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Autobahnkirche Zeestow wird gut angenommen

Zwei Jahre nach Eröffnung Autobahnkirche Zeestow wird gut angenommen

Vor zwei Jahren wurde die Autobahnkirche in Zeestow eröffnet. Inzwischen kehren pro Woche 70 Besucher ein, um die Apostel-Bilder zu bestaunen oder nach einer Autofahrt mal durchzuschnaufen. „Wir freuen uns, dass die Kirche so gut angenommen wird“, sagt Bernhard Schmidt vom Kirchenkreis Falkensee. Schon bald soll das Gelände für Gäste noch attraktiver werden.

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Mittlerweile ist die Zeestower Kirche wieder ein echter Hingucker. Rund um das Gotteshaus soll bald auch der ehemalige Friedhof neu gestaltet werden und unter anderem ein Rundweg entstehen.

Quelle: Tanja M. Marotzke

Zeestow. Bernhard Schmidt wollte die Kirche im Dorf lassen. Als der Vorsitzende der Kollegialen Leitung des Kirchenkreises Falkensee 2008 sein Amt antrat, da waren die meisten Kirchen der Region bereits renoviert worden. Nur das Zeestower Gotteshaus war eine Ruine. Das Dach war löchrig, der Regen tropfte durch die Decke. „Es war ein Trauerspiel“, erinnert sich Schmidt. Ohne den rettenden Einfall, aus der Zeestower Kirche eine Autobahnkirche zu machen, wäre das Gebäude nicht zu retten gewesen und vermutlich irgendwann eingestürzt.

„Wir hatten Glück“, sagt Bernhard Schmidt, „dass Zeestow so nah an der Autobahn liegt und es am Berliner Ring bis dahin noch keine Autobahnkirche gab.“ Nur so waren Fördermittel möglich, die es für eine Sanierung sonst nicht gegeben hätte.

1,2 Millionen Euro kostete das Vorhaben, etwa die Hälfte davon stammt aus Mitteln der Europäischen Union, des Landes Brandenburg und der Landeskirche. Insbesondere die frühere Bundestagsabgeordnete Angelika Krüger-Leißner (SPD) hatte sich stets sehr um die Kirche in Zeestow bemüht. „Ich bin froh, dass wir den Mut hatten und die nötige Unterstützung, das Projekt umzusetzen“, sagt Pfarrer Schmidt. „Mit dem Ergebnis bin ich rundum zufrieden.“

Im Juni 2014 wurde die Autobahnkirche eröffnet, seitdem kommen jeden Tag etwa zehn Besucher. „Wir merken das vor allem am Kerzenverbrauch“, sagt Schmidt. Zehn Leute pro Tag, das seien 70 in der Woche, rechnet er vor, und damit deutlich mehr als bei anderen Kirchen im Havelland. „Wir freuen uns, dass die Kirche so gut angenommen wird“, sagt der Leiter des Kirchenkreises. Einmal sei Brieselangs Bürgermeister Wilhelm Garn (CDU) sogar über den Zaun geklettert, um einigen Gästen die Kirche zu zeigen, berichtet Schmidt.

Auch die Apostelandachten, die einmal im Monat stattfinden, das nächste Mal am 5. Juni, sind stets gut besucht. Die Zeestower Kirche war auf der Bundesgartenschau präsent und auf dem Kirchentag, fast alle großen Tageszeitungen haben bereits berichtet. „Sogar der Boulevard“, wie Bernard Schmidt anmerkt.

Davon allein kommt zwar das Geld für die Sanierung nicht wieder rein, doch darum gehe es auch gar nicht, sagt er: „Wir messen das nicht wirtschaftlich, das erwarten die Leute auch von uns. Es ist ein Dienst der Kirche an der Gesellschaft, dass wir solche spirituellen Orte der Besinnung offenhalten, ohne jegliche kommerzielle Interessen.“

Die Kirche ist täglich ab 8 Uhr geöffnet. Unter den Besuchern sind Biker und Berufspendler, Lkw-Fahrer und Familien. Viele von ihnen tragen sich ins Gästebuch ein, so wie Roland und Annemarie aus Göttingen, die vor einigen Wochen über ihren Aufenthalt schrieben: „Pause machen, sich die Beine vertreten, durchatmen, staunen, den Berufenen begegnen. Stille im Raum. Dankbar und gestärkt weiterziehen.“ Bernhard Schmidt freut sich über solche Einträge. „Wir merken, dass es einen Bedarf gibt an offenen Kirchen und an Orten, an denen die Menschen zur Ruhe kommen können.“ Natürlich könnten sie ihre Pause auch an einer normalen Autobahnraststätte verbringen, „aber da herrscht dann ja doch eine andere Atmosphäre als in einer Kirche“, sagt Schmidt.

Viele Besucher kommen auch wegen der Apostelbilder von Künstler Volker Stelzmann. Er malte die zwölf Apostel als Stadtstreicher und Obdachlose – ein ebenso moderner wie umstrittener Ansatz. In den Kirchengremien war vor der Eröffnung der Autobahnkirche lange und kontrovers darüber diskutiert worden, die Entscheidung über den Kauf der Bilder fiel äußerst knapp. „Inzwischen sind die kritischen Stimmen aber verstimmt“, sagt Bernhard Schmidt, der die Kirche für einen „kongenialen Ort“ für eine solche Ausstellung hält. Über einen QR-Code, der mit dem Smartphone abfotografiert wird, können Kirchenbesucher einen Audio-Guide mit zwölf Geschichten zu den Bildern herunterladen.

Bernhard Schmidt hofft den Gästen bald noch mehr bieten zu können. Auf dem Gelände soll ein Spielplatz entstehen, zudem soll der ehemalige Friedhof rund um die Kirche neu gestaltet und unter anderem ein Rundweg angelegt werden – ein „meditativer Gang“, wie Schmidt es nennt. Der Bauantrag für den Umbau des verfallenen Fachwerkhauses zu einem Sanitärgebäude mit Teeküche wurde bereits gestellt; sobald dieser bewilligt worden ist, will sich der Kirchenkreis um Fördermittel bemühen. „Ohne die ist es nicht realisierbar“, so Schmidt.

Dass die Autobahnkirche so gut angenommen wird, davon war der Vorsitzende des Kirchenkreises eigentlich ausgegangen. Das Konzept habe sich schon anderswo bewährt, sagt er. Dass aber auch die Bürger von Zeestow derart begeistert mitmachen, „das hat mich dann doch positiv überrascht.“ Mittlerweile hat die örtliche Gemeinde wieder 90 Mitglieder, in einigen Jahren soll es auch wieder einen Gemeindekirchenrat geben. „Das haben wir nur der Autobahnkirche zu verdanken“, meint Bernhard Schmidt. Die Kirche haben den Gemeinsinn gestärkt und dem Dorf neues Selbstvertrauen gegeben.

Früher habe Zeestow am Ende des Alphabets gelegen und sich auch so gefühlt, doch jetzt werde der Ort bundesweit wahrgenommen, sagt er. „Wer Zeestow hört, denkt an die Autobahnkirche.“

Von Philip Häfner

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