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Havelland Jugendliche Flüchtlinge nicht allein gelassen
Lokales Havelland Jugendliche Flüchtlinge nicht allein gelassen
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00:23 19.12.2015
Die Jugendlichen aus Syrien (sitzend) umringt von ihren Gastgebern in der Awo-Schule. Quelle: Bernd Geske
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Premnitz

Freundlich, etwas zurückhaltend und ansonsten überhaupt nicht auffällig. So haben sich die Jugendlichen aus Syrien verhalten, die am Dienstag in der Sozialfachschule „Sophie Scholl“ der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Premnitz zu Gast waren. Den Vorschriften entsprechend werden sie korrekt als allein reisende minderjährige Flüchtlinge bezeichnet – und ihre Zahl wächst überproportional zu anderen eintreffenden Migrantengruppen. Weil es so viele geworden sind, werden sie seit noch nicht so langer Zeit auf die Landkreise überall in Deutschland verteilt. In Rathenow ist im November beim Institut für Kommunikation und Wirtschaftsbildung (IKW) die erste Wohngruppe mit zehn Jugendlichen gebildet worden, die besonders betreut werden müssen, weil sie minderjährig sind.

Kerstin Müller, Leiterin der Awo-Sozialfachschule, hatte die Idee, die syrischen Jugendlichen einmal einzuladen. „Das ist eine gute Möglichkeit, unsere Schüler für das Thema Flüchtlinge zu sensibilisieren“, hat sie erklärt. Bei ihren Schülern sei der Vorschlag auf große Resonanz gestoßen. Es bot sich an, sie in der jetzt laufenden Projektwoche zu empfangen, weil es dabei rein thematisch auch um gesunde Ernährung geht. Da ein Rathenower Rentner das Essengeld für die Jugendgruppe sponserte, fiel es der Schule deutlich leichter, etwas Gutes für sie einzukaufen. So sollten die 15 bis 17 Jahre jungen Burschen zunächst mit selbst bereitetem Mittagessen bewirtet werden, dann sollte auch Raum für Begegnung mit den Sozialfachschülern sein. Deutsche Bräuche und Sitten sollten behutsam vermittelt werden. Das Mensch-ärgere-Dich-nicht-Spiel lief schon mal ganz gut...

Das Mensch-ärgere-Dich-nicht-Spiel haben die syrischen Jugendlichen schnell verstanden. Quelle: Bernd Geske

Warum nur flüchten so viele männliche Minderjährige aus Syrien? Das hat ihr Betreuer Omar Awad, ebenfalls ein Flüchtling aus Syrien, mit wenigen Worten erklärt. „In Syrien gelten sie auch in ihrem Alter schon als Mann“, sagt er. Deshalb seien sie dort in großer Gefahr, von den verschiedensten Bürgerkriegsparteien als Kämpfer rekrutiert zu werden. Das können die Truppen der angeschlagenen Assad-Regierung sein, auch die Terrororganisation „Islamischer Staat“ oder diverse andere bewaffnete Einheiten. Alle zehn Jugendlichen der Rathenower Gruppe sind über die Balkanroute in die Bundesrepublik gekommen. Nur einer von ihnen spricht ein bisschen Englisch. Damit sich die Beteiligten besser anreden konnten, sind ihnen Papierklebezettel mit ihren Vornamen angeheftet worden. Auf Deutsch und Arabisch.

Katrin Hofschläger, die als Ernährungsberaterin bei der Verbraucherzentrale arbeitet und ihr Fachgebiet auch an der Sozialschule unterrichtet, ließ das bekannte deutsche Weihnachtsgericht Frikassee kochen. Die Klößchen ließ sie selbstverständlich Muslim-gerecht nur aus Rinderhack und ohne Schweinefleisch bereiten. Zur Begrüßung gab es starken schwarzen Tee und zum Abschluss der Mahlzeit einen Obstsalat. Sie bot der Gruppe die Hilfe der Verbraucherzentrale an, falls es Fragen zu Handy-Verträgen oder anderen Dingen gibt.

Allein reisende minderjährige Flüchtlinge

Inmitten aller nach Deutschland kommenden Asylbewerber und Flüchtlinge gibt es einen großen Anteil von Kindern und Jugendlichen, die ohne Eltern unterwegs sind.

Im offiziellen Sprachgebrauch werden sie als allein reisende minderjährige Flüchtlinge bezeichnet.

Ein neues Bundesgesetz sieht vor, dass sie ab Januar 2016 so wie andere Flüchtlinge auch nach dem Königsteiner Schlüssel auf die ganze Bundesrepublik verteilt werden.

Im letzten Jugendhilfeausschuss hieß es, dass in diesem Jahr noch rund 100 allein reisende minderjährige Flüchtlinge in den Landkreis Havelland kommen sollen. Für 2016 seien 120 bis 140 angekündigt.

Wie Betreuer Omar Awad auf Nachfrage sagte, haben seine Schützlinge über das Internet relativ regelmäßig Kontakt zu ihren Familien in Syrien. Die Gruppe sei am 19. November gebildet worden. Schon im Januar stünden schwierige Tage an. Vier der Jugendlichen werden dann 18 Jahre. Dann sind sie volljährig, verlieren ihren Sonderstatus als Minderjährige und müssen die Wohngruppe verlassen.

Von Bernd Geske

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