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Bekannte Fleischerei schließt

Wachow Bekannte Fleischerei schließt

Die Fleischerei Kowalski im Nauener Ortsteil Wachow hat am Sonnabend zum letzten Mal geöffnet. Fleischermeister Reinhard Kowalski geht in den verdienten Ruhestand. Mehr als 65 Jahre hat die Familie den Betrieb in dem Dorf geführt, viele Havelländer haben dort über Jahrzehnte eingekauft.

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Reinhard Kowalski mit seiner Frau Roswitha. Er hat seinen Beruf immer gern ausgeübt, stellte am liebsten Spezialitäten her.

Quelle: Andreas Kaatz

Wachow. Bestellungen von Kunden gab es in den letzten Wochen reichlich, nachdem sich herumgesprochen hatte, dass die Fleischerei Kowalski in Wachow zum Jahresende schließt. Immer wieder klingelte das Telefon, wurden Schinken, Knacker oder andere Dinge in größeren Mengen geordert. Schließlich muss es lange reichen. Auch die von vielen geschätzten Spezialitäten wie beispielsweise Koriander- oder Magenwurst gehen am Sonnabend zum letzten Mal über den Tresen. Reinhard Kowalski hatte jedenfalls bis zuletzt noch gut zu tun, um die vielen Wünsche zu erfüllen. Stundenlang stellte er Wurst her, selbst während der Feiertage.

Wenn am Sonnabend der letzte Kunde den Laden verlassen hat, schließt in Wachow nicht nur einer der letzten Fleischerläden im Landkreis, sondern es geht auch eine kleine Ära zu Ende. Mehr als 65 Jahre haben die Kowalskis dort Wurst und andere Spezialitäten hergestellt und verkauft. Reinhards Eltern Franz und Katharina – er Fleischer, sie Verkäuferin – führten nach dem Krieg erst eine Pacht-Fleischerei in Marzahne, dann wechselten sie nach Wachow. Schon frühzeitig half Reinhard im Betrieb mit, ebenso wie seine beiden Brüder, darunter der heute weltbekannte Tenor Jochen Kowalski. Der hatte als Kind oft im Schlachthaus gesungen – wegen der guten Akustik.

Reinhard Kowalski setzte dann die Familientradition fort, lernte Fleischer – unter anderem in Hammer bei Liebenwalde. Gern wäre er als Koch zur See gefahren, wie er es sich während der Armeezeit vorgestellt hatte. Doch dann erkrankte der Vater schwer, „und da ging es für mich gleich wieder nach Hause“. 1974 machte er seinen Meister, 1986 übernahm er den Betrieb, der bereits damals eine Anlaufstelle für Kunden nicht nur aus Wachow war. Schon bevor der Laden öffnete, standen die Leute häufig Schlange „Viele kamen auch aus Brandenburg“, erinnert sich seine Frau Roswitha Scherer. Und auch daran, dass gerade zu Weihnachten der größte Ansturm war. „Bis an die Decke hatten wir Puten, Enten und Gänse gelagert. Zu Weihnachten war alles weg“, so Kowalski.

Zur Wende 1989 drohte plötzlich das Aus für den bis dahin so beliebten Laden. „Von einem Tag auf den anderen kamen keine Leute mehr. Da saßen wir da mit unserem Fleisch“, sagt Reinhard Kowalski. Viele Havelländer zog es erst einmal in die neu entstandenen Supermärkte. Westartikel waren die erste Zeit gefragt, wie auch anderenorts. Doch die kleine Firma ließ sich nicht unterkriegen. Ein zweites Standbein musste her. So wurde im Erdgeschoss umgebaut und ein kleiner Laden hielt Einzug, in dem es von Lebensmitteln bis hin zu Drogerieartikeln Vieles zu kaufen gab. Doch auch das reichte auf Dauer nicht. Später kam noch ein Plattenservice hinzu – Catering für Familienfeiern. „Ohne dieses Angebot hätten wir uns nicht halten können. Allein von der Fleischerei konnten wir nicht leben“, sagt Roswitha Scherer.

Und wie es sich gehört, wurden im Laufe der Zeit auch ausgefallene Kundenwünsche erfüllt. Für Reinhard Kowalski Ehrensache. So bestellte mal ein Schwabe Rinderbäckchen, die nun nicht gerade zum Standardprogramm im Havelland und auch nicht in Wachow zählen. Doch dies war kein Grund, um abzulehnen. Umgehend telefonierten die Fleischereimitarbeiter herum und wurden schon bald fündig. Anderen Kunden wiederum, die in der Gegend mal Urlaub gemacht haben und auf den Geschmack gekommen sind, schicken die Kowalskis bis heute Päckchen mit Korianderwust nach Thüringen.

Für Reinhard Kowalski wird es aus Altersgründen langsam Zeit, etwas ruhiger zu treten. „Es gibt nicht so viele, die so lange machen“, meint der 69-Jährige, der seinen Beruf immer gern ausgeübt hat. Zeit, um mit Frau und den beiden Kindern in den Urlaub zu fahren, gab es aber fast nie. „Der Laden bestimmt mein Leben, weil man immer etwas machen muss“, sagt er. Und sei es, sonntags von früh bis nachmittags Wurst herzustellen.

Eines kann er sich sehr gut vorstellen, wenn er seinen Ruhestand angetreten hat: „Ich fahre dann nach Nauen, kaufe mir eine Dose Würmer und setze mich mit der Angel ans Wasser“, meint er schmunzelnd.

Von Andreas Kaatz

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