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Havelland Auszeichnung für Rathenower Mineralogen
Lokales Havelland Auszeichnung für Rathenower Mineralogen
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16:24 12.10.2016
Martin Kutzschbach vor dem Hintergrund einer vergrößerten Rastermikroskopaufnahme einer Probe seiner Turmaline. Quelle: Privat
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Rathenow

Die Deutsche Mineralogische Gesellschaft hat auf ihrer Jahrestagung im italienischen Rimini Martin Kutzschbach (29 Jahre) mit dem Paul-Ramdohr-Preis ausgezeichnet. Er stammt aus Kleinbuckow wenige Kilometer westlich von Rathenow, ging in die Grundschule West und hat 2006 auf dem Jahngymnasium sein Abitur gemacht. Jetzt hat er eine Auszeichnung erhalten, um die ihn Mineralogen heftig beneiden.

Einmal in jedem Jahr vergibt die Mineralogische Gesellschaft den Paul-Ramdohr-Preis. Er wird jungen Forschern verliehen für die wissenschaftliche Bearbeitung eines Themas. Im Fall von Martin Kutzschbach lautete es: „Der Einfluss von tetraedischem B auf die B-Isotopen-Fraktionierung zwischen olenitischem Turmalin und Fluid“. Mit B ist das Element Bor gemeint. Was er herausgefunden hat? Gebeten um eine allgemeinverständliche Formulierung, beschreibt es Martin Kutzschbach so: Wenn sich leichtes Bor an einer bestimmten Position im Kristallgitter des Turmalins befindet, nimmt das Turmalin viel mehr Bor auf, als bislang gedacht. Das sei Grundlagenforschung, sagt der frischgebackene Preisträger, aber eine, die Praxisbezug habe.

Erkenntnisse über das Entstehen von Gebirgen

„Die von ihm erhobenen Daten haben zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten“, schreiben seine Fachkollegen: „So dient die Bor-Isotopie von Turmalin beispielsweise als Geothermometer, geochemischer Indikator von Massetransporten oder zum besseren Verständnis der Genese von Erzlagerstätten.“ Die allgemein meist als Schmucksteine bekannten Turmaline, erklärt Martin Kutzschbach, können in der Natur sehr viele Elemente aufnehmen. Ihre Untersuchung ermögliche es Geologen, besser zu verstehen, wie einst Gebirge entstanden sind und wie sich Erzlagerstätten entwickelt haben.

Gegenwärtig ist Martin Kutzschbach Doktorand im Deutschen Geoforschungszentrum Potsdam (GZP). Er arbeitet im Labor und züchtet dort Turmaline, um ihre Entstehung in Abhängigkeit von Druck, Temperatur und Bor-Konzentration zu untersuchen. Die Temperatur liegt bei hohen 700 Grad Celsius und der Druck bei beträchtlichen 40 Kilobar, was einer praktisch nicht erreichbaren Erdtiefe von 140 Kilometern entspricht. Seine Turmaline sind Miniaturen. Sie werden nur etwa einen Zehntelmillimeter lang und einen Hundertstelmillimeter „dick“. Man schaut sie an mit einem Mikroskop. Eine Probe erreicht ein Gewicht von nur rund zwölf Milligramm.

Paul Ramdohr

Paul Ramdohr (1890 bis 1985) war ein deutscher Mineraloge, Lagerstättenforscher und Pionier der Erz-Mikroskopie.

Seine Kollegen gaben ihm den Spitznamen „Trüffelschwein“, weil er das große Talent hatte, auf Halden und in Gruben seltene und schöne Mineralien zu finden.

Die Nasa in den USA schickte ihm nach der ersten Mondlandung 1969 als einzigem deutschen Mineralogen eine Probe Mondgestein zur Untersuchung.

Martin Kutzschbach hat zunächst Geowissenschaft in Kiel studiert und dort seinen Bachelor gemacht. Dann arbeitete er zwei Jahre an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich. Als dann das GZP das oben genannte Forschungsthema ausschrieb, hat es ihn gepackt. Er bewarb sich, wurde angenommen und will zu Beginn des nächsten Jahres seine fertige Doktorarbeit einreichen. Der Paul-Ramdohr-Preis sei für ihn eine „ganz große Anerkennung“, teilt Martin Kutzschbach mit: „Das zeigt mir, dass meine Arbeit von großem Interesse für die mineralogische Gemeinschaft ist, ein kleiner Ritterschlag.“

Dabei hat er am Jahngymnasium damals sein Abi „nur“ mit dem Durchschnitt 1,7 gemacht. Als Leistungskurse hatte er Mathe und Englisch belegt. Die für ihn heute so wichtigen Fächer Chemie und Physik wickelte er als Grundkurse ab. Doch er betont: „Ich habe schon in der 8. Klasse gewusst, dass ich mal was mit Mineralien machen will.“ Als nächstes Ziel hat er eine Uni in St. Petersburg, Toulouse oder Tallahassee ins Auge gefasst. Das sei das beste Sprungbrett für eine Professur in Deutschland.

Von Bernd Geske

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