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Havelland Bafög gestrichen – kein Geld mehr für die Miete
Lokales Havelland Bafög gestrichen – kein Geld mehr für die Miete
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00:19 01.12.2017
Marcel Jaedecke kann die Miete nicht mehr bezahlen. Quelle: Bernd Geske
Rathenow

Von einem Tag auf den anderen hat er 504 Euro im Monat weniger. Das ist eine Katastrophe für einen jungen Mann, der alle vier Wochen nur mit insgesamt nicht einmal 900 Euro für den Lebensunterhalt rechnen kann. Wie Marcel Jaedicke (20 Jahre) aus Rathenow berichtet, ist ihm genau das vor wenigen Tagen passiert.

Mit Bescheid vom 20. November hat das Amt für Ausbildungsförderung des Landkreises ihm mitgeteilt, dass die Zahlung seiner Bundesausbildungsförderung (Bafög) zum Ende des Monats eingestellt wird. Er sei seiner Mitwirkungspflicht hinsichtlich der geforderten Unterlagen nicht nachgekommen. Er solle noch eine Kopie seines Abschlusszeugnisses zum Sozialassistenten einreichen, wird ihm noch mitgeteilt. Das war es dann auch schon.

Der Bescheid hat Marcel Jaedecke getroffen wie ein Schlag

Marcel Jaedecke hat der Bescheid getroffen wie ein Schlag, denn er ist sich keiner Schuld bewusst. Bereits im Juli habe er beim Amt alle Unterlagen eingereicht, teilt er mit. Er könne sich nicht vorstellen, was jetzt noch fehlen sollte. Die Zahlungseinstellung ist hart, weil Marcel Jaedecke nicht mehr weiß, wovon er leben soll. Er kann nun nur noch mit dem Kindergeld von monatlich 192 Euro rechnen und hat rund 150 Euro ergänzende Leistungen zum Lebensunterhalt vom Jobcenter zu erwarten.

„Ich weiß nicht, wie ich zum 1. Dezember meine Miete bezahlen soll“, sagt er verzweifelt. Essen und Trinken müsse er auch irgendwie finanzieren. Nicht zu vergessen: Es werde von ihm erwartet, dass er möglichst unbeeindruckt von den Schwierigkeiten seine Fachschulausbildung zum Erzieher weiter fortsetzt. Im Sommer hatte er an der Beruflichen Schule der Awo für Sozialwesen in Premnitz seine zweijährige Ausbildung zum Sozialassistenten erfolgreich abgeschlossen. Wie viele es machen, hat er gleich im Herbst an der gleichen Schule eine Erzieherausbildung angeschlossen.

Besonders schwer fühlt sich Marcel Jaedecke von seinem Finanzproblem bedrückt, weil er im zuständigen Amt niemanden erreichen kann. Gleich nach Erhalt des Einstellungsbescheides stand er bei der Behörde vor verschlossener Tür, berichtet er. Am Donnerstag und Freitag vergangener Woche sei niemand erreichbar gewesen. Einem Zettel an der Tür habe er entnehmen müssen, dass dort wegen eines Umzugs keine Sprechzeiten stattfinden. Montags sei dort sowieso geschlossen, den nächsten aussichtsreichen Anlauf wollte er am Dienstag starten – konnte sich aber erst am Nachmittag nach Schulschluss dorthin begeben.

Frage, ob er sich nicht bei Freunden oder Verwandten Geld borgen kann

In seiner Not hatte der junge Mann auch noch das Bürgerservicebüro des Landkreises aufgesucht. Dort hatte man ihm aber auch nur erklärt, in seiner Sache nichts unternehmen zu können. Eine Mitarbeiterin fragte ihn dann, ob er sich nicht im Freundes- oder Verwandtenkreis etwas Geld borgen könne. Immerhin hatte ihm das Amt für Ausbildungsförderung ihm in dem bewussten Bescheid noch mitgeteilt, dass er angesichts der Streichung seiner Ausbildungsförderung „unter Umständen“ einen Anspruch auf ergänzende Leistungen gemäß SGB II vom Jobcenter hat. Die Pressestelle des Landkreises hat bislang auf die Anfrage dieser Zeitung zum Fall von Marcel Jaedecke nicht geantwortet.

„Ich fühle mich erdrückt von der Bürokratie“, teilt der dazu mit. Mit der Familienkasse, die für sein Kindergeld zuständig sei, habe er erst im Sommer „enorm viel Ärger“ gehabt. Wenn er bei Telefonanrufen dort überhaupt jemanden am Hörer hatte, habe er patzige Antworten bekommen. „Es ist traurig, wie man behandelt wird“, stellt Marcel Jaedecke fest. Seine Nerven lägen blank und er müsse sich zusammen nehmen, um in der Ausbildung zu bestehen. Seine ehrenamtliche Tätigkeit im Rathenower Kinder- und Jugendparlament hat er angesichts der vielen Stressmomente beendet.

Von Bernd Geske

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