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Autofahrer auf Radweg unterwegs

Rathenow Autofahrer auf Radweg unterwegs

Der Havelland-Radweg zwischen Berlin und Sachsen-Anhalt wurde gebaut, um Radfahrern ein vom Autoverkehr ungestörtes Naturerlebnis zu bescheren. Das funktioniert aber nicht überall. Weil auf dem Abschnitt zwischen Steckelsdorf und Göttlin die Schranken nicht funktionieren, nimmt der unerlaubte Pkw-Verkehr beständig zu.

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Der Rathenower Stadtverordnete Gerd Wollenzien fordert, dass der unerlaubte Autoverkehr auf dem Havelland-Radweg unterbunden wird.

Quelle: Markus Kniebeler

Rathenow. Als der Havelland-Radweg 2003 eröffnet wurde, da war das Anlass für ein Fest. Rund acht Millionen Euro hatte der Kreis in die gut 90 Kilometer Lange Strecke vom Westberliner Stadtrand bis zur Landesgrenze Sachsen-Anhalt investiert. Heute noch wird die Strecke damit beworben, dass die Radfahrer auf einer ihnen gewidmeten Route ungestört und ungefährdet die Landschaft genießen können.

„Ungestört und ungefährdet“ scheinen allerdings dehnbare Begriff zu sein. Gerd Wollenzien, Stadtverordneter der CDU und selber leidenschaftlicher Radfahrer, hat beobachtet, dass Abschnitte des Radwegs immer häufiger von Autos befahren werden, die dort nichts zu suchen haben. Vor allem das Teilstück zwischen Steckelsdorf und Göttlin sei zur bequemen Ortsverbindungsstraße geworden, sagt Wollenzien. Radler würden durch diesen Verkehr auf dem schmalen Weg nicht nur belästigt, sondern regelrecht gefährdet.

Auf diesem rund drei Kilometer langen Streckenabschnitt des Havelland-Radweges wird es den Autofahrern auch besonders leicht gemacht. Die Schranke hinter dem Wasserwerk in Steckelsdorf, die Unberechtigte von der Fahrradstraße fernhalten soll, steht ständig offen. Und auf Göttliner Seite gibt es mittlerweile gar keine Absperrung mehr. „Seitdem wird hier forsch durchgerauscht“, sagt Wollenzien. Offenbar habe es sich mittlerweile herumgesprochen, dass der Weg durch den Wald frei sei.

Auch ohne Schranke dürfte der Weg nicht von allen und jedem befahren werden. Blaue Schilder weisen ihn unübersehbar als Fahrradstraße aus. Lediglich für land- und forstwirtschaftlichen Verkehr ist er freigegeben. Weil Schilder nur wenige davon abhalten, die Strecke zu befahren, sind die meisten Abschnitte des Weges mit Schranken gesichert, die von Berechtigten auf- und zugeschlossen werden können.

Dass auf dem besagten Abschnitt zwischen Göttlin und Steckelsdorf eine Schranke fehlt und die andere immer offen steht, hatte Rathenows Bauamtsleiter Matthias Remus jüngst mit Vandalismus erklärt. Mehrfach seien die Schrankenanlagen beschädigt oder gar zerstört worden. Auf Anregung des Göttliner Ortsvorstehers habe man dann auf die Schranken verzichtet.

Gerd Wollenzien hält das für einen fatalen Fehler. Der Radtourismus sei im Kommen, das könne jeder sehen. Wer wolle, dass diese Entwicklung weiter gehe, der müsse etwas tun. „Wir können die Radtouristen nicht mit dem Versprechen auf ein unberührtes Naturerlebnis herlocken, und dann brettern alle fünf Minuten Autofahrer an ihnen vorbei, die dort nichts, aber auch gar nichts zu suchen haben.“

Verstärkte Polizeikontrollen wären eine Lösung, denn wer unberechtigt auf dem Radweg unterwegs ist, begeht eine Ordnungswidrigkeit und kann dafür zur Kasse gebeten werden. „Jeder weiß, dass die Polizei hier nicht dauernd kontrollieren kann“, sagt Wollenzien. Deshalb gebe es nur eine Lösung des Problems: Schranken aufstellen, die robust genug sind, auch rabiate Autofahrer fernzuhalten.

Dass das funktioniert, kann man auf dem Abschnitt zwischen Göttlin und Grütz beobachten. Weil der Weg dort über den Truppenübungsplatz führt, ist die Bundeswehr zuständig. Und die hat – nachdem auch ihre Anlagen dauernd beschädigt wurden – vor einigen Jahren massive Schranken aufgestellt. Seitdem gibt es dort keinen illegalen Autoverkehr mehr. „Dann muss eben auch die Stadt in eine vernünftige Anlage investieren, damit endlich Ruhe ist“, sagt Wollenzien.

Rathenows Bürgermeister Ronald Seeger hat im MAZ-Gespräch angekündigt, dass sich die Verwaltung mit dem Problem befassen werde. Erst dann könne er sich äußern. Aber eines sagte er dann doch: „Es kann nicht Sinn und Zweck eines ausgewiesenen Radwegs sein, dass er zur Verbindungsstraße für den motorisierten Verkehr umfunktioniert wird.“

Von Markus Kniebeler

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