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Baby geschüttelt – Bewährung für junge Mutter

Rathenow (Havelland) Baby geschüttelt – Bewährung für junge Mutter

Was genau am 1. Juni des vergangenen Jahres in der Wohnung von Janine B. und Kevin M. aus Rathenow vorgefallen war, kann bis ins letzte Detail nicht mehr geklärt werden. Weil eine Mutter ihr Kleinkind schüttelte, ist es nun schwer behindert. Die Anklage gegen die Eltern lautete auf Kindesmisshandlung. Die Mutter wurde nun wegen schwerer Körperverletzung verurteilt.

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Die beiden Angeklagten mit ihren Verteidigern.

Quelle: Joachim Wilisch

Rathenow. Den 1. Juni 2016 wird Janine B. nicht mehr aus ihrem Gedächtnis bringen. Es ist der Tag, an dem ihr zweieinhalb Wochen alter Sohn Jason mit schweren Hirnverletzungen ins Krankenhaus kam. Die Verletzungen waren so schwer, dass das Kind heute schwer behindert ist.

Wie konnte das passieren? Am Donnerstag sollte das Jugendschöffengericht unter Vorsitz von Axel Teckemeyer klären, was in dem Haus in der Berliner Straße 76a passiert war. Die Ärztin, die Jason im Krankenhaus behandelt hatte, verständigte die Polizei. Sie hatte den Verdacht, der Junge sei misshandelt worden. Kindesmisshandlung lautete daher auch der Vorwurf der Staatsanwaltschaft an die Eltern.

Der Vater war zur Tatzeit gar nicht zuhause

Wie sich im Laufe der Hauptverhandlung schnell zeigte, war der Vater Kevin M. zum Zeitpunkt der Tat gar nicht zu Hause. Ging die Staatsanwaltschaft noch in der Anklage davon aus, das Kind sei bereits in der Nacht zum 1. Juni geschüttelt worden, war es tatsächlich so, dass Jason die Verletzungen erst am Mittag des 1. Juni erlitt. Zu dem Zeitpunkt war Kevin M. nicht anwesend.

Folgendes hat sich nach Überzeugung des Gerichtes abgespielt: Janine B. reagierte panisch, als der kleine Jason am Mittag des 1. Juni plötzlich in seinem Bettchen hechelte. Um 9 Uhr hatte sie das Kind gewickelt, Nahrung verweigerte es. Es sei durchaus möglich, dass sie zu dem Zeitpunkt das Kind genommen und kurz geschüttelt habe. Genau erinnern könne sie sich nicht, auch nicht, wie lange das gedauert haben könnte. Als der Vater nach Hause kam, fuhren beide Eltern mit dem Kind ins Rathenower Krankenhaus, von dort wurde Jason ins Klinikum nach Brandenburg gebracht.

Rechtsmediziner stellte fest, dass das Kind geschüttelt wurde

Jason, so sagte Janine B. vor Gericht, sei ein normales Kind gewesen. Er habe nicht viel geschrien. Die Schwangerschaft sei ganz normal verlaufen. Und auch an dem Abend vor dem 1. Juni und am Tag des schlimmen Ereignisses selbst habe Jason einen ganz normalen Eindruck gemacht.

Ein Rechtsmediziner stellte fest: Jason wurde geschüttelt. Seine Verletzungen waren typisch für diesen Verdacht. Dieses Gutachten spielte bei der Verhandlung eine zentrale Rolle. Es sei möglich, dass das Kind nur kurz geschüttelt wurde – in einer Augenblicksreaktion. Ausschließen wollte der Gutachter nicht, dass dies auch länger gedauert hat.

Gutachter spricht von „Augenblicksreaktion“

Ist Janine B. eine Mutter, die ihr Kind aus einer rohen Gesinnung heraus misshandelt hat? Für eine Verurteilung wegen Kindesmisshandlung ist diese Gesinnung nach Überzeugung des Bundesgerichtshofes unbedingte Voraussetzung. Diesen Eindruck machte die Angeklagte keineswegs. Sie und der Kindsvater besuchen jeden Monat den kleinen Jason, der nun in einer Einrichtung in Wittenberge untergebracht ist. Den Eltern wird von dort beschieden, sie seien „liebevoll und zuverlässig“. Und die Mutter versicherte vor Gericht: „Ich werde immer für mein Kind da sein.“

Kevin M. hat eine Ausbildung begonnen. Er lernt Einzelhandelskaufmann. Janina B. lebt von Arbeitslosengeld II. Direkt nach den Ereignissen des vergangenen Jahres musste sie in therapeutische Behandlung. Das junge Paar habe sich zusammengerauft, meint der Verteidiger. Janine B. hat bereits einen Sohn von einem anderen Mann. Sieben Jahre ist er und lebt beim Vater.

Vater hat eine Ausbildung begonnen

Axel Teckemeyer machte in seinem Urteil – Freispruch für Kevin M., ein Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung für Janine B. – deutlich, wie schwer es seiner Überzeugung nach ist, diesen Vorgang nach Strafrechtsgesichtspunkten zu bewerten. „Die Mutter ist durch den Vorgang lebenslang gestraft.“ Sowohl das Gericht als auch Verteidiger und Staatsanwalt nahmen den Auftritt einer jungen Muter zur Kenntnis, die wahrscheinlich kurz die Nerven verloren hatte – mit schlimmen Folgen.

Von Joachim Wilisch

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