte das Ende der Anfangsphase.

Mit der „Verordnung zum Schutz von Volk und Staat“ nach dem Reichstagsbrand trachteten die Nationalsozialisten ihren politischen Gegnern nach dem Leben. Wer nicht rechtzeitig das Land verließ, landete in einem der frühen KZ. Dazu gehörte auch der Meissnershof. Die SA-Standarte 224 in Nauen betrieb das Lager in einem ehemaligen Naturfreundehaus zwischen Hennigsdorf und Velten.

Vor allem Kommunisten aus dem Havelland wurden im Keller gefangen gehalten. Es gab grauenvolle Misshandlungen und noch Schlimmeres. Ernst Walter aus Rohrbeck wurde wegen Waffenbesitzes festgenommen und im Meissnershof ermordet. Einen Prozess gab es nie. Das Lager wurde im Juni 1933 geschlossen und die Gefangenen wurden nach Oranienburg gebracht.

In ihrer Eröffnungsrede wies die Leiterin des Museums, Gabriele Helbig, auf Bezüge zwischen den Folterstätten und Falkensee hin. Der Kinderarzt und KPD-Abgeordnete Georg Benjamin war ein Cousin der Dichterin Gertrud Kolmar aus Finkenkrug. Sie schrieb in ihrem Lyrik-Zyklus über ihn, der im KZ Sonnenburg gefangenen gehalten wurde. „Sie irren im Lager um mit kranken, entsetzten Blicken/ Und leben wahrscheinlich noch. Das können sie nicht begreifen.“ Diese Zeilen stehen als Motto über einem der Räume des Museums.

Es gibt eine weitere Verbindung zwischen Falkensee und den frühen KZs: Der Regionalhistoriker Fritze Müller war Insasse des Lagers Börnicke bei Nauen. Über den Aufenthalt dort schwieg er, nur sein tabellarischer Lebenslauf gibt darüber Auskunft. 1946 begründete Fritze Müller das Falkenseer Museum.

Von Judith Meisner

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