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Bauern demonstrierten in Nauen

Protest gegen zu geringe Milchpreise Bauern demonstrierten in Nauen

Mehr als 30 havelländische Landwirte zeigten am Montag vor in einer Discounter-Filiale in Nauen, was sie von den derzeit niedrigen Milchpreisen halten: Sie demonstrierten untrer dem Motto: „Unsere Milch ist mehr wert“.

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Ob Frisch- oder H-Milch – die havelländischen Landwirte kauften am Montag alles auf.

Quelle: Tanja M. Marotzke

Nauen . Die neun Monate alte „Flocke“ hatte Cathleen Schneider am Montagvormittag vor die Aldi-Filiale an der Hamburger Straße in Nauen mitgebracht, um ihren Unmut optisch sichtbarer zu machen. „Flocke“ ist ein Kalb aus dem Lietzower Landwirtschaftsbetrieb von Lars Schneider. „Die gibt zwar noch keine Milch, aber sie gehört ja trotzdem dazu“, sagte Cathleeen Schneider aus Nauen.

Sie stand in einer Reihe mit etwa 30 havelländischen Landwirten aus Strodehne, Stölln, Gülpe, Friesack, Paaren im Glien, Ribbeck, Nauen, Spaatz, Lietzow, Selbelang, Hohennauen und Wachow (darunter nicht nur Milchbauern), um gegen die viel zu niedrigen und für viele Betriebe existenzbedrohenden Milchpreise zu protestieren. Zuvor hatten die Landwirte, angeführt vom Vorsitzenden des Kreisbauernverbandes Dirk Peters aus Neukammer, in dem Discounter sämtliche Milch aufgekauft und in diversen Einkaufswagen verstaut. „Wir schütten die Milch nicht auf die Straße, sondern wir spenden sie dem Arbeiter-Samariter-Bund in Falkensee“, sagte der Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Johannes Funke.

Die knapp einstündige Demonstration stand unter dem Motto: „Unsere Milch ist mehr wert“. Mehr wert als die 25 Cent je Liter Basispreis, die die meisten Betriebe derzeit von ihren Vertragspartnern und Molkereien erhalten. Uwe Bublitz von der Genossenschaft Wachower Landwirte rechnete vor: „Wir produzieren pro Jahr 3,8 Millionen Liter Milch. Wir bekommen etwa 10 Cent je Liter weniger, als die Produktion kostet. Das macht ein Minus in diesem Jahr von 380 000 Euro für unseren Betrieb“. Auffangen könne er diese Verluste nur dank der Einnahmen aus anderen Bereichen wie dem Getreideverkauf. „Und wir müssen geplante Investitionen auf dem Hof verschieben oder weglassen“, so Bublitz.

Ähnlich dramatisch ist die Situation in der Agrargenossenschaft Hohennauen. Die produziert sogar 5,1 Millionen Liter Milch jährlich. „Vor zwei Jahren bekamen wir von der Molkerei noch 38 bis 40 Cent, jetzt 25. Das kann man nicht lange durchhalten“, sagte Geschäftsführer Günter Stöckel. Zwar hätten die Verträge mit den Molkereien meist längere Laufzeiten bis zu fünf Jahren, nur liege das Risiko allein bei den Bauern. „Wir erfahren etwa 45 Tage nach Ablieferung einer bestimmten Milchmenge, was die Molkerei uns dafür zahlt“, so Stöckel.

Der Handel, die Molkereien und die Politik seien gefordert, endlich Regelungen im Sinne der Erzeuger zu treffen, forderte Dirk Peters. Vor vier Jahren, als die Milchpreise schon mal im Keller waren, sei wenigstens ein Ende der Preisspirale nach unten in Sicht gewesen. Heute nicht. „Wir erwarten jetzt ein Signal aus Brüssel, wo sich die Agrarminister der Länder treffen. Der Markt muss stabilisiert werden“, so Uwe Bublitz. Ein Grund für den Preisverfall sei der weggebrochene Absatz in Russland, wegen des Embargos, und die sinkende Nachfrage in China.

Was für die Milch zutreffe gelte gleichermaßen auch für das Schweinefleisch. Der Markt sei zusammengebrochen.

Von Jens Wegener

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