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Bauern im Havelland warten aufs Milchgeld

Landwirtschaft Bauern im Havelland warten aufs Milchgeld

Im Mai hatte der Bundes-Agrarminister 100 Millionen Euro Soforthilfe für Milchbauern in Deutschland angekündigt. Bisher ist bei den Betrieben im Havelland aber kein Geld angekommen. Die Lage spitzt sich zu.

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Der Lietzower Landwirt Lars Schmidt.

Quelle: Tanja M. Marotzke

Lietzow/Bamme. 100 Millionen Euro plus X Soforthilfen für die Milchbauern in Deutschland hatte Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) Ende Mai beim „Milchgipfel“ in Berlin angekündigt. Angekommen ist von dem Geld im Landkreis Havelland bei den Landwirten bisher nicht ein Cent. Da hilft es auch nicht, dass es den betroffenen Bauern in anderen Bundesländern genauso ergeht. „Wir haben nichts bekommen, wir wissen nicht, ob wir noch was bekommen und wir wissen nicht wann“, schimpft Lars Schmidt. Der 26-Jährige leitet die Tierproduktion in der Brandenburger Vermarktungs- und Dienstleistungsgesellschaft in Lietzow. 350 Kühe stehen in den Ställen, neun Beschäftigte gibt es – noch. „Wir leben nur noch auf Pump, leben von den Reserven und werden von der Politik im Stich gelassen.“

35 Cent wären kostendeckend

Zwischen 18 und 20 Cent bekommt der Lietzower Betrieb derzeit für einen Liter Milch. 35 Cent würden kostendeckend sein, sagt Schmidt. 2015 lag der Durchschnittspreis für ein Liter Milch in Brandenburg bei 25 Cent, zu Hoch-Zeiten waren es mal 40 Cent. Die Folge des Verfalls: im Mai wurde bereits ein Mitarbeiter entlassen. „Wenn wir neben der Milchproduktion nicht auf erneuerbare Energien, Fotovoltaik und eine Biogasanlage setzen würden, wäre das Aus absehbar“, sagt Schmidt. Er ist verärgert, weil sich „die Politiker in der Öffentlichkeit präsentieren und Hilfen ankündigen, die dann nicht dort angekommen, wo sie gebraucht werden“.

Dramatische Situation bei Familienbetrieb in Bamme

Ähnlich dramatisch ist die Lage in dem Familienbetrieb von Dirk Neumann in Bamme im Westhavelland. Gemeinsam mit seiner Frau Stefanie und drei Angestellten betreut er 215 Milchkühe. „Das ist unsere Haupteinnahmequelle. Wir haben keine Alternativen“, erklärt Neumann. Er bekommt derzeit 20 Cent pro Liter Milch, 28 waren es im Vorjahr. Erst im letzten Jahr wurde ein neuer Melkroboter angeschafft, natürlich per Kredit finanziert. „Wir zahlen natürlich noch ab und müssen aber auch leben“, so der dreifache Familienvater. Er brauche 32 Cent pro Liter, um kostendeckend wirtschaften zu können. 12 Cent weniger bedeuten bisher Verluste von etwa 15 000 Euro. „Wenn es so weitergeht ist die Existenz unseres Betriebes gefährdet“, so Neumann.

„Milchproduktion im Havelland gefährdet“

Der Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Havelland, Johannes Funke, sieht sogar „die Milchproduktion im Havelland gefährdet“. In den letzten zwölf Monaten haben wir von den 35 Milchbetrieben schon vier verloren. Es ist nicht auszuschließen, das weitere folgen werden.“ Einen kleinen Hoffnungsschimmer sieht Funke aber noch. Statt der 100 Millionen Euro aus Berlin habe die EU in Brüssel angekündigt, für Milchbauern in Europa 500 Millionen Euro Hilfen bereit zu stellen. „Auf Deutschland würden 58 Millionen Euro entfallen. Dazu hätte der Bund die Möglichkeit, die 58 auf 116 Millionen aufzustocken. Bei 72000 Milchviehbetrieben würde jeder 1611,11 Euro bekommen“. Das entspreche der Summe, die ein havelländischer Milchviechbauer in zwei Tagen wegen des niedrigen Milchpreises verliert.

Von Jens Wegener

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