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Havelland Begegnungen zum Frühstück
Lokales Havelland Begegnungen zum Frühstück
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17:28 26.03.2018
Angelina Seibt (Koordinatorin Willkommensinitiative) und Najwa Alchek Said aus Syrien, rechts Volker Mueller. Quelle: Ralf Stork
Nauen

Von außen sieht die Geschäftsstelle des Humanistischen Freidenkerbundes erst mal nicht besonders einladend aus. Ein nüchterner grauer Block, schon ein wenig in die Jahre gekommen.

Drinnen aber ein freundlicher Flur, der sich weiter hinten zu einem gemütlichen Wohnzimmer öffnet: An den Wänden stehen Sofas. Davor ein großer gedeckter Esstisch mit selbst gebackenem Kuchen, frischen Brötchen, Obst, Salat und anderen Sachen, die zu einem ordentlichen Frühstück gehören.

Essen ist Mittel zum Zweck

Alles ist vorbereitet für das Begegnungscafé, das jeden Montag beim Freidenkerbund stattfindet. „Seit einem knappen Jahr, kommen Flüchtlinge her, um sich beim Frühstück mit uns und ehrenamtlichen Helfern auszutauschen, sagt Volker Mueller, der Geschäftsführer der Freidenker. Das Essen ist eher Mittel zum Zweck für eine möglichst lockerere Atmosphäre, die das Gespräch erleichtert. Mal kommen zwei, mal zehn Gäste, meistens Frauen, häufig mit Kindern.

Um 20 nach zehn Uhr kommen zwei Frauen: Najwa Alchek Said aus Syrien und ihre hochschwangere Freundin Mona Ghachama aus Marokko. Beide kennen sich aus dem Flüchtlingsheim. Najwa ist seit eineinhalb Jahren in Nauen und kommt regelmäßig ins Begegnungscafé. Sie hat eine Schale selbst gemachten Tabbouleh mitgebracht – einen pikanten Petersiliensalat, wie er in vielen arabischen Ländern gegessen wird.

Der Schatten des Bürgerkrieges

„Ich komme gern hierher. Die Leute hier sind wie meine zweite Familie“, sagt sie. Ihr Deutsch ist für die kurze Zeit, die sie erst in Deutschland lebt, mehr als passabel. Vor allem merkt man ihr an, wie wichtig es ist für sie ist, sich verständigen und austauschen zu können. Es dauert nicht lange, und der Schatten des syrischen Bürgerkriegs legt sich über die gemütliche Tafel.

In ihrem früheren Leben hat Najwa in einem Vorort von Damaskus gelebt. Ihr Bruder ist immer noch dort. Von ihm bekommt sie hin und wieder ein Lebenszeichen und aktuelle Bilder aus ihrem Viertel.

Sie holt ihr Handy hervor und wischt über das Display: Man sieht einen ganzen Straßenzug in Trümmern. „Es ist alles weg. Ich kann nicht mal sagen, wo mein Haus stand“, sagt Najwa. Ihren Bruder hat sie vor ein paar Tagen sprechen können. Da war er also noch am Leben. Aber in der derzeitigen Lage kann sich das stündlich ändern.

Neue Heimat gefunden

Für die 44-Jährige, die früher als Lehrerin gearbeitet hat, steht fest, dass sie nicht mehr nach Syrien zurück kann: „Dort gibt es nichts mehr. Alles ist zerstört. Meine Heimat ist jetzt Deutschland“, sagt sie. Sie lebt zusammen mit ihrem Mann und ihrer neunjährigen Tochter im Flüchtlingsheim. Aber der Großteil ihrer Familie lebt in Köln. Ein Bruder und eine Schwester schon seit über 20 Jahren. Insgesamt 20 bis 30 Verwandte. Darunter auch ihr ältester Sohn und ihre älteste Tochter.

Er studiert Medizin in Köln, sie Medizintechnik in Bochum, erzählt sie stolz. Ihr größter Wunsch ist es, zu ihrer Familie nach Nordrhein-Westfalen zu ziehen. Aber das ist nicht so einfach. „Das geht nur, wenn ich einen Job in Köln finde“, sagt sie. In den Osterferien will sie hinfahren und versuchen, irgendeine Arbeit zu finden.

Trotz Flucht und Heimleben, trotz der ungewissen Zukunft und der Trennung von ihrer Familie hat Najwa der Lebensmut nicht verlassen: „Hier in Deutschland ist alles gut für uns“, sagt sie. Ihr Freundin Mona nickt.

Kleiderkammer ist für alle offen

Auch die Treffen im Begegnungscafé werden daran einen gewissen Anteil haben. Klar da ist auch das Praktische: Die Mitarbeiter des Freidenkerbundes können bei manchen Fragen weiterhelfen. Und in der Kleiderkammer – die übrigens allen Nauenern offensteht - kann man sich bei Bedarf ein paar gebrauchte Kleidungsstücke aussuchen.

Viel wichtiger ist aber etwas anderes: Das montägliche Frühstück ist einfach eine wichtige Auszeit zum manchmal deprimierenden Alltag. In der die Teilnehmer mal für ein paar Stunden vergessen können, dass sie Flüchtlinge, Bürgerkriegsopfer, Fremde in einem fremden Land sind und sich einfach als willkommene Gäste fühlen können.

Von Ralf Stork

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