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Havelland Awo-Alarm: Alleinerziehend in der Armutsfalle
Lokales Havelland Awo-Alarm: Alleinerziehend in der Armutsfalle
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02:16 20.05.2017
Die alleinerziehende Mutter Christiane Köhn (rechts) und ihr Sohn Jamie im Gespräch mit Kristy Augustin (links) und Petra Heinze (Awo). Quelle: Bernd Geske
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Rathenow

Der Bezirksverband Potsdam der Arbeiterwohlfahrt hat am 4. Tag der bundesweiten Awo-Aktionswoche „Armutsfalle alleinerziehend“ in Rathenow gastiert. Christiane Köhn (38 Jahre), alleinerziehende Mutter von zwei Söhnen (zwölf und drei), hatte sich bereit erklärt, ihre Situation zu schildern. Als Gesprächspartnerin hatte die Awo die Landtagsabgeordnete Kristy Augustin (CDU) gewonnen.

Wie Christiane Köhn erzählte, hat sie Einzelhandelskauffrau gelernt, war zehn Jahre selbstständig und macht jetzt eine Ausbildung zur Erzieherin. Ihre beiden Kinder sind von verschiedenen Vätern. Einer zahlt Unterhalt, der andere nicht. Seit eineinhalb Jahren ist sie alleinerziehend. Ihre Zeit sei immer knapp, hat sie berichtet. Sie müsse ihre Nerven gut zusammenhalten, um alles managen zu können. Das sei schwierig, weil immer wieder unerwartete Sachen passieren.

Zeit für sich selbst erst am Abend, wenn die Kinder schlafen

Zeit für sich selbst habe sie erst am Abend, wenn die Kinder schlafen. Um 20.30 bis 21 Uhr. Christiane Köhn macht derzeit ein Praktikum bei der Awo in Rathenow. Sie nimmt Gitarren- und Gesangsunterricht, stellt fest, dass sie einfach nicht alles schafft und sagt: „Ständig fällt etwas ins Wasser.“

Die Landtagsabgeordnete Kristy Augustin konnte mitnehmen, dass die Mutter es gut finden würde, wenn es für Alleinerziehende eine einzige Ansprechstelle geben würde. Sie laufe „von Stelle zu Stelle“, berichtete Christiane Köhn, und schaffe es gar nicht, all ihre Ansprüche geltend zu machen. Petra Heinze von der Awo sagte, dass es in Rathenow einen „Wegweiser für Schwangere“ gibt. Sie könne sich vorstellen, dass ein „Wegweiser für Alleinerziehende“ sinnvoll wäre. Den zu erarbeiten, koste aber Geld, resümierte sie, er müsste regional finanziert werden können.

Ab August täglich zehn Monate lang zur Ausbildung nach Potsdam

Besonders schwer wird es für Christiane Köhn ab August. Dann muss sie täglich zur Ausbildung nach Potsdam fahren, weil der Schulort von Brandenburg/H. dorthin verlegt worden ist. Sie müsse um 4 Uhr aufstehen, das kleine Kind um 5.45 Uhr in der Kita haben, in Potsdam eine Viertelstunde früher Schluss machen, um den Zug zurück zu erreichen, und könnte dann um 17.30 Uhr mit dem Kleinen zu Hause sein. Zehn Monate soll das gehen, berichtete sie und fragte: „Schaffe ich das?“

Emotionaler Höhepunkt war die Antwort des zwölfjährigen Jamie auf die Frage, was er sich wünsche. Es wäre gut, wenn Mama mehr Zeit hätte, um sich auszuruhen, teilte er mit. Sie achte gar nicht mehr drauf, wie es ihr selber geht. Da konnte seine Mutter die Tränen nicht halten und es trat eine Schweigepause ein.

Von Bernd Geske

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