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Behörden-Irrsinn: Umzug ist eine Tortur

Rathenowerin mit autistischem Sohn Behörden-Irrsinn: Umzug ist eine Tortur

Dagmar Lowins ist hilflos. Mit ihrem autistischen Sohn möchte sie vom Havelland nach Rostock ziehen. Dort wohnt die Großmutter, die künftig bei der Betreuung helfen soll. Die Umzugskisten sind längst gepackt. Doch der Umzug ist für die Familie zur Tortur geworden. Ein Termin ist bereits geplatzt, weil die Behörden die Unterlagen nicht rechtzeitig abzeichneten.

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Rathenowerin Dagmar Lowins und ihr autistischer Sohn sitzen auf gepackten Koffern.

Quelle: Uwe Hoffmann

Rathenow. Seit einigen Wochen schon bereitet sich Dagmar Lowins auf ihren geplanten Umzug vor. In ihren Wohnräumen stehen gepackte Kartons. Ein Teil der Wohnungseinrichtung wurde schon entsorgt. Ende August bekam sie in Rostock ein Wohnungsangebot. Im März verstarb ihr Vater und Dagmar Lowins möchte mehr in die Nähe ihrer 77-jährigen Mutter ziehen, die in Schwerin wohnt. Seitdem war sie sechs Mal in Rostock: Wohnungen besichtigen, Behördengänge erledigen. Doch da fangen für die Rathenowerin die Schwierigkeiten kann.

Grundsicherung vom Jobcenter

Die alleinerziehende Mutter lebt mit ihrem autistischen Sohn zusammen. „Ich kann Christoph quasi gar nicht allein lassen. Vielleicht maximal mal für ein, zwei Stunden“, sagt Dagmar Lowins. „Er braucht ständig Aufsicht und Hilfe.“ Um sich um ihren Sohn zu kümmern, ist die 45-Jährige zu Hause und pflegt ihren Sohn, bekommt deswegen Grundsicherung und ist beim Jobcenter. „Ich mache das gern. Aber ich möchte auch einmal wieder etwas Zeit für mich haben“, so Dagmar Lowins weiter. „Bis 2011 besuchte Christoph die Förderschule Spektrum. Seitdem ist er zu Hause.“ So war ihr 26-jähriger Sohn jedes Mal mit dabei, wenn sie in Rostock war. Das bedeutet viel Stress für den Sohn, der seine gewohnten Abläufe braucht.

Seit mehreren Jahren versucht die Rathenowerin, in eine größere Stadt umzuziehen. Rostock wäre auch für die Pflege ihres Sohnes günstig. Dort gibt es ein Autismus-Zentrum. Für die Reisekauffrau gibt es dort größere Chancen, dass sie wieder eine Arbeit findet.

Ein Kampf seit drei Jahren

Den ersten Anlauf nahm sie vor über drei Jahren. Aber das Jobcenter stimmte einem Umzug nicht zu. Begründung: Potsdam liegt im Pendelbereich Rathenows. Also versuchte Dagmar Lowins es in den letzten Jahren mit Hamburg. „Man hat mit mindestens zwei Behörden in beiden Städten zu tun. Dazu kommen die zwei Wohnungsgesellschaften. Man fühlt sich da im Behörden-Dschungel regelrecht gefangen und hilflos“, schildert Dagmar Lowins. „Wenn Unterlagen nicht vollständig sind, werden sie beim Amt gar nicht angenommen. Eine Bescheinigung kurzfristig mal zu bekommen, geht gar nicht. Da wartet man wieder eine Woche auf einen Termin und an diesem Tag auch wieder auf dem Amt selbst. Und so lange verweigert ein Amt in der anderen Stadt die Bearbeitung von Vorgängen.“

Mietvertrag wieder aufgehoben

So wurde ihr erster Mietvorvertrag in Rostock wieder aufgehoben, weil die Zustimmung der Behörden in Rostock noch fehlten, so lange nicht bestimmte Unterlagen in Rathenow bearbeitet sind. Und jedes Mal ist ihr Sohn mit dabei. So fühlt sich Dagmar Lowins hilflos. Ab und zu hilft eine Nachbarin. „Ich mache nicht einmal den handelnden Personen in den Ämtern Vorwürfe“, so die alleinerziehende Mutter. „Das bürokratische Wirrwarr ist einfach zu groß. Zumal wenn verschiedene Bundesländer beteiligt sind.“ Anfang dieser Woche ist Dagmar Lowins wieder in Rostock. Sie hat zum 1. Dezember einen zweiten Mietvorvertrag bekommen. Mit der Umzugsfirma war der Umzugstermin für Mitte Dezember geplant. Dieser Termin ist jetzt auch wieder geplatzt, weil wieder ein Schreiben fehlt.

Aber Dagmar Lowins wird so erst einmal weiter auf „gepackten Koffern“ in ihrer Rathenower Wohnung sitzen. Ihr Vermieter in Rathenow macht das zu ihrem Glück noch mit. Denn er hatte auch schon potenzielle Nachmieter für ihre Wohnung, die sie zum 30. November schon gekündigt hatte.

Von Uwe Hoffmann

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