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Barocke Keller verzögern Sportplatzbau

Rathenow Barocke Keller verzögern Sportplatzbau

Die Fertigstellung des Schulsportplatzes in der Rathenower Schleusenstraße verzögert sich. Bei den Arbeiten stießen die Bauleute auf Keller aus der Barockzeit. Erst wenn diese dokumentiert und ordnungsgemäß verfüllt sind, kann mit dem Bau der Anlage fortgefahren werde.

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Im Moment ruhen die Arbeiten auf dem Gelände neben der Duncker-Oberschule.

Quelle: Markus Kniebeler

Rathenow. Die Fertigstellung des Schulsportplatzes in der Rathenower Schleusenstraße verzögert sich. Bei den Arbeiten stießen die Bauleute auf Keller aus der Barockzeit. Erst wenn diese dokumentiert und ordnungsgemäß verfüllt sind, kann mit dem Bau der Anlage fortgefahren werde.

Der Archäologe Arco Dinter, dessen Büro die Arbeiten begleitet, erklärte, man sei beim Bau der Drainage auf die Kellerräume gestoßen. Diese gehörten zu den Wohnhäuser, die beim Bau der barocken Neustadt um 1700 errichtet worden seien. Die Häuser seien längst abgerissen. Aber in der Nähe der Straße sei man jetzt auf die dazugehörenden Kellerräume gestoßen.

Nun ist es Aufgabe der Archäologen, die Räume zu dokumentieren. Das soll so bald wie möglich geschehen. Um Zugang zu den Kellern zu bekommen, wird Dinter zufolge die Oberfläche um rund einen halben Meter abgetragen. „Was dann offen liegt, wird untersucht und dokumentiert“, sagt Dinter.

Der Archäologe Arco Dinter

Der Archäologe Arco Dinter.

Quelle: Markus Kniebeler

Diese Dokumentation ist nicht nur wichtig in archäologischer Hinsicht. Sie ist auch unentbehrlich für den Fortgang der Arbeiten. Denn die Kellerräume müssen fachgerecht verfüllt werden, bevor die Sportanlage oben drüber gebaut wird. „Das Problem für die Bauarbeiter ist nicht so sehr die Archäologie, sondern vielmehr die Statik“, sagt Rathenows Bauamtsleiter Matthias Remus. Denn wenn die Hohlräume nicht ordentlich verfüllt würden, bestehe die Gefahr, dass die Anlage irgendwann absacke. Und das wolle man natürlich verhindern.

Die archäologischen Arbeiten erfüllen damit einen doppelten Zweck. Zum einen bringen sie Licht in eine Epoche der Rathenower Stadtgeschichte. Zum anderen wird die Dokumentation der Archäologen den Baustatikern als Grundlage dienen. Die genaue Verortung der Hohlräume wird die Verfüllung derselben erleichtern.

Aus archäologischer Sicht erwartet Dinter wichtige Erkenntnisse über die Siedlungsstruktur der barocken Neustadt. „Es gibt nicht viele Dokumente zu dieser Zeit“, sagt er. Deshalb sei das jetzt die einmalige Gelegenheit, mehr Licht in dieses Kapitel der Rathenower Stadtgeschichte zu bringen.

Vor allem geht es den Archäologen darum, herauszufinden, wie die Schleusenstraße vor gut 300 Jahren ausgesehen hat. War sie durchgehend bebaut? Hat es im hinter der Straße liegenden Bereich Häuser gegeben? Welches Ausmaß hatte die Besiedelung? „Mit jeder untersuchten Baustelle fügen wir dem historischen Bild der Stadt Rathenow einen weiteren Puzzlestein hinzu“, sagt Dinter, der viele der großen Bauvorhaben der Stadt archäologisch begleitet hat.

Gut in Erinnerung werden vielen geschichtsinteressierten Rathenowern die Funde sein, die das Grabungsteam um Arco Dinter beim Umbau der ehemaligen Hauptkreuzung vor drei Jahren machte. Rund 300 Skelette wurden freigelegt, gesichert und dokumentiert. Sie stammten größtenteils aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Die Gräber gehören nach Recherche von Archäologen und Historikern zu einem Friedhof, der dem Hospital angegliedert war, das vom späten Mittelalter bis zum 17. Jahrhundert in der Nähe der Hauptkreuzung gestanden hat.

Ohne die Entdeckung der Kellerräume wäre die Sportanlage in der Schleusenstraße voraussichtlich schon fertig. Wie lange es nun dauern wird, bis neben der Dunckerschule gerannt, gespielt und gesprungen werden kann, ist noch nicht klar. Die Archäologen jedenfalls werden in den nächsten Tagen mit ihrer Arbeit beginnen. Zeitlich wäre es nach Auskunft von Matthias Remus zwar möglich, die Anlage in diesem Winter fertig zu stellen. Allerdings wird die Witterung diesen Plan voraussichtlich zunichte machen. Denn auf der Anlage – etwa bei der Sprintbahn und auch bei den Ballspielfeldern – werden Kunststoffe verbaut, deren Verarbeitung an eine Mindesttemperatur gebunden ist. Jetzt schon ist es zu kalt für diese Arbeitsschritte. Und da wir erst am Beginn der frostigen Jahreszeit steht, wird die Sportanlage, die von Weinberg- und Dunckerschülern genutzt werden soll, höchstwahrscheinlich erst im kommenden Frühjahr in Betrieb genommen werden können.

Anlage für den Schulsport

Die Sportanlage entsteht in der Schleusenstraße auf dem Grundstück neben der Dunckerschule.

425 000 Euro werden investiert. Bund, Land und Stadt tragen je ein Drittel der Kosten, der städtische Eigenanteil liegt somit bei 142 000 Euro.

Das Grundstück, auf dem einst die Konsum-Bäckerei stand, ist zu klein, um darauf einen klassischen Sportplatz mit 400-Meter-Bahn und den üblichen Nebenbereichen anzulegen. Stattdessen muss der enge Raum effektiv genutzt werden. Auf der Fläche untergebracht werden: Eine 65 Meter Kunststoffbahn für Kurzsprints, ein Basketballplatz, ein Mehrzweckspielfeld und eine Weitsprunggrube.

Für längere Läufe ist eine schmale Kunststoffbahn vorgesehen, auf der die Anlage umrundet werden kann. Diese Bahn soll rund 180 Meter lang werden.

Von Markus Kniebeler

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