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Bauern fordern bessere Grabenpflege

Havelland Bauern fordern bessere Grabenpflege

Verbandschef Dirk Peters setzt sich für die Frühjahrskrautung und die Ertüchtigung der Schöpfwerke ein. Bauern des Havellandes leiden unter zu viel Wasser auf ihren Feldern.

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Quelle: privat

Nauen. Extremereignis. Das sagt sich so leicht. Was aber wirklich dahinter steckt, versteht man am besten mit ein paar nüchternen Zahlen: In nur drei Tagen im Juni (28. bis 30.) hat die Wetterstation Neukammer mit 121,2 Litern je Quadratmeter mehr Regen gemessen als in den gesamten fünf Monaten zuvor (107,7 Liter). In den besonders nassen Monaten Juni und Juli fiel mit rund 360 Litern fast so viel Regen, wie im ganzen Jahr 2016 (385,4 Liter). „Das war schon heftig. Mit den Folgen der Niederschläge haben wir jetzt noch zu kämpfen“, sagt der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Havelland, Dirk Peters. Noch immer kann auf vielen Flächen die Ernte nicht eingefahren werden, weil das Wasser dort immer noch zu hoch steht.

Während noch nicht alle Schäden abschließend erfasst sind, ist die politische Aufarbeitung im vollen Gange. Die Haltung des Bauernverbandes ist klar: „Die Ereignisse im Sommer haben gezeigt, dass viele Gräben 2. Ordnung in einem unzureichenden Pflegezustand sind und auf größere Niederschlagsereignisse nicht vorbereitet sind. Das muss sich ändern“, so Peters.

Als wesentliche Maßnahme fordert er eine sogenannte Frühjahrskrautung. Bislang dürfen die Gräben nur zwischen September und Februar von den Wasserpflanzen befreit werden, die die Fließgeschwindigkeit deutlich verringern. Einen viel größeren Effekt könnte man allerdings mit einer Krautung im Mai oder Juni erzielen, weil die Pflanzen dann am stärksten wachsen. Eine solche Frühjahrskrautung ist allerdings nur mit Genehmigung der Unteren Naturschutzbehörde möglich.

Peters glaubt trotzdem daran, dass die zusätzliche Krautung schon im kommenden Frühjahr Wirklichkeit werden kann: „Bei der jüngsten Gesprächsrunde mit dem Landkreis wurde das Thema Frühjahrskrautung überhaupt zum aller ersten Mal thematisiert. Das war schon mal ein großer Fortschritt. Ich bin optimistisch, dass wir das bis zum Frühjahr hinkriegen.“

Eine zweite zentrale Forderung der Bauern ist die Ertüchtigung der Schöpfwerke. „Unter anderem war das Schöpfwerk Zeestow mit den anfallenden Wassermassen komplett überfordert“, sagt Dirk Peters. Von ehemals vier Pumpen funktioniert aktuell nur noch eine. Dass das Schöpfwerk dringend erneuert werden muss, hat man inzwischen auch beim Land erkannt, das für das Schöpfwerk zuständig ist. In der Prioritätenliste soll Zeestow mittlerweile an erster Stelle stehen.

Die Einschätzungen des Bauernverbandes decken sich zum Großteil mit denen des Geschäftsführers des Wasser- und Bodenverbandes Nauen, Peter Hacke. Auch der hält die Frühjahrskrautung für das gebotene Mittel als vorbeugende Maßnahme des Hochwasserschutzes und als Vorsorgepflicht seines Verbandes. Allerdings nicht pauschal bei allen Gräben, sondern nur bei einer Auswahl. „Wenn wir die wesentlichen Hauptvorfluter, das sind etwa zehn Prozent der Gräben, im Frühjahr krauten könnten, würde das schon einen großen Unterschied machen“, sagt er. Hacke bringt noch eine weitere Änderung ins Spiel: In Schleswig-Holstein und auch in Selow ist es so, dass die Wasser- und Bodenverbände bei einigen Gräben mehr Befugnisse haben. Man könnte zum Beispiel die für den Wasserabfluss besonders wichtigen Gräben benennen und dann per Allgemeinverfügung festlegen, dass diese Gräben von Abflusshindernissen frei zu halten sind. In der Praxis würde das die Arbeit des Verbandes stark vereinfachen. Bislang ist es so, dass jede außerordentliche Pflegemaßnahme durch den Landkreis genehmigt werden muss. Bis eine Genehmigung vorliegt, kann manchmal wertvolle Zeit verstreichen.

Mit einer entsprechenden Verfügung könnte der Wasser- und Bodenverband in den festgelegten Gräben auch ohne Genehmigung des Landkreises tätig werden. Zum Beispiel krauten, wenn möglich, oder Biberburgen entfernen, die den Durchfluss im Graben verringern. „Meine Empfehlung wäre, das auch hier im Havelland einzuführen“, sagt Peter Hacke.

Von Ralf Stork

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